Zuckersüß und zartbitter

CASTROP-RAUXEL Der Nachtisch war zwar zuckersüß, aber bei den beiden Ickerner und Schweriner DiTiB-Gemeinden ist die Stimmung in Sachen Moschee-Bau eher zartbitter.

von Von Ilse-Marie Schlehenkamp

, 30.09.2007, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Yafes Corbaci kam zum Fastenbrechen aus Köln nach Castrop-Rauxel und freute sich, Alime und Derya Arslan wiederzusehen. Schlehenkamp</p>

<p>Yafes Corbaci kam zum Fastenbrechen aus Köln nach Castrop-Rauxel und freute sich, Alime und Derya Arslan wiederzusehen. Schlehenkamp</p>

Freitagabend kamen die Moslems zum traditionellen Fastenbrechen im Ramadan in der Mensa der Willy-Brandt-Gesamtschule zusammen. Und mit ihnen Vertreter der christlichen Kirchen und der Politik, die sich das süße Dessert munden ließen.

Freitagabend kamen die Moslems zum traditionellen Fastenbrechen im Ramadan in der Mensa der Willy-Brandt-Gesamtschule zusammen. Und mit ihnen Vertreter der christlichen Kirchen und der Politik, die sich das süße Dessert munden ließen.

Stellvertrender Bürgermeister Gerd Hölter (CDU) betonte die Wichtigkeit des Austauschs der Kulturen und wünschte den Gemeinden den Mut, diesen Weg weiterzugehen. "Nehmen sie viele andere mit", erklärte Hölter. Und im Hinblick auf "den in der Öffentlichkeit stark diskutierten Moschee-Bau" appellierte er: "Gehen Sie offen auf die Bevölkerung zu, stellen Sie sich den Fragen, damit wir eine gute Lösung für alle Bürger finden."

Geographische Mitte

"Wir sind ja jederzeit offen", erklärte Kubilay Corbaci, der Vorsitzende des Integrationsrats, gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Der nicht verhehlt, dass er enttäuscht sei über manchen fragwürdigen politischen Zungenschlag in der Diskussion der vergangenen Wochen. "Dann soll man klar sagen, wir wollen euch nicht, aber nicht hintenrum schlecht reden", formulierte Corbaci. Zum Standort der Moschee hätten die Gemeinden überhaupt keine Zusicherung bekommen, diese Frage solle in der ersten Sitzung des Beirats am 27. Oktober angegangen werden.

Nicht über Nacht

Corbaci: "Bei der Präsentation unserer Pläne im Rat haben wir ganz klar gesagt, wir wollen in die geographische Mitte beider Gemeinden, von der Stadtmitte war nie die Rede." Außerdem könne man einen Bauplatz dort gar nicht bezahlen. Corbaci: "Wir haben auch keinen Zeifel daran gelassen, dass die Moschee ein Projekt ist, das sich vielleicht über fünf Jahre hinweg ziehen könnte, weil wir es aus finanziellen Gründen nicht eben mal so umsetzen können." Das Thema sei auch nicht etwa nach den Kommunalwahlen 2009 vom Tisch. Man wolle aber langsam wissen, wo's lang gehe. Schon im Hinblick auf die Vorstandswahlen beider Gemeinden Ende dieses Jahres. Corbaci: "Wir sind jederzeit offen, aber die Mehrheitsgesellschaft sollte das auch sein."

1,5 Millionen Baukosten

Mit knapp 1,5 Mio. Baukosten kalkulieren die Gemeinden, die das aus eigener Kraft schultern wollen. Dazu kommen die Bauplatz-Kosten. Den Wert der beiden Moscheen in Ickern und auf Schwerin schätzt Corbaci mit 600 000 Euro ein, die in den Neubau fließen sollen. Beide Standorte sollen aufgegeben werden, wenn der Neubau fertig ist. Die Gemeinden verfügen über je rund 150 zahlende Mitglieder, künftig sollen auch die Ehefrauen aktiv beteiligt werden. Am 13. Oktober in der ASG-Aula soll es eine inoffizielle Mitgliederbefragung zum Projekt geben, bevor Ende 2007 bei den Vorstandswahlen grünes Licht abgeholt wird.

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