Wie sich zwei junge Frohlinder eine eigene Imkerei aufbauen wollen

mlzCrowdfunding

Niels Soumagne und Linda Bellmann aus Frohlinde träumen von einer eigenen Imkerei. Der erste Honig ist bereits produziert. Trotz hohem Kostenaufwand wollen sie die Natur unterstützen.

Frohlinde

, 06.02.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Niels Soumagne und Linda Bellmann haben einen großen Garten an der Merklinder Straße in Frohlinde. „Der war zunächst erst einmal unbenutzt“, sagt der 27-Jährige. Mittlerweile schwirren Bienen über den Blüten, Gemüse wächst in den Beeten und Hühner laufen rund um einen Haselnussbaum herum. Im Garten des Paares, das zudem einen Hund und zwei Katzen besitzt, herrscht ordentlich Betrieb. Doch ihr Ziel haben die beiden noch nicht erreicht.

Wer den Garten betritt, dem fallen sofort die vier gelben Kästen unweit des Gartenhauses auf: Bienenkästen. Hier leben die Bienenvölker und stellen Honig her. 50 Kilogramm hat das Paar im vergangenen Jahr geerntet. „Zwischen 20 bis 30 Kilogramm sind normal, aber wir haben ein starkes Bienenvolk. Das ist echt ein erhabenes Gefühl, seinen eigenen Honig zu ernten und hinterher abzufüllen“, sagt Niels Soumagne.

Die Bedeutung der Bienen für das Ökosystem

Im vergangenen Jahr bekam er zum Geburtstag von seiner 26-jährigen Freundin Linda einen Anfängerkurs im Umgang mit den Bienen bei Dr. Pia Aumeier in Bochum geschenkt. Daraus resultierte das erste eigene Bienenvolk für die Frohlinder. Mittlerweile haben sie vier Ableger gebildet, die sich in Dorf Rauxel bei Bekannten befinden. Das heißt: Sie sorgten für neue Bienenvölker.

Niels Soumagne und Linda Bellmann sind nicht einfach nur Honigfreunde, sie wollen der Natur damit etwas Gutes tun. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig Bienen für das Ökosystem sind. Sie sind Hauptbestäuber vieler Pflanzen und sorgen damit für die Artenvielfalt“, sagt Soumagne. Er finde schade, dass viele Vorgärten grau statt grün oder bunt erscheinen - Steingärten statt einer Blumenwiese. „Wo sieht man noch einen schönen, blumigen Vorgarten? Wir wollen noch ein paar Blumenwiesen anlegen, um nicht nur den Bienen, sondern auch anderen Insekten Lebensraum zu geben“, so der 27-Jährige, der in seiner Freizeit Handball bei der HSG Rauxel-Schwerin spielt.

Wie sich zwei junge Frohlinder eine eigene Imkerei aufbauen wollen

Die Bienen im Anflug auf die Kästen in denen die Völker leben. Im Sommer herrscht hier Hochbetrieb. © Niels Soumagne

Das Projekt kostet Geld. Das können sie aufwenden, weil er Tischler und sie tiermedizinische Fachangestellte ist. Die Bienenzucht sei ein schönes gemeinsames Hobby für sie als Paar. Ein teures: Im ersten Jahr der Bienenzucht gaben Soumagne und Bellmann über 1000 Euro dafür aus. Nun wollen sie mithilfe einer Crowdfunding-Aktion den nächsten Schritt gehen. „Es ist ein extrem hoher finanzieller Aufwand. Das haben wir am Anfang gar nicht so bedacht.“ Sie stellten das Projekt auf Startnext ein. „Das ist eine ganz nette Plattform, weil es nicht nur darum geht, Geld zu generieren, sondern man auch etwas zurückgibt als Dankeschön“, sagt Niels Soumagne.

Das gibt es als Dankeschön für eine Spende

1000 Euro haben sie sich als Ziel gesetzt. Die Sammel-Aktion läuft noch bis Sonntag, 17. Februar. Mit diesem Betrag könnten die beiden neues Saatgut oder neue Honiggläser kaufen. Wer Niels Soumagne und Linda Bellmann mit 25 Euro unterstützt, bekommt dafür ein Glas Honig als Dankeschön. Man kann auch Patenschaften für die Bienenvölker übernehmen. Sollten die 1000 Euro erreicht werden, träumen sie noch von einer eigenen Honigschleuder.

Das Crowdfunding-Projekt auf Startnext:

Doch nicht nur die Bienen und der Honig faszinieren das Paar. In ihren jungen Jahren haben sie sich bereits eine eigene kleine Versorgungsmaschinerie in Frohlinde aufgebaut. 17 Hühner versorgen die beiden täglich mit frischen Eiern - allerdings besonderen Eiern. „Wir stehen total auf besondere Eierfarben und haben uns dafür Rassehühner geholt. Unser Ziel ist es, noch mehr unterschiedliche Farben zusammenzubekommen, ich finde zum Beispiel rosane Eier total cool“, sagt Linda Bellmann. Und Niels Soumagne fügt mit einem Grinsen hinzu: „Irgendwann können wir daraus einen Regenbogen basteln.“

Der Anbau der eigenen Lebensmittel

Neben den Bienenkästen befindet sich ein Beet. Hier pflanzt das Paar Salat in den Hochbeeten, Erdbeeren, Tomaten, Mais, Kartoffeln, Radieschen, Zucchinis und Kürbisse an. „Man hat am Anfang den kleinen Samen in der Hand, und am Ende isst man beispielsweise die Zucchini davon, das ist ein schönes Gefühl“, sagt Linda Bellmann. Komplett autark wolle das Paar aber nicht leben, es sei einfach eine schöne Freizeitbeschäftigung mit dem positiven Nebeneffekt, einen Teil seines Essens selbst anzupflanzen. „Das schmeckt viel besser“, sagt Niels Soumagne.

Wie sich zwei junge Frohlinder eine eigene Imkerei aufbauen wollen

Auch Hühner halten Niels Soumagne und Linda Bellmann in ihrem Garten. Sie haben sich sogar Rassehühner geholt, um verschiedenfarbige Eier zu bekommen. © Niels Soumagne

Von den Eiern und dem Gemüse profitiert das Paar hauptsächlich selbst, der Honig wiederum ist nicht ausschließlich für den Eigenbedarf. Für 6,50 Euro verkaufen sie ein Glas mit 500 Gramm Honig. Das ist teurer als im Geschäft, aber dafür bekommen die Kunden naturbelassene Handwerkskost: Niels Soumagne und Linda Bellmann lassen ihren Honig von den Bienen trocknen, so wie es in der Natur üblich ist.

Die Unterschiede zwischen deutschem und chinesischem Honig

„In China wird der Honig früher aus den Kästen genommen und maschinell getrocknet. Dabei gehen dann aber Inhaltsstoffe verloren“, so Soumagne. Das Problem: Laut Medienberichten wird mittlerweile fast dreimal so viel Honig allein in China als in der kompletten EU produziert. Mit niedrigen Preisen werden die Kunden gelockt, obwohl es sich bei den Produkten um verfälschten Honig handelt.

Wie sich zwei junge Frohlinder eine eigene Imkerei aufbauen wollen

Das Endprodukt: Der Honig der Bienen von Niels Soumagne und Linda Bellmann. Zu kaufen gibt es den für 6,50 Euro pro Glas. © Marcel Witte

Daher hoffen Linda Bellmann und Niels Soumagne, dass sich vor allem viele Castrop-Rauxeler für die naturbelassene Variante entscheiden und ihr Projekt unterstützen. Auch beispielsweise mit dem Kauf von Saatgut für neue Blumenwiesen.

Im Familien- und Freundeskreis hat das Paar bereits einiges bewirkt, sagt Niels Soumagne: „Dadurch, dass wir die Bienen haben, ist das Bewusstsein von den Menschen in unserem Umkreis für Insekten und so ganz anders geworden. Unsere Freunde gucken beispielsweise, wenn sie Blumen kaufen, dass sie insektenfreundlich sind - und nicht einfach nur schön aussehen.“

Unter dem Namen „Unser kleiner Hühnerhof“ kann man die Fortschritte von Niels Soumagne und Linda Bellmann mit ihren Hühnern, dem Anbau des Gemüses sowie natürlich mit den Bienen bei Instagram verfolgen. Mehrmals in der Woche gibt das Paar dort einen Einblick in sein Leben mit den Tieren.
Lesen Sie jetzt