Wenig Nahrung, tote Schafe in der Herde: Vorwürfe gegen den Schäfer von Castrop-Rauxel

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Die Herden sind in Castrop-Rauxel bekannt: Schafe und Ziegen grasen auf der Rennbahn, im Erinpark, auf Graf Schwerin und anderswo. Jetzt erheben Tierschützer Vorwürfe: Es gibt tote Tiere.

Castrop-Rauxel

, 28.08.2019, 12:35 Uhr / Lesedauer: 4 min

Schäfer Elias Konze lässt seine Tiere seit Jahren, sein Vater seit Jahrzehnten in Castrop-Rauxel, Waltrop, Datteln und Lünen grasen. Er ist Wanderschäfer, 28 Jahre alt, in der vierten Generation. Mit was er jetzt konfrontiert ist, das hat er noch nie erlebt, sagt er bei einem Interview mit unserer Redaktion. Er wird schwer beschuldigt.

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Frauke H. ist seit fast zwei Wochen aufmerksam: Sie schaut sich die über 500 Tiere an, die zurzeit auf zwei Herden aufgeteilt in Bladenhorst und in Ickern/Deininghausen weiden. Sie dürsteten, findet sie. Einige Schafe seien ausgehungert. Und überdies würden viele der Tiere humpeln.

Frauke H., die sich seit Jahren im Verein „Team für Tiere Castrop-Rauxel“ engagiert, fürchtet um die Gesundheit. Drei Tiere seien in den vergangenen Tagen verendet. Ihre Bilder und Videos von verschiedenen Weiden dokumentieren das: Bis Dienstag lag zum Beispiel am Zaun hinter den XXL-Garagen am Deininghauser Weg der Kadaver eines Schafes, bis aufs Skelett ausgefressen von Tausenden Maden und Fliegen. Dort graste bis Montag eine der zwei Schafherden, ehe der Lüner Schäfer sie Dienstag aufs Gelände des Kraftwerks Knepper führte.

Wenig Nahrung, tote Schafe in der Herde: Vorwürfe gegen den Schäfer von Castrop-Rauxel

Die Tiere der Herde am Kraftwerk Knepper am Dienstagnachmittag: Sie sehen durchaus fit aus, auch wenn einige Tiere humpeln. Dass sie mangelernährt seien, liegt unter anderem an der Trockenheit und Hitze sowie daran, dass einige Muttertiere ihre Jungen mit Milch versorgen. Alles im normalen Rahmen, sagt der Schäfer. © Tobias Weckenbrock

Futter und Wasser fehlen

„Es ist nicht ausreichend Futter vor Ort“, sagt Frauke H. und meint damit eine Fläche in Bladenhorst, auf die die andere der beiden Herden Anfang der Woche umzog. Geschweige denn Wasser: „Wir bräuchten Hilfe!“, sagt sie, „nicht wir, sondern die Schafe.“

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So dokumentiert eine Tierschützerin ihre Sorge um die Schafe

