Wewole-Chef kritisiert: Menschen mit Behinderung haben keine Lobby

mlzWerkstätten geschlossen

Die Wewole-Werkstätten müssen geschlossen bleiben. „Menschen mit Behinderungen haben keine Lobby, das zeigt sich in der aktuellen Krise ganz deutlich“, so Wewole-Chef Rochus Wellenbrock.

Castrop-Rauxel

, 19.04.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Werkstätten der Wewole bleiben über den 19. April hinaus geschlossen. „Davon gehen wir, Stand heute, aus, auch wenn der Gesetzgeber offiziell noch keinen Erlass veröffentlicht hat“, so Rochus Wellenbrock.

Der Vorstandsvorsitzende des Teilhabe-Anbieters für Menschen mit Behinderungen in Herne und Castrop-Rauxel geht davon aus, dass das Betretungsverbot der Werkstätten bis „mindestens zum 4. Mai“ verlängert wird. Dies ist ein Ergebnis der regelmäßig tagenden Leitungskonferenz bei der Wewole, die immer wieder auf die aktuellen Vorgaben durch Bund, Land und Kommune reagiert und sie umsetzt.

1100 Menschen sind von Schließung betroffen

Betroffen von der Schließung sind etwa 1100 Menschen mit Behinderungen, die in Voll- oder Teilzeit in den verschiedenen Wewole-Werkstätten beschäftigt sind. Mit diesen seien die Angestellten der Wewole seit Wochen trotzdem in Kontakt. „Wir betreuen sie in unseren Wohnreinrichtungen oder verschicken Bildungs- und Arbeitspakete“, so Wellenbrock.

Gerade der persönliche Kontakt, ob am Telefon oder per SMS, sei zurzeit für die Menschen mit Behinderungen eminent wichtig, denn Rochus Wellenbrock sieht sie bei den Corona-Regelungen, die Bund und Land aufstellen, „ganz am Ende der Fahnenstange. „Menschen mit Behinderungen haben keine Lobby, das zeigt sich in der aktuellen Krise einmal mehr ganz deutlich“, so Wellenbrock.

Der Kiosk "NimmEssMit" der Wewole im Hauptbahnhof soll am kommenden Montag wieder eröffnen.

Der Kiosk „NimmEssMit“ der Wewole im Hauptbahnhof soll am kommenden Montag wieder eröffnen. © Thomas Schroeter

So sei das Wegbrechen des strukturierten Alltags für sie ein riesiges Problem: „Die Menschen mit Behinderungen dürfen oft nur mit einem Angehörigen oder mit einem Betreuer nach draußen. Jetzt sitzen viele zuhause und fühlen sich alleine gelassen. Wir als Werkstatt können diesen strukturierten Tagesablauf aber bieten. Und zwar mit höchster fachlicher Kompetenz, mit bester Struktur und unter strengsten hygienischen Vorgaben.“

„CAPpuccino“ und „NimmEssMit“ im Bahnhof öffnen

Begrenzt geöffnet werden ab Montag, 20. April, einige Standorte, an denen die Wewole im Einzelhandel tätig ist und wo unter anderem eine kontaktlose Kartenzahlung gewährleistet ist. Dazu gehören neben der Gärtnerei an der Nordstraße in Herne, die bereits seit Anfang April stundenweise geöffnet hat, der Backshop „CAPpuccino“ und der Verkaufskiosk „NimmEssMit“ im Hauptbahnhof Castrop-Rauxel.

Dort werden unter den vorgeschriebenen hygienischen Anforderungen wieder Dinge für den täglichen Bedarf angeboten, wobei der Imbissbereich im „CAPpuccino“ geschlossen bleibt. Die Öffnungszeiten im Castroper Hauptbahnhof will die Wewole der Kundennachfrage anpassen: „Da warten wir die ersten beiden Tage ab, da der ÖPNV ja auch sehr stark eingeschränkt ist.“

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Die Wewole schränkt die Besuchsmöglichkeiten in den Wohneinrichtungen ein. Die Werkstätten und das Cafè „CAPpuccino“ sowie der Verkaufskiosk „NimmEssMit“ im Hauptbahnhof bleiben aber geöffnet. Von Thomas Schroeter

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