ZDF-„Heute-Show“ verspottet Castrop-Rauxel - die Stadt nimmt es locker

mlzZDF-Satiresendung

Es ist wieder so weit: Castrop-Rauxel muss den Spott der Satiriker über sich ergehen lassen. Die ZDF-„Heute-Show“ hat die Stadt durch den Kakao gezogen. Vor Ort nimmt man es mit viel Humor.

Castrop-Rauxel

, 25.06.2020, 15:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht eigentlich ums große Ganze. Um Corona, um Tourismus, um Politik. Am Mittwochmorgen hat Österreich eine Reisewarnung für NRW verhängt - wegen der Corona-Hotspots hierzulande. Doch dann plötzlich taucht im großen Ganzen Castrop-Rauxel auf: Die ZDF-Satiresendung „heute-show“ nahm die Reisewarnung des Nachbarlandes zum Anlass, am Nachmittag bei Facebook und Instagram Folgendes zu posten:

„Österreich verhängt Reisewarnung für NRW. Tausende Österreicher müssen sich nun von ihrem Urlaubstraumziel Castrop-Rauxel verabschieden.“ Eingebettet ist der Spruch in ein Foto, das rauchende Schlote der Zeche Erin zeigt, die es so seit Jahrzehnten in Castrop-Rauxel gar nicht mehr gibt.

Es wird sofort fleißig kommentiert, in die Tausende gehen die Reaktionen am nächsten Tag: Einige Instagram- und Facebook-Nutzer sind verärgert, dass schon wieder ein veraltetes Bild vom Ruhrgebiet vermittelt wird: „So schlimm sieht es hier gar nicht aus. Aber außer altes Castrop-Rauxel-Bashing ist den wenig kreativen Autoren wohl nichts eingefallen“, heißt es beispielsweise bei Facebook.

Die meisten drehen den Scherz weiter

Die meisten Nutzer aber nehmen es locker und drehen den Scherz einfach weiter: „Castrop-Rauxel? Wahre Österreicher verbringen ihren Sommerurlaub eigentlich in Würselen“ schreibt etwa salzfrosch bei Instagram. In diese Richtung gehen auch Kommentare wie „Castrop-Rauxel ist der lateinische Name von Wanne-Eickel“ - eine Anspielung darauf, dass der Stadtteil der Nachbarstadt Herne auch gern zur Zielscheibe von Satirikern wird.

Auch manch ein Österreicher reagiert mit Humor auf den Post. So schreibt Monika Gaderbauer bei Facebook: „Ich komme aus Tirol und habe dieses Grün und die Berge satt, daher wollte ich diesmal in dem schönen Castrop relaxen... Wieder nix.“

Auch bei der Stadt musste man schmunzeln

Dabei könnte die Österreicherin dem Grün gar nicht entfliehen, käme sie nach Castrop-Rauxel. „Wer hier mal durch den Wald spazieren geht, der weiß, wie grün es hier ist“, beteuert Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi.

Und das bestimmt nicht zum ersten Mal. Denn was satirischen Ruhrpott-Spott angeht, „sei man hier in Castrop-Rauxel einiges gewöhnt“, erklärt sie. „Wir müssen immer mal wieder herhalten.“ Dabei hätten Stadt und Ruhrgebiet schon so erfolgreich gegen das alte Klischee-Bild angearbeitet.

Dass es trotzdem immer wieder bemüht wird? Bei der Stadt gibt man sich gelassen. „Wir nehmen das mit Humor“, sagt Fulgenzi und das zeigt auch die launige Reaktion auf den „heute-show“-Post bei Facebook, in der mit einem Smiley versehen, gefragt wird, ob das ernst gemeint sei.

Angegriffen fühle man sich gar nicht. „Die Heute-Show“ ist eine Satire-Sendung, die auch uns zum Lachen bringt“, sagt Fulgenzi. Und sie gibt zu: Man habe sogar geschmunzelt, als man den Post gesehen habe. Das gelte auch für die Wirtschaftsförderung der Stadt.

Von Zuständen wie in der Nachbarstadt Dortmund, in der Oberbürgermeister Ullrich Sierau auch schon mal einen Brandbrief an den Intendanten des WDR geschrieben hat, weil ihm seine Stadt im „Tatort“ als zu klischeehaft dargestellt sei, scheint man also weit entfernt.

Der Bindestrich-Name gefällt den Satirikern

Warum die Satiriker sich so gerne an Castrop-Rauxel abarbeiten? Nicole Fulgenzi glaubt, es liege am etwas ungewöhnlichen Bindestrich-Namen. Daher müsse auch Wanne-Eickel immer wieder dran glauben.

Das ZDF antwortet allgemein-ausweichend auf die Frage, warum es bei der „Heute-Show“ Castrop-Rauxel getroffen hat: „Die „Heute-Show“ bezieht regelmäßig Orte oder ganze Bundesländer in seine Satire ein“, heißt es. In dem Fall habe Castrop-Rauxel als „erkennbar ehemaliger Industriestandort gut gepasst“.

Millionen oder vielleicht sogar alle Österreicher würden diesen nun von ihrer Traumreisezielliste streichen, heißt es scherzhaft bei Instagram. Laut IT.NRW haben im vergangenen Jahr übrigens 222 Österreicher in Castrop-Rauxel übernachtet. Durchschnittliche Aufenthaltsdauer: 2,1 Tage.

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