Die Tierschützerin Frauke H. hat über fast zwei Wochen den Zustand der Schafsherden von Elias Konze dokumentiert. Das sind ihre Bilder, die wir zum Teil gepixelt haben.
28.08.2019
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Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Dieser Tierkadaver lag am Rande einer Weide hinter den XXL-Garagen am Deininghauser Weg. Das tote Tier lag dort mehrere Tage, wie der Fraß der Maden und Fliegen zeigt. © Frauke H.
Dieser Tierkadaver lag am Rande einer Weide hinter den XXL-Garagen am Deininghauser Weg. Das tote Tier lag dort mehrere Tage, wie der Fraß der Maden und Fliegen zeigt. © Frauke H.
Dieser Tierkadaver lag am Rande einer Weide hinter den XXL-Garagen am Deininghauser Weg. Das tote Tier lag dort mehrere Tage, wie der Fraß der Maden und Fliegen zeigt. © Frauke H.
Dieser Tierkadaver lag am Rande einer Weide hinter den XXL-Garagen am Deininghauser Weg. Das tote Tier lag dort mehrere Tage, wie der Fraß der Maden und Fliegen zeigt. © Frauke H.
Dieser Tierkadaver lag am Rande einer Weide hinter den XXL-Garagen am Deininghauser Weg. Das tote Tier lag dort mehrere Tage, wie der Fraß der Maden und Fliegen zeigt. © Frauke H.
Auf dieser Weide hinter den XXL-Garagen in Ickern lag über mehrere Tage ein von Maden und Fliegen zerfressener Kadaver eines toten Schafes. Der Schäfer holte das verendete Tier dort erst nach mehreren Tagen ab.© Tobias Weckenbrock
Auf dieser Weide hinter den XXL-Garagen in Ickern lag über mehrere Tage ein von Maden und Fliegen zerfressener Kadaver eines toten Schafes. Der Schäfer holte das verendete Tier dort erst nach mehreren Tagen ab.© Tobias Weckenbrock
Auf dieser Weide hinter den XXL-Garagen in Ickern lag über mehrere Tage ein von Maden und Fliegen zerfressener Kadaver eines toten Schafes. Der Schäfer holte das verendete Tier dort erst nach mehreren Tagen ab.© Tobias Weckenbrock
Auf dieser Weide hinter den XXL-Garagen in Ickern lag über mehrere Tage ein von Maden und Fliegen zerfressener Kadaver eines toten Schafes. Der Schäfer holte das verendete Tier dort erst nach mehreren Tagen ab.© Tobias Weckenbrock
Auf dieser Weide hinter den XXL-Garagen in Ickern lag über mehrere Tage ein von Maden und Fliegen zerfressener Kadaver eines toten Schafes. Der Schäfer holte das verendete Tier dort erst nach mehreren Tagen ab.© Tobias Weckenbrock
Auf dieser Weide hinter den XXL-Garagen in Ickern lag über mehrere Tage ein von Maden und Fliegen zerfressener Kadaver eines toten Schafes. Der Schäfer holte das verendete Tier dort erst nach mehreren Tagen ab.© Tobias Weckenbrock
Auf dieser Weide hinter den XXL-Garagen in Ickern lag über mehrere Tage ein von Maden und Fliegen zerfressener Kadaver eines toten Schafes. Der Schäfer holte das verendete Tier dort erst nach mehreren Tagen ab.© Tobias Weckenbrock
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.
Mit diesen Bildern dokumentiert die Tierschützerin den Zustand der Schafsherden.© Frauke H.

Der Verein sprang ihr am Dienstag bei. Die Polizei würde sich nicht ausreichend kümmern. Das Veterinäramt verweise auf eine angespannte Personalsituation. Und am Sonntag habe auch die Feuerwehr tätig werden müssen. „Ein zusammengebrochenes Schaf konnte nicht mehr aufgerichtet werden und wurde wohl auf Veranlassung der Feuerwehr eingeschläfert“, schreibt der Vorsitzende Nils Bettinger in einer Pressemitteilung, die auch im Internet für Aufregung sorgte. Vor einigen Wochen schon hatte sich bei Facebook der Ärger über die Verunstaltung des Erinparks durch die Herde Bahn gebrochen.

„Es hilft niemand“

Auf Anfrage unserer Redaktion bescheinigte Bettinger als Vorsitzender der Tierschützerin, auf deren Beobachtungen das Schreiben beruht, Vertrauens- und Glaubwürdigkeit. „Es kann doch nicht sein, dass in Deutschland Lebewesen hungern und dürsten müssen“, sagte Frauke H. im Gespräch mit unserer Redaktion. „Diesen Zustand kann ich nicht ertragen. Seit zehn Tagen kämpfe ich darum, dass jemand hilft. Aber es hilft niemand.“

Wenig Nahrung, tote Schafe in der Herde: Vorwürfe gegen den Schäfer von Castrop-Rauxel

