Micky Beisenherz wuchs in einem „normalen Gas-Wasser-Scheiße-Ruhrgebietshaushalt“ in Henrichenburg auf. In einem Podcast erklärt der Gagschreiber, Moderator und Autor nun seinen Werdegang.

Castrop-Rauxel

, 18.11.2020, 12:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Podcast heißt „On the way to new work“: Seit Jahren laden Christoph Magnussen und Michael Trautmann Gesprächspartner ein, die aus ihrem Arbeitsalltag erzählen. Oft geht es dabei eher um die Art des Arbeitens und wie sie sich in der heutigen globalen, immer digitaleren Welt verändert. In Folge 263 ist das etwas anders: Darin geht es vor allem um Micky Beisenherz und wie er Karriere als Medienmensch machte.

Witzeschreiber in der „Heute Show“ des ZDF, im RTL-Dschungelcamp „Ich bin ein Star. Holt mich hier raus!“, für das Bühnenprogramm des Comedians Atze Schröder, Kolumnist im „Stern“, Co-Moderator im WDR beim „Kölner Treff“, Moderator der NTV-Show „Timeline“, Gastgeber von drei Podcast-Formaten und ungemein aktiv und oft viral mit seinen Postings im Social Web: So beschreiben die Podcast-Gastgeber das Schaffen des gebürtigen Castrop-Rauxelers, der heute in Hamburg lebt.

Die über allem stehende Frage des 57-minütigen Gesprächs: Wie wird man das?

„Der Kern des Ganzen ist, dass ich mich ausreichend aufgedrängt habe“, sagt Beisenherz selbst. „Der Geltungsdrang als Basis all dessen ist wahrscheinlich … unumgänglich.“

Der 43-Jährige fing am 1.1.2000 beim Radio an. Vorher leistete er Zivildienst, davor machte er Abitur am Adalbert-Stifter-Gymnasium. Und dann „ganz klassisch Radio“, so Beisenherz. Von da an habe sich sein Weg verästelt. Sein Erfolgsgeheimnis: „Ich hatte das große Glück, dass immer jemand kam, dem ich aufgefallen bin.“

In der Schule war er der Klassenclown

Beisenherz gibt im Gespräch zu, er sei an der Schule schon der Klassenclown gewesen, habe im Schultheater mitgespielt – und zu Hause im Vier-Generationen-Haushalt in Henrichenburg sei immer eine gewisse Lautstärke gewesen: „Dort hat sich niemand etwas geschenkt, egal, ob die Oma einem einen Spruch drückte oder der Vater einen veräppelte. Es gab eine sehr hohe Pointen-Dichte, das ganze Haus war voll von irgendwelchen Stand-Uppern.“

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Das sei prägend gewesen. „Da lernst du, schneller zu ziehen als dein Gegenüber. Sonst gehen die nächsten drei Sprüche auf deine Kosten.“

Allen um ihn herum sei klar gewesen, dass er in die Medien gehen würde nach der Schule. Er jobbte aber ein Jahr lang auf Baustellen, bevor er beim Lokalradio in Herne ein Praktikum machte – und dann ging es für ihn los: Die Unterhaltungschefin von Radio NRW mit seinen 1,5 Millionen Hörern wurde auf ihn aufmerksam. Sie lud ihn zum Mantelprogramm „des Mutterschiffes“, so Beisenherz, ein. Alle lokalen UKW-Radiosender in NRW zählen dazu, egal ob Radio Vest oder Radio 91.2 in Dortmund, Radio Bochum, Antenne Münster, Radio Kiepenkerl oder Radio Emscher-Lippe.

Bei Radio Herne war er früher da als die anderen

Sein Engagement paarte sich dort offenbar mit seinem Talent. Er sagt, er sei damals schon um 6 Uhr in den Sender gekommen, um in der Morning-Show in Herne seine kleinen Beiträge zu platzieren: „Die wussten, dass der Irre kommt und irgendeinen Quatsch aufnimmt“, so Beisenherz. Mal war er der lustige Sidekick, zum Beispiel der Opa vom Morgenmoderator, mal imitierte er Promi-Stimmen für kurze Beiträge – und wechselte dann fest in die Zentrale nach Oberhausen. „Es hat einfach Spaß gemacht“, so Beisenherz über seine Zeit in Herne.

In der Unterhaltungsredaktion des Mantelprogramms konnte er sich austoben. Sie erfanden die Morning-Show vor der Morning-Show: Die lief zwischen 4 und 6 Uhr auf den Lokal-Wellen, die oft erst ab 6 Uhr selbst aus den Städten in NRW senden. „Da haben wir uns ausgetobt, das war Anarchie, kaum vorstellbar, dass das heute noch gesendet würde. Es war eine fantastische Zeit!“

Einblicke in die Arbeit rund ums Dschungelcamp

Ins Dschungelcamp stieg Beisenherz in der dritten Staffel ein. Es war sein Start in eine bundesweite Bekanntheit. Ein Macher meldete sich bei Beisenherz, weil er seine Co-Autorin ersetzen musste: „Ob ich nicht mit nach Australien fliegen könnte, fragte er mich. Ich habe überlegt, denn ich musste dafür als Festangestellter beim Radio ja unbezahlten Sonderurlaub nehmen“, sagt Beisenherz.

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Aber er flog mit, wurde Witzeschreiber in der „gigantischen Fernsehshow“. Seither ist er dort nun einer von vier Witze-Autoren für das Moderatoren-Duo.

Der Job könne nur vor Ort in Australien laufen, erzählt Beisenherz im „OTWTNW-Podcast“: Man gehe dort von einem zum nächsten Schnittplatz, schaue sich Ausschnitte aus dem Camp immer und immer wieder an, müsse mit vielen Leuten sprechen, den Moderatoren zu Beispiel. „Das sind lange Arbeitstage, manchmal 12, 14 oder 16 Stunden. Aber es macht riesigen Spaß“, so Beisenherz.

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Mit diesem Format und dessen Erfolg in Feuilletons ebenso wie in Klatschspalten der Boulevardpresse wurde der Berufsstand des Fernsehautors erst bekannt. Es folgten für ihn Interviews mit großen Zeitungen, durch die er selbst ein Gesicht bekam. Diesen Rückenwind nutzte er, um in Social Media als Person aufzudrehen.

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Mit seiner Stern-Kolumne, die vor fünf Jahren begann und alle zwei Wochen veröffentlicht, änderte sich noch mal alles für ihn, sagt Beisenherz: Fortan war er nicht mehr nur Gag-Autor, sondern auch Autor. In der dritten Folge begann er, auch ernste Themen mit einem durchaus humorigen Unterton zu behandeln.

Das ganze Interview, in dem er weitere Erfolgsrezepte und Geheimnisse lüftet, kann man im Podcast „On the way to new work“ anhören. Der ist verfügbar bei den einschlägigen Podcast-Anbietern und über die Website www.onthewaytonewwork.com.

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