Zukunft der iranischen Familie weiter ungewiss

Nach Kirchenasyl

Ihr Fall berührte viele Castrop-Rauxeler tief: Eine christliche Familie aus dem Iran soll abgeschoben werden, die Freie evangelische Gemeinde Deininghausen gewährt ihnen Kirchenasyl. Jetzt ist die Frist, innerhalb der die Abschiebung drohte, abgelaufen. Gewissheit darüber, wie es jetzt weiter geht, hat die Familie trotzdem nicht.

CASTROP-RAUXEL

, 04.09.2014, 11:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Ehepaar vor dem Gotteshaus, das über drei Monate ihr Zuhause war.

Das Ehepaar vor dem Gotteshaus, das über drei Monate ihr Zuhause war.

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Der Fall von Hamid, Maryam und ihrem fünfjährigen Sohn Arya ist kompliziert: Die junge Familie war aus dem Iran geflohen, nachdem sie dort wegen ihrer Konvertierung zum christlichen Glauben um ihr Leben fürchten musste. Die Schleuserbande, die ihnen bei der Flucht half, besorgte den Iranern italienische Visa, buchte aber einen Flug nach Deutschland, wo die Familie seit mehr als einem Jahr lebt und gut integriert ist. Aus Sicht der Behörden ist laut Visa aber Italien zuständig: Dorthin sollte die Familie im Mai ausgewiesen werden.

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Bis zum 14. August drohte ihnen die Abschiebung, so lange galt auch das Kirchenasyl, das die Freie evangelische Gemeinde in Deininghausen Hamid, Maryam und Arya gewährte. Fakt ist: Die Frist ist rum, laut Aussage des Anwalts gilt damit, dass die dreiköpfige Familie nicht nach Italien abgeschoben werden kann, sondern Deutschland zuständig sei. „Die Nachricht kann nächste Woche kommen, oder in zwei oder in drei, wir wissen es nicht“, macht der neue Seelsorger der Gemeinde deutlich.

Die Enge in dem kleinen Zimmer in der Kirche aber hat ein Ende. Die Angst ist der Zuversicht gewichen, ganz verschwinden wird sie wohl nie. „Für Moslems im Iran, die zum Christentum überwechseln, wird es immer gefährlich sein“, sagt Hamid (37) leise. „Ich kenne einen iranischen Pastor, der seinen Namen bei uns nicht preisgibt, weil er Angst vor der Verfolgung durch extreme Kräfte im Iran hat“, ergänzt Hanschmann.

Viel zu packen hat die Familie nicht, wenn sie Sonntag nach dem Gottesdienst die Kirche an der Weimarer Straße verlässt, weil die Frist des Gesetzgebers rum ist. Die Drei ziehen zurück zu einer Familie aus der Gemeinde in Castrop-Rauxel, die ihnen vor dem Kirchenasyl eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt hatte. „Drei Monate ohne Dusche, das war schlimm“, schildert Maryam (30). Sie haben sich mit warmem Wasser so gut es ging beholfen.

Sohn Arya war der einzige, der während des Kirchenasyls das Gotteshaus und das Gelände an der Weimarer Straße verlassen hat – um den Kindergarten zu besuchen. Gemeindemitglieder brachten den Jungen dorthin. „Diese Gemeinde ist meine neue Familie“, erzählt Hamid. Der in einem Gottesdienst die Begrüßung übernommen hat – auf deutsch. Ein Student aus der Gemeinde hat versucht, die Deutschkenntnisse der Familie noch ein bisschen weiter nach vorne zu bringen. Zu Sprachkursen rauszufahren, wäre unmöglich gewesen. Mal ganz abgesehen davon, dass sie sie gar nicht finanziert bekommen hätten. Die Hilfe der Stadt habe darin bestanden, dass sie die Familie in Ruhe gelassen habe, berichtet Hanschmann. Auch an diesem Sonntag wird die iranische Familie wieder mit Gottesdienst feiern. „The church ist our house“, lächelt Hamid. Er bliebe zu gerne für immer in unserer Stadt. In seiner neuen Groß-Familie. 

Angesichts der sich zuspitzenden Flüchtlingsproblematik hat der Caritas-Verband die Initiative zu einem Runden Tisch mit Vertretern von Stadtverwaltung, Kirchen und anderen Organisationen ergriffen. Er soll im Oktober das erste Mal zusammenkommen. Astrid Dähnke von der Caritas bezeichnet es als "tragisch", dass es in der Stadt für Flüchtlinge und Migranten keine offizielle Anlaufstelle gibt. 

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