Elias Konze ist Wanderschäfer aus Lünen-Alstedde. Er hält mit seinem Vater rund 500 Mutterschafe und kommt mit den rund 50 Ziegen, die ihn die Herden besser führen lassen, und den Lämmern auf über 700 Tiere. Er verteilt sie auf zwei bis drei Herden und zieht durch Castrop-Rauxel. © Tobias Weckenbrock

Unsere Redaktion hakte nach: bei der Polizei, der Feuerwehr, der Stadt, beim Kreis-Veterinäramt, bei einer Tierärztin - und beim Schäfer selbst. Was steckt hinter den Vorwürfen?

Das sagt die Stadt:

Das sagt die Stadt bezüglich des vermeintlichen Feuerwehreinsatzes und der Zusammenarbeit mit dem Schäfer: „Der beschriebene Einsatz ist der Feuerwehr Castrop-Rauxel nicht bekannt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Stadt seit mehreren Jahren städtische Flächen für Schäfer bereitstellt. Diese Bereitstellung ist in einem entsprechenden Vertrag zwischen der Stadt und dem Pächter geregelt. Dabei sind bestimmte Flächen ausgewiesen, die möglichst zweimal im Jahr beweidet werden sollen. Die ordnungsgemäße Beweidung der Flächen obliegt dem Pächter.“

Das bestätigt Elias Konze: Er habe sich vor einigen Jahren dazu mit Martin Wrede vom Bereich Stadtgrün zusammengesetzt. Man habe Flächen durchgesprochen und beweide diese seit Jahren etwa zweimal im Jahr. Entlang der Klöcknerstraße, am Kraftwerk Knepper, im Erinpark, auf Graf Schwerin, am Schloss Bladenhorst, im Hügelland in Obercastrop... Es sei ein Geben und ein Nehmen: Die Schafe mähen das Grün für die Stadt oder die RAG oder andere Flächenbesitzer. Und der Schäfer hat Futter für seine Tiere. Geld fließt laut Konze dabei nicht. Zum Teil hilft die Polizei durch Absperrungen beim Transfer auf die nächste Weide - und für das Trinkwasser der Tiere hat er einen Schlüssel für die städtischen Hydranten.

Am Dienstag telefonierte Martin Wrede aufgrund der Anschuldigungen mit Schäfer Konze. Der sagte ihm, dass eine Frau dabei sei, alle Leute aufzuwiegeln. „Dass mal Tiere verenden, ist in einer Herde normal“, erklärte er. Es sei zurzeit etwas mehr als sonst aufgrund der Hitze - und weil seine Scheune vor einigen Monaten abgebrannt sei, so Konze gegenüber unserer Redaktion. 100 Tiere, Jungtiere und Mutterschafe, hätten durch Rauchgase und Löschwasser Schaden genommen, über dessen Ausmaß er nichts genaues wisse.

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Reporterbesuch bei einer Schafherde von Elias Konze

