Mehrere Ortsschilder in Castrop-Rauxel weisen Verkehrsteilnehmern den falschen Stadtteil aus. Wie Rauxel zu Castrop wird oder wo man im falschen Schilderwald steht.

Castrop-Rauxel

, 01.04.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sich im Schilderwald auf deutschen Straßen zurechtzufinden, ist für so manchen Verkehrsteilnehmer schon eine echte Herausforderung. Noch etwas schwieriger wird es, wenn Schilder etwas falsches Ausweisen. Etwa, wenn man auf von der B235/Habinghorster Straße auf die Pallasstraße in Richtung Deininghausen abbiegt.

Dorf Rauxel oder Castrop?

Wenige Meter hinter der Kreuzung begrüßt den geneigten Verkehrsteilnehmer ein Ortseingangsschild der Stadt Castrop-Rauxel. Das Schild kann dort schon stehen, schließlich hilft es Fahrern von außerhalb, zum Beispiel von der A42 kommend, sich zu orientieren. Begüßt wird man hier in der Stadt Castrop-Rauxel im Kreis Recklinghausen - im Stadtteil Castrop. Das ist interessant, auch für die einheimischen Verkehrsteilnehmer.

An der Pallasstraße weist ein Schild in Fahrtrichtung Deininghausen auf den Ortsteil Castrop hin. Hier ist man aber in Rauxel.

An der Pallasstraße weist ein Schild in Fahrtrichtung Deininghausen auf den Ortsteil Castrop hin. Hier ist man aber in Rauxel. © Karl Glowsky

Denn laut Stadtkarte befindet man sich an der Pallasstraße nicht im Stadtteil Castrop, sondern in Rauxel, besser gesagt in Dorf Rauxel. Man fährt auch nicht in Richtung Castrop, sondern noch ein Stück nach Dorf Rauxel hinein, um dann ggf. weiter nach Deininghausen zu kommen. Castrop liegt in die entgegengesetzte Richtung.

Auch auf der Gegenseite der Pallasstraße, in Richtung Westen, weist ein Schild in Rauxel, auf den Stadtteil Castrop hin.

Auch auf der Gegenseite der Pallasstraße, in Richtung Westen, weist ein Schild in Rauxel, auf den Stadtteil Castrop hin. © Karl Glowsky

Ein kurioser Einzelfall? Oder stimmen die Karten nicht, und die Pallasstraße liegt tatsächlich in Castrop? Das fragte sich auch Leser Karl Glowsky. Der Rentner machte eine 75 Kilometer lange Rundtour durch die Stadtteile und schoss über 30 Fotos von Ortseingangsschildern. Das Ergebnis: Von einem Einzelfall kann hier nicht die Rede sein.

Wo ist dieses Behringhausen?

Auch auf der Castroper/Herner Straße von Herne aus kommend wird man als Autofahrer im Stadtteil Castrop begrüßt. Laut Karte liegt hier aber noch der Ortsteil Behringhausen dazwischen. Dasselbe Bild findet man auf der Karlstraße auf der Stadtteilgrenze zwischen Behringhausen und Obercastrop. Auch hier weist ein Ortseingangsschild darauf hin, man fahre in den Stadtteil Castrop ein. Genau genommen stimmt das nicht. Der Fairness halber sei hier aber erwähnt, dass der Stadtteil Castrop wenige hundert Meter weiter die Straße entlang liegt. Wer also nur auf der Durchreise ist, der kommt kurze Zeit später nach Castrop.

Nicht anders ergehe es Becklem, meint Karl Glowsky. Dort heiße es trotz der großen räumlichen Trennung von Becklem zu Henrichenburg, dass man den Stadtteil Henrichenburg vor sich habe.

Die Armen Pöppinghausener

Besonders hart trifft es Pöppinghausen. Hier gibt es überhaupt kein Ortseingangsschild, sondern nur ein grünes Hinweisschild. „Die Verkehrsexperten werden schon wissen, warum das so ist“, sagt Glowsky.

Pöppinghausen besitzt kein eigenes Ortseingangsschild, sondern nur ein grünes Hinweisschild.

