Ergreifende Bilder: Wie Castrop-Rauxeler ein Lächeln nach Bosnien und Herzegowina bringen

Menschen in Not

Die Castrop-Rauxeler Stiftung „Menschen in Not“ steht vor der nächsten Tour: Jetzt bringt sie Hilfsgüter nach Bosnien und Herzegowina. Herbert Schröer besuchte die Einrichtung „Drin“ vorab.

Castrop-Rauxel

, 10.08.2019, 08:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ergreifende Bilder: Wie Castrop-Rauxeler ein Lächeln nach Bosnien und Herzegowina bringen

Diese Menschen leben in der Einrichtung „Drin“ in Fojnica. Ein Hilfstransport führt in diesem Sommer aus Castrop-Rauxel und Bottrop dorthin. © Stiftung

Es ist nicht so, dass Herbert Schröer für die Stiftung „Menschen in Not“ von Alfons Lakenberg zum ersten Mal in Bosnien und Herzegowina war. Aber diesmal, berichtet er, war vieles anders: Er reiste im Juli allein nach Fojnica, um eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen zu besuchen - die „Drin“. Hierher führte ein Hilfskonvoy schon vor einem Jahr. Nun geht es wieder dorthin.

Herbert Schröer brachte viele Eindrücke von seiner Reise im Juli mit. Er wollte herausfinden, wie die Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen in diesem Baltikum-Staat leben. Pädagogische Konzepte? Betreuung? Pflege? Er hospitierte eine Woche lang dort - und ist vom Fach: 20 Jahre war er Werkstattleiter einer Werkstatt für Behinderte in Bochum.

Fast 500 Menschen leben in der Einrichtung „Drin“

495 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen leben in dieser öffentlichen Einrichtung, in der es um soziale und medizinische Versorgung sowie (Re-)Habilitation und Resozialisierung der Menschen geht. „Drin“ will zurzeit weitere Häuser im Umfeld kaufen oder anmieten, um die schwierige Belegsituation zu entzerren.

Ergreifende Bilder: Wie Castrop-Rauxeler ein Lächeln nach Bosnien und Herzegowina bringen

Herbert Schröer (2.v.r.) besuchte die Einrichtung „Drin“ in Bosnien und Herzegowina, wohin bald eine neue Hilfsfahrt der Stiftung für Menschen in Not des Castrop-Rauxelers Alfons Lakenberg führt. © Stiftung

Seine Eindrücke sind zum Teil erschreckend: Ältere Mitarbeiter seien zum Teil nicht für ihre Arbeit qualifiziert und ausgebildet. Es fehlt an Beschäftigungsmaterial für die Menschen, es fehle die Zeit, Spaziergänge zu unternehmen. Die Bewohner schlafen zum Teil in Zehner-Schlafräumen ohne Nachtschränkchen oder andere Aufbewahrungsmöbel für Persönliches. Privatsphäre haben sie gar nicht.

Keine Bilder, kaum Beschäftigung

„Die Räume waren frisch gestrichen, allerdings halbhoch mit abwaschbarer Farbe“, berichtet Schröer. „An den Wänden hingen keine Bilder. Anschließend sah ich verschiedene Gruppen. Menschen saßen zum Teil apathisch herum und warteten auf das nächste Essen. So etwas kenne ich aus den 70er-Jahren in Deutschland. Ich frage mich, jeder Mensch möchte ein nettes Zuhause, warum haben diese Menschen das nicht mal ansatzweise?“

Noch deprimierender sei es in der Kinder- und Jugendgruppe gewesen. Einige Kinder und Jugendliche verbrächten den ganzen Tag im Bett, zum Teil abgedunkelt. „Keine Reize, kaum Berührungen“, so Schröer. „Einmal täglich findet eine Aktivität statt.“

Besonderes Engagement in anderen Bereichen

Schröer sagt relativierend, es seien nur Eindrücke einer kurzen Anwesenheitszeit gewesen. Und auf anderen Stationen sei es weit besser gewesen. Er spricht auch von besonderem Engagement von Mitarbeiterinnen und bunten Bereichen.

Vor allem die Vielschichtigkeit der Einrichtung habe ihm gefallen und der positive Ansatz der Deinstitutionalisierung der Einrichtung und den geplanten Ausbau. Aber: „Grundlegende Veränderungen sind schwer möglich. Hierzu benötigen die Verantwortlichen Begeisterung für die Sache, viel Mut zur Veränderung, einen langen Atem, gute praxisnahe Konzepte, viel Geld sowie Unterstützung durch die Förderation.“

Mitte August startet der Lieferwagen mit Anhänger

Nun, nach seiner Rückkehr von der einwöchigen Reise, warten weitere Aufgaben auf Schröer: Hilfsgüter liegen in Bottrop und Castrop-Rauxel schon bereit. Am 15. August sitzt er mit den Kollegen Peter Gauer vom Bottroper Bosnienverein und Reinhard Bierbaum von der Lakenberg-Stiftung in Castrop-Rauxel im Lieferwagen. Mit Anhänger geht es dann gen Bihac. Dort geht es in Schulen in Kalesija und Breza. „Wir haben vom gemeinnützigen Verein Labdoo.org in Mülheim 70 gebrauchte Computer mit Lernprogrammen erhalten und verpackt und werden sie an die Schulen liefern.“

Und: Zum „Drin“ in Fojnica bringen die Deutschen gebrauchte Pflegebetten, Windeln, Rollstühle, Bekleidung und vieles mehr. Am 23. August sind sie zurück in der Heimat.

Zur Sache

Das ist die Stiftung

  • Die Stiftung von Alfons Lakenberg heißt ganz korrekt eigentlich „Aktionen - Stiftung für Menschen in Not“.
  • 1979 begann der Castrop-Rauxeler sein Engagement mit einer Hilfsaktion der Elisabeth-Gemeinde Obercastrop nach Polen.
  • 2003 wurde aus langjähriger Aufbauarbeit in der „Aktionsgemeinschaft der Belegschaft MAN Bochum“ eine eigene Stiftung.
  • „Mit privaten Spenden wollen wir Menschen helfen, die sich in ihrer Not an uns wenden“, schreibt Alfons Lakenberg auf der Website. „Dabei leisten wir konkret Hilfe für Menschen in Verarmung, seelischer Vereinsamung und mit geistiger und/oder körperlicher Beeinträchtigung. Zunehmend werden wir in kooperativer Verbindung zu anderen sozialen Einrichtungen unsere Aufgaben angehen und gemeinsam dadurch wirksamer helfen können.“
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