Zu tiefer Blick in die Bierflasche

CASTROP-RAUXEL Rumgepöbelt, rumgemotzt und keine guten Sitten an den Tag gelegt. Der Angeklagte nahm wohl einen Schluck zu viel aus der Flasche. Und das nicht zum ersten Mal. Auch vor Gericht musste er sich schon verantworten. Das er sich kaum erinnern könne, war dem Richter völlig egal.

von Von Gabriele Regener

, 16.01.2008, 09:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Wenn Sie nicht so alt wären, würde ich Sie ordentlich vermöbeln!" So blaffte der 31-Jährige zurück, als ihn ein 58-jähriger Mann gegen 18.40 Uhr auf dem Aldi-Parkplatz an der Bockenfelder Straße mahnte, nicht an die Mülltonnen zu pinkeln. Und fügte noch hinzu: "Das macht doch jeder." Die zehn Flaschen Bier hatten aber nicht nur den Druck auf die Blase erhöht, sondern auch das Aggressionspotential gesteigert.

Glaubwürdige Zeugen schilderten Sachlage

Gestern vor Gericht beharrte der Angeklagte darauf, sich völlig passiv verhalten zu haben. Doch die beiden Zeugen, der 58-Jährige und seine 38-jährige Lebensgefährtin, schilderten glaubwürdig, dass dies nicht so war. Vielmehr habe der Angeklagte den Zeugen, der als Verwalter für das Gelände und das nebenstehende Bürgerhaus verantwortlich ist, nach der Aufforderung, den Parkplatz zu verlassen, angegriffen.

In der einen Hand eine kleine Flasche Jägermeister als "Schlagverstärker", wie der Zeuge es nannte, schwang er mit der anderen eine Stofftasche, gefüllt mit zwei Flaschen Bier. Doch der Verwalter konnte dem Schlag ausweichen, so dass die Flaschen hinter ihm zerschellten. Fix brachte er den Angreifer zu Boden und damit außer Gefecht.

Denn was der stark angetrunkene Angreifer nicht ahnen konnte: Der "alte Mann" betreibt seit fast 1959 Kampfsport. So war es für ihn ein Leichtes, den 31-Jährigen abzuwehren.

Kaum Erinnerungen seitens des Angeklagten

An all das hatte der arbeitslose Angeklagte kaum Erinnerungen. Konnte auch nicht sagen, warum er im Herbst letzten Jahres verurteilt worden war. Insgesamt haben sich sieben Vorstrafen angesammelt, darunter eine Freiheitsstrafe auf Bewährung, die noch bis Februar 2008 läuft.

Da war es fast ein Glück, dass er dem Bier ordentlich zugesprochen hatte. Denn so wurde ihm verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Weil er zudem den Verwalter mit seiner Attacke nicht getroffen hatte, lautete die Anklage versuchte gefährliche Körperverletzung. Umstände, die eine Geldstrafe anstelle einer Freiheitsstrafe rechtfertigten, so dass die Bewährung nicht aufgehoben wird. Jetzt muss er zusehen, wie der die Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je fünf Euro abstottert.

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