Der Wanderschäfer Elias Konze aus Lünen wird von einer Tierschützerin angegriffen: Seine Tiere seien nicht gut genährt, bekämen zu wenig zu trinken, viele von ihnen humpelten. Wir schauten uns eine der beiden Herden auf dem Kraftwerksgelände Knepper am Dienstagnachmittag an und sprachen mit dem Schäfer.
28.08.2019
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Elias Konze ist Wanderschäfer aus Lünen-Alstedde. Er hält mit seinem Vater rund 500 Mutterschafe und kommt mit den rund 50 Ziegen, die ihn die Herden besser führen lassen, und den Lämmern auf über 700 Tiere. Er verteilt sie auf zwei bis drei Herden und zieht durch Castrop-Rauxel.© Tobias Weckenbrock
Seit Dienstag ist eine der beiden Schafsherden auf dem Gelände des Kraftwerks Knepper. Jedes Jahr kommt Elias Konze mit seinen Tieren her.© Tobias Weckenbrock
Seit Dienstag ist eine der beiden Schafsherden auf dem Gelände des Kraftwerks Knepper. Jedes Jahr kommt Elias Konze mit seinen Tieren her.© Tobias Weckenbrock
Elias Konze ist Wanderschäfer aus Lünen-Alstedde. Er hält mit seinem Vater rund 500 Mutterschafe und kommt mit den rund 50 Ziegen, die ihn die Herden besser führen lassen, und den Lämmern auf über 700 Tiere. Er verteilt sie auf zwei bis drei Herden und zieht durch Castrop-Rauxel.© Tobias Weckenbrock
Die Tiere, die am Kraftwerk stehen, sehen ordentlich genährt aus. Einige humpeln, aber der Schäfer kann das Phänomen für jedes einzelne Tier erklären. Wir nahmen Stichproben. © Tobias Weckenbrock
Die Tiere, die am Kraftwerk stehen, sehen ordentlich genährt aus. Einige humpeln, aber der Schäfer kann das Phänomen für jedes einzelne Tier erklären. Wir nahmen Stichproben. © Tobias Weckenbrock
Elias Konze ist Wanderschäfer aus Lünen-Alstedde. Er hält mit seinem Vater rund 500 Mutterschafe und kommt mit den rund 50 Ziegen, die ihn die Herden besser führen lassen, und den Lämmern auf über 700 Tiere. Er verteilt sie auf zwei bis drei Herden und zieht durch Castrop-Rauxel.© Tobias Weckenbrock
Die Mutterschafe nähren ihre Lämmer: Sie trinken Milch von ihren Müttern. Vor allem die älteren Muttertiere, die bis zu acht Jahre alt werden, sind darum durchaus ausgezehrt. Das liegt auch an einem geringeren Nahrungsangebot durch die Hitze und Trockenheit. © Tobias Weckenbrock
Elias Konze ist Wanderschäfer aus Lünen-Alstedde. Er hält mit seinem Vater rund 500 Mutterschafe und kommt mit den rund 50 Ziegen, die ihn die Herden besser führen lassen, und den Lämmern auf über 700 Tiere. Er verteilt sie auf zwei bis drei Herden und zieht durch Castrop-Rauxel.© Tobias Weckenbrock

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Das sagt die Polizei:

Die Polizei erklärt auf Anfrage, dass das Veterinäramt für Tierwohl-Fragen zuständig sei. Am Dienstag, bestätigt Sprecher Michael Franz, habe es um 9 Uhr einen Anruf gegeben, dass ein Schaf der Herde am Deininghauser Weg zu verenden drohe. „Daraufhin haben wir mit dem Schäfer telefoniert, der zusagte, sich dorthin zu begeben. Darum ist das Thema für uns erst einmal erledigt.“

Zur Sache

So funktioniert das Geschäft mit den Schafen

  • Elias Konze hält rund 500 Mutterschafe, deren Lämmer, ein paar Dutzend Böcke und rund 40 Ziegen, die die Herden führen.
  • Ein Mutterschaf lammt innerhalb von zwei Jahren normalerweise dreimal ab. Dabei kommen entweder ein oder zwei Jungtiere zur Welt.
  • Die Lämmer bleiben sechs bis acht Monate bei der Herde. Dann werden sie verkauft und geschlachtet.
  • Die Wolle lässt sich kaum verkaufen: Der Preis liegt bei rund 20 Cent für das Kilo, während man vor 20 Jahren noch rund 5 D-Mark bekam.
  • Das Scheren geschieht also praktisch nur zur Schafspflege Ende Mai / Anfang Juni. Es kostet den Schäfer Geld.
  • Ein Zuchtschaf wird rund acht Jahre alt.
  • Konze züchtet Kreuzungen aus dem Merino-Landschaf und dem deutschen schwarzköpfigen Woll- und Fleischschaf: „Merino-Schafe können mit dieser Futtersituation gut auskommen, gelten als liebevoll und fruchtbar“, so Konze. „Und die schwarzen bringen das Fleisch.“

Das sagt das Veterinäramt:

Der Kreis Recklinghausen sagt zunächst, dass der Schäfer bestätigt habe, dass er die Tiere zweimal am Tag tränken würde. „Da können wir keinen Verstoß erkennen“, so Sprecher Jochem Manz am Dienstag (27. August). Das habe man überprüft. Am Donnerstag (29. August) gab es weitere Infos vom Kreis.