Pöppinghausen besitzt kein eigenes Ortseingangsschild, sondern nur ein grünes Hinweisschild. © Karl Glowsky

Dass es auch korrekte Schilder gibt, soll hier nicht unterschlagen werden. Auf der Bochumer Straße auf Höhe von Haus Callenberg wird korrekterweise der Stadtteil Obercastrop ausgewiesen. Auch auf der Merklinder Straße in Richtung Frohlinde weist ein Ortseingangsschild den Stadtteil korrekt aus. In Gegenrichtung fährt man allerdings nicht nach Merklinde, sondern nach Castrop-Rauxel. Also ein Schild ohne Stadtteilzusatz.

Eine weitere Frage, die sich dem geneigten Leser schon längst aufgedrängt haben dürfte: Die Stadt hat wahrlich größere Probleme, als falsch beschriftete Orts(teil)schilder. Also was soll der Terz? „Prinzipiell sehe ich das auch so“, sagt Glowsky. Eine Gefahr gehe von den Schildern nicht aus. „Nachgefragt habe ich im Verkehrsauschuss trotzdem“, so Glowsky. Die Antwort fiel wie erwartet aus: Die Stadt hat andere Sorgen.

Kurios bleibt es, zumale der durchschnittliche Castrop-Rauxeler einen ausgeprägten Stadtteilpatriotismus pflege, so Glowsky. Das deckt sich mit den Erfahrungen unserer Redaktion. Gut zu erkennen sei das an der Vielzahl von Stadtteilvereinen, die einen positiven Einfluss auf das Leben in Castrop-Rauxel hätten, findet Glowsky. Das, buchstäblich, an der Eingangstür aber ein falscher Name steht, scheint niemanden so recht zu stören.

Was Karl Glowsky nicht so recht verstehen kann, ist der Ersatz des Ortseingangsschildes an der Leveringhauser Straße in Ickern. „Früher stand Stadtteil Ickern drauf. Auf dem neuen Schild fehlt der Hinweis.“ Hier, an der Stadtgrenze zwischen Ickern und Waltrop war die Beschriftung korrekt. Vielleicht musste das Schild aus Gründen der Verkehrssicherheit ausgetauscht werden?

Verwirrung in Bladenhorst

Selbst mancher Castrop-Rauxeler tut sich übrigens schwer mit dem Stadtteil, in dem er wohnt. So erklären Zouhair und Kira Allali im Stadtteilcheck Baldenhorst, dass sie zwar hier leben, sich aber als Rauxeler fühlen. Und das, obwohl Zoihair Allali schon seit seiner Kindheit in der Rütgers-Siedlung lebt. Eigentlich in Bladenhorst, direkt neben dem Sportplatz des VfR Rauxel allerdings. „Ich war felsenfest der Meinung, dass ich Rauxeler bin. Wenn ich mir die Karte anschaue, sehe ich aber auch, dass ich mich getäuscht haben muss.“

Schwierig wird es für gerade für Nicht-Castrop-Rauxeler im Stadtteil Rauxel. Denn obwohl die Stadtkarte keine Trennung vorsieht, sind Rauxel und Dorf Rauxel gefühlt zwei unterschiedliche Stadtteile. Auch in unserer Redaktion. Die Stadtverwaltung unterteilt in Rauxel Süd und Rauxel Nord, verwendet also andere Begrifflichkeiten.

Dass man in Castrop-Rauxel auch kurzerhand ausquartiert weren kann, erfuhr eine Leserin im Dezember 2014. Nach Bauarbeiten im Herbst war das Ortsausgangsschild an Karlstraße gestohlen worden, wurde dann ersetzt - aber an der falschen Stelle. Anwohnerin Renate Niewel wurde kurzerhand aus Castrop-Rauxel nach Herne „umquartiert“. Der Spuk währte nur kurz, das Schild wurde wieder an die richtige Stelle versetzt. Schuldig war hier allerdings ein Bautrupp aus Herne. Der brachte das gestohlene Schild schlicht an der falschen Stelle an.

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