Zahlen und kuriose Anekdoten: Drei Sprengungen von imposanten Bauwerken in Castrop-Rauxel

mlzSprengungen

Am Sonntag werden Kühlturm, Kesselhaus und Schornstein des ehemaligen Kraftwerks Knepper gesprengt. Ähnlich imposante Bauwerke fielen auch bereits in der Vergangenheit in Castrop-Rauxel.

Castrop-Rauxel

, 13.02.2019, 17:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Monaten wird das Kraftwerk Knepper an der Oestricher Straße zurückgebaut. Nun werden am Sonntag, 17. Februar, der Kühlturm, das Kesselhaus und der Schornstein gesprengt.

Doch bereits früher gab es in Castrop-Rauxel ähnliche Sprengungen. Viele werden sich wahrscheinlich noch an die Sprengungen der Türme des ehemaligen Eon-Kraftwerks an der B235 erinnern. Mehrere tausend Zuschauer versammelten sich damals an verschiedenen Punkten, um sich die Sprengungen anzuschauen.

Eine Sprengung in den 70er-Jahren

Allerdings gab es auch schon in den 70er-Jahren eine Sprengung eines derart imposanten Gebäudes. Damals wurde der Hochbunker an der Oberen Münsterstraße gesprengt.

Wir haben zu den drei Sprengungen, dem Hochbunker sowie den zwei Türmen des Eon-Kraftwerks einige Videos, viele Zahlen, die dazugehörigen Fakten und auch kuriose Anekdoten gesammelt – beginnend von klein nach groß.

1 Verletzte gab es am 24. Mai 1975 bei der Sprengung des Hochbunkers an der Oberen Münsterstraße. So berichteten die Ruhr Nachrichten in ihrer Ausgabe vom 26. Mai 1975: „Fliegende Splitter hatten eine Frau leicht verletzt, in den anliegenden Häusern waren einzelne Fensterscheiben zu Bruch gegangen, Betonbrocken hatten einige Dachpfannen durchschlagen. An einem Pkw wurde die Windschutzscheibe zerstört, obwohl er vorschriftsmäßig außerhalb der Absperrung geparkt war.“

2 Häuser wurden für die Sprengung des Hochbunkers geräumt. Die Bewohner der Häuser an der Holzstraße 18 und 24 mussten ihre Wohnungen für die Zeit der Sprengung verlassen, „weil diese Bauten genau in Fallrichtung des Bunkers liegen und deshalb durch fliegende Betonbrocken gefährdet sein können“, hieß es damals in unserer Printausgabe. Ansonsten wurde den umliegenden Anwohnern übrigens gestattet, in ihren Häusern zu bleiben. Sie sollten sich jedoch den geschlossenen Fenstern nicht nähern.

Zahlen und kuriose Anekdoten: Drei Sprengungen von imposanten Bauwerken in Castrop-Rauxel

Diese Karte zeigt den Sperrbereich am 25. Mai 1975 rund um den Hochbunker. Erst nach der Sprengung des Hochbunkers wurde der Altstadtring gebaut. © Archiv

3 Jungen hatten 1975 eine Idee, wie sie die Sprengung des Hochbunkers verfolgen konnten. So bauten sie sich in der Sperrzone in den Gärten zwischen der Feuerwehr an der Frebergstraße und dem Bunker mithilfe einer Holztür einen Unterstand, von dem aus sie die Sprengung sehen wollten. Doch die Jungen wurden kurz vor der Sprengung entdeckt und hinter die Absperrungen verwiesen.

30 Meter in U-Form sind vom Schornstein des Eon-Kraftwerks nach der Sprengung am 5. April 2008 übrig geblieben. „Trotz des Rests sind wir sehr zufrieden mit dem Verlauf“, erklärte damals der Sprengleiter Martin Hopfe, „schließlich ist kein Schaden aufgetreten, und das, was noch da ist, erledigt die Abrissbirne problemlos.“

33 Jahre stand der Hochbunker an der Oberen Münsterstraße. Der Bunker wurde zwischen August 1941 und Ende 1942 gebaut. Weder Bombentreffer, noch in der Nähe explodierende Luftminen oder der Beschuss während der Eroberung im April 1945 konnten dem Bau während des Zweiten Weltkriegs etwas anhaben.

45 Meter hoch war der Hochbunker. Er hatte 13 Obergeschosse und war für 1000 Menschen ausgelegt. Beim Richtfest 1942 wiederum wurde der Größenwahnsinn in der Zeit des Zweiten Weltkriegs noch einmal laut: „Allen Widerwärtigkeiten zum Trotz wuchs langsam aber sicher, von tiefer Grundlage immer höher aufragend, das neue Wahrzeichen unserer Stadt aus dem heimatlichen Boden. Als Symbol dieser ruhmreichen Kriegsjahre wird dieses ‚Bauwerk Nr. 1‘ des Castrop-Rauxeler Stadtmittelpunktes in seiner erhabenen Größe und Wuchtigkeit auf das Rathaus neben sich, die in der Achse des Platzes liegende Stadthalle und die ihm gegen sich hinziehende Berufsschule hinabblicken.“

230 Meter hoch war der Schornstein des Eon-Kraftwerks und somit bis zum 6. April 2008 das höchste Gebäude in Castrop-Rauxel. Es gehörte sogar zu den höchsten Bauwerken in ganz Deutschland. Noch bis Sonntag ist der Schornstein des Knepper-Kraftwerks mit 210 Metern das höchste Gebäude der Stadt. Das höchste Bauwerk Deutschlands ist übrigens der Berliner Fernsehturm mit einer Höhe von 368,03 Metern.