Elias Konze erklärt: „Am Mittwoch treffen wir uns mit dem Amt. Ich kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Wir machen das seit vielen Jahren so wie jetzt. Dass die Situation durch die hohe Sonneneinstrahlung nicht einfacher ist, ist klar. Früher waren wir allein im Erinpark zwei bis drei Wochen. Heute gibt es dort noch Futter für vielleicht eine Woche.“ Und es wachse auch kaum Gras nach. Einige Tiere seien zurzeit mager, weil sie in der Dürrezeit die Jungtiere mit Milch zu versorgen hätten. Auch seien ältere Tiere unter den Schafen.

Gerüchte über die mögliche Erkrankung an einer Moderhinke weist der Schäfer zurück. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung, die dazu führt, dass Schafe humpeln. Eine Tierärztin wollte sich unserer Redaktion gegenüber dazu nicht äußern. Frauke H. meint aber, sie hätte viele humpelnde Tiere gezählt. Und viele Tiere trügen keine Marken im Ohr. Sie vermutet, dass viele nicht geimpft seien.

Schäfer Elias Konze erklärt: „Ich kann belegen, dass die Tiere gegen Moderhinke geimpft sind.“ Pro Tier müsse er 1,50 Euro bezahlen. Dass es humpelnde Tiere gebe, bestreitet er nicht. „Die Tiere, die humpeln, haben sich verletzt - zum Beispiel an Glassplittern, die auf den Wegen herumliegen“, so Konze im Gespräch mit unserer Redaktion. Er führe ein Bestandsregister. Und alle Schafe, die Marken haben müssten, trügen sie auch. „Bis die Tiere neun Monate alt sind, brauchen sie keine Marken.“ Er erkenne jedes Tier auch so und wisse, welches Lamm zu welchem Mutterschaf gehöre - aber es sei eine Pflicht, der er nachkomme, auch wenn die Ohren an den Stellen, wo die Marken hingen, oft unschön ausrissen.

„Wir lassen doch die Tiere nicht mit Absicht verhungern oder verdursten. Wir sind wirtschaftlich von ihnen abhängig.“
Wanderschäfer Elias Konze

Konze, der mit seinem Vater über die Lande zieht, ärgert sich über die Anfeindungen: „Wir lassen doch die Tiere nicht verhungern oder verdursten. Wir sind wirtschaftlich von ihnen abhängig.“ Er sei kein schlechter Mensch.

Jeder solle sich überlegen, „ob man noch Schafe in der Natur sehen will. Wir sind noch 900 Berufsschäfer in Deutschland, im Ruhrgebiet überhaupt nicht mehr viele. Unsere Existenz ist durch alles bedroht: Verkehr, immer weniger Flächen, keiner will den Kot oder abgefressene Landschaften.“

Wenig Nahrung, tote Schafe in der Herde: Vorwürfe gegen den Schäfer von Castrop-Rauxel

Elias Konze mit seiner Herde auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Knepper. Zweimal am Tag bekommen die Tiere Wasser - das sei so üblich, so der Schäfer. © Tobias Weckenbrock

Alle wollten Nachhaltigkeit, aber selbst wolle keiner was damit zu tun haben. „Wollen wir nur Mastställe mit blankem Beton, auf dem die Tiere stehen?“, so Konze. „Meinen Tieren muss es gut gehen. Nur dann geht es mir gut - weil ich sonst nicht über die Runden komme. Ein Schäfer lebt mit den Tieren, für die Tiere - und wenn es gut läuft von den Tieren.“

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