Wir haben die Tür zum Hammerkopfturm geöffnet: Wer oben auf rund 30 Metern Höhe im denkmalgeschützten Gebäude steht, wird vom morbiden Industrie-Charme in einer lichtdurchfluteten Schalthalle übermannt. © Volker Engel
Wir öffnen Türen

Zurückversetzt ins Bergbauzeitalter: Im Hammerkopf des Hammerkopfturms

Er ist eines der schönsten Bauwerke in Castrop-Rauxel: der Hammerkopfturm auf Schwerin. 1929 wurde er errichtet. Aber was steckt eigentlich in diesem Hammerkopf? Wir öffnen Türen zum geheimen Ort.

Wer sich mit der Frage nach den Wahrzeichen von Castrop-Rauxel beschäftigt, der stößt unweigerlich auf die beiden noch erhaltenen Fördertürme: Das nackte Fördergerüst der Zeche Erin im Erin-Park ist ohne Zweifel ein Hingucker, aber noch spannender ist der gemauerte Hammerkopfturm auf Schwerin. Denn er ist verschlossen. Aber wir öffnen Türen zu geheimen Orten.

Der grüne Laser strahlt im Advent von Schweriner Berg aus fast zwei Kilometer weit ins Altstadt-Tal. Er ist angebracht auf dem „Balkon“, der den Hammerkopf dieses Bauerwerks auf etwas über 30 Metern umrundet. Aber was befindet sich eigentlich im Hammerkopf selbst? Unsere Bilder zeigen echt morbiden Bergbau-Charme.

Der Hammerkopfturm ist eines der schönsten Gebäude und Wahrzeichen von Castrop-Rauxel.
Der Hammerkopfturm ist eines der schönsten Gebäude und Wahrzeichen von Castrop-Rauxel. © Jens Lukas © Jens Lukas

In 25 Metern Höhe, über den Dächern von Schwerin, thront die Maschinenbühne. Sie ist praktisch das Topping für den Schacht 3 der Zeche Erin, deren Flöze bis auf das eigentliche Feld der Zeche Graf Schwerin hier auf Schwerin austreiben. Hier wurde um 1890 ein Wetterschacht von 5,50 Metern Durchmesser abgeteuft, über den die Luft abziehen sollte. Fast 400 Meter ging es hier okay. in die Tiefe. Aber zunächst nicht für Personen.

Kürzere Anmarschwege im Grubenfeld

Die Seilfahrt kam erst zehn Jahre später über ein Metallgerüst dazu. So hatten die Bergleute unter Tage kürzere Anmarschwege im Grubenfeld. Der gemauerte Hammerkopfturm, über den das später noch besser gewährleistet werden konnte, wurde erst um 1930 errichtet.

Oben im knapp 35 Meter hohen Turm ist es hell: Die Architekten der Gelsenkirchener Bergwerks AG, die gerade in die Vereinigte Stahlwerke Aktiengesellschaft übergegangen war, planten den Führerstand neben der oberen Seilscheibe auf dem gepolsterten Lehnstuhl recht komfortabel.

Heute ist die Sitzfläche des Sessels aufgeschlitzt, aber man kann sich noch gut hereinversetzten in die Arbeit, die der Fördermaschinist hier oben an den zwei Steuerhebeln und den Schaltkästen leistet. Sogar einen Heizkörper gab es hier, damit der zentrale Mann an seinem Arbeitsplatz nicht frieren musste.

Der Führerstand im Hammerkopfturm: Hier wurde der Förderkorb bedient, der bis zu 700 Meter in die Tiefe ins Grubenfeld der Zeche Erin führte.
Der Führerstand im Hammerkopfturm: Hier wurde der Förderkorb bedient, der bis zu 700 Meter in die Tiefe ins Grubenfeld der Zeche Erin führte. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Eine zweite Seilscheibe eine Ebene darunter und der darunter hängende Förderkorb konnten am Ende eine Seilfahrt für Bergleute vom Hammerkopfturm aus in bis zu 700 Metern Tiefe gewährleisten.

Romantik und Morbidität

Den Charme, den der Hammerkopfturm außen ausstrahlt, toppt das Innere noch: Industrie-Romantik mischt sich mit dem Morbiden, dem Vergangenen. Deutlich sichtbar eroberten sich auch die Vögel diesen Raum – ihre weißen Hinterlassenschaften haben den Verfall beschleunigt.

1983 wurde die Zeche Erin stillgelegt. Der Schweriner Hammerkopfturm, der nie zur Kohleförderung genutzt wurde, blieb erhalten als einer von dreien der zehn Türme seiner Art, die Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts im Ruhrgebiet gebaut wurden. Zum Tag des Denkmals ist er einmal im Jahr für Besucher geöffnet.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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