320 Kilogramm Sprengstoff (Ammongelit 3) wurden 1975 bei der Sprengung des Hochbunkers benötigt. „Etwa gleichzeitig mit dem Donnern der Explosion entsteht eine Staubwolke, der Bunker vibriert und senkt sich langsam nach Westen. Beim Aufprall in das Bett gibt es einen Knall: Zwei mit Pressluft gefüllte Gummi-Ponts zerplatzen unter dem Gewicht der Betonmassen. Das Erdreich wird aufgewirbelt und damit dürfte der Spuk vorbei sein“, beschrieb diese Zeitung damals den Vorgang im Vorbericht zur Sprengung.

397 Bohrlöcher bohrte das Team um den Sprengbeauftragen Günter Franke in den Kühlturm des Eon-Kraftwerks. „Die müssen alle mit Sprengstoff beschickt werden“, sagte Eon-Bauleiter Wolfgang Gabriel damals. Genauer gesagt mit „Eurodyne 2000“ und Zündern.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die Bilder der drei Sprengungen in Castrop-Rauxel

13.02.2019
/
Ein Bild aus den Jahren 1941 oder 1942: Der Hochbunker an der Münsterstraße wird gebaut.© Stadtarchiv
Der Hochbunker an der Münsterstraße. Die Aufnahme datiert vom 16. Juli 1968.© Klaus Michael Lehmann
Die Sprengung des Hochbunkers am 24. Mai 1975.© Helmut Orwat
Die Sprengung des Hochbunkers 24. Mai 1975.© Helmut Orwat
Die Sprengung des Hochbunkers an der Münsterstraße in Castrop-Rauxel am 24. Mai 1975© Helmut Orwat
Die Sprengung des Hochbunkers am 26. Mai 1975.© Helmut Orwat
Der Kühlturm des eon-Kraftwerks wurde 1966 errichtet.© Helmut Orwat
So sah das Kraftwerk an der B235 damals aus.© Archiv
Kurz vor der Sprengung: Der Kühlturm wird mit den Sprengsätzen versehen.© Archiv
Der Kühlturm kurz vor der Sprengung von innen.© Archiv
Da fällt er zusammen: Der Kühlturm ist nur wenige Sekunden später Geschichte.© Martin Goldhahn
Eine große Staubwolke stieg nach der Sprengung des Kühlturms auf. Der Staubregen sorgte anschließend dafür, dass die Schaulustigen schnell zu ihren Autos eilten.© Archiv
Zwei Jahre später wurde auch der Schornstein des Kraftwerks gesprengt.© Volker Engel
Viele Schaulustige hatten sich zur Sprengung des Schornsteins eingefunden.© Volker Engel
Auch bei der Sprengung des Schornsteins stieg eine große Staubwolke auf.
© Frank Bock
Viel blieb vom 230 Meter hohen Schornstein nicht übrig. Daher titelte diese Zeitung: "Geblieben ist ein schräges U".© Frank Bock
Zum Zeitpunkt dieses Luftbildes waren alle Überreste des Kraftwerks abgebaut. Die Klöcknerstraße als Verbindung vom Mittelstandspark bis nach Ickern fand sich gerade noch im Bau.© Archiv

500 Leute von der Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk waren bei der Sprengung des Schornsteins des Eon-Kraftwerks im Einsatz. Zu den THW-Arbeitern zählten auch Kräfte aus Gladbeck und Dorsten.

2500 Schaulustige verfolgten am 5. November 2006 die Sprengung des Kühlturms des Eon-Kraftwerks. Selbst Autos mit dem Kennzeichen HSK für Hochsauerlandkreis wurden in der Nähe der Klöcknerstraße gesichtet. Die Zuschauer der Sprengung waren während des Wartens übrigens gut versorgt: Der Partyservice Hauwe hatte die Schaulustigen mit 2500 Brezeln kostenlos versorgt.

5000 Tonnen schwer war der Kühlturm des Eon-Kraftwerks unweit der B235. 1966 wurde dieser errichtet - 40 Jahre später sprengte ihn der Sprengbeauftragte Günter Franke von der Thüringer Sprenggesellschaft. Ursprünglich waren auf dem Gelände des Kraftwerks der Weiterbau der Industrieachse des Mittelstandsparks sowie Wohnungsbau vorgesehen. Aktuell ist die Fläche, nachdem dort für einzige Zeit Flüchtlinge in Zelten untergebracht waren, unbenutzt.

240.000 Liter Wasser hatte die Feuerwehr Castrop-Rauxel für die Sprengung des Schornsteins des Eon-Kraftwerks am 6. April 2008 in sechs Containern als Puffer zur Verfügung. Letztlich hielten die Feuerwehrleute eine halbe Stunde lang 12.000 Liter Wasser aus zehn Wassersprühgeräten auf den Schornstein zur Staubeindämmung.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen