Das ehemalige Zechengelände in Hervest steht symbolisch für den Strukturwandel in Dorsten. Hier wurden in den letzten Jahren viele neue Arbeitsplätze geschaffen. © www.blossey.eu
Online-Umfrage

Mehr Gewerbe, mehr Jobs – eine Rechnung mit vielen Unbekannten

Die Wirtschaftsförderung in Dorsten ist eine Erfolgsgeschichte. Und doch gibt es Forderungen. Es müsste noch mehr Gewerbegebiete geben, heißt es. Leichter gesagt, als getan.

Mehr Gewerbeflächen, mehr Arbeitsplätze – diese Forderung unterstützten fast zwei Drittel der Teilnehmer einer Online-Umfrage zur Arbeit der Dorstener Stadtverwaltung. Die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft WinDor fühlt sich aber nur in Teilen angesprochen. „Die Ausweisung von Gewerbeflächen muss regional und in der Landesplanung abgestimmt werden, die Verfahren sind komplex“, sagt Geschäftsführer Josef Hadick.

15 Gewerbegebiete gibt es in Dorsten – vom kleinsten im Stadtsfeld mit fünf Hektar Fläche bis zum größten, dem Interkommunalen Industriepark Dorsten-Marl, mit 94 Hektar. Eine 16. Gewerbefläche mit weiteren 30 Hektar – der Industriepark Große Heide auf dem Gelände der früheren Zeche in Wulfen – durchläuft bis Ende 2020 das Planverfahren.

„Mit den Gewerbegebieten Endelner Feld, Güterbahnhof, Fürst Leopold und Industriepark Dorsten-Marl wurde rund ein Drittel der Gesamtfläche in den letzten zwei Jahrzehnten geschaffen. Den Erfolg dieser Anstrengungen können wir in den letzten Jahren ernten“, sagt Josef Hadick.

19.000 Arbeitsplätze in Dorsten

Nach Schließung der Zeche Fürst Leopold und durch die Wirtschafts- und Investitionskrise Anfang der 2000er-Jahre gingen in Dorsten rund 4000 von 17.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen verloren. „Dieser Verlust ist inzwischen vollständig ausgeglichen“, betont Hadick. „Es gibt über 19 000 Arbeitsplätze in unserer Stadt, bis zur Corona-Pandemie mit weiterhin steigender Tendenz.“

Der Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderung relativiert deshalb die Forderung aus der Umfrage zur Arbeit der Stadtverwaltung. Ja, gerne mehr Gewerbe und Arbeitsplätze, aber mit Bedacht – das ist die Strategie. Hadick erklärt: „Gewerbeflächen müssen gut angebunden und zugleich gegenüber Wohngebieten gut abgegrenzt sein. Da wir möglichst wenig Natur- und Landwirtschaftsflächen opfern wollen, soll Gewerbeland vor allem auf alten Standorten ausgewiesen werden.“

Die Bewohner in Holsterhausen werden das gerne hören. Sie protestieren seit zwei Jahren gegen ein Gewerbegebiet im Landschaftsschutzgebiet Emmelkämper Brauk. Das ist im Entwurf für die künftige Regionalplanung weiterhin enthalten. Hadick argumentiert anders: „Es ist eine besondere Qualität Dorstens, Freiräume mit hoher Attraktivität und hohem Freizeitwert zu haben. Diese Qualität darf nicht verspielt werden.“

Und letztlich werden neue Arbeitsplätze ja nicht nur in Industrie und Gewerbe geschaffen, sondern auch in Handel und Dienstleistung. „Immer größere Bedeutung für den Stellenmarkt gewinnt zudem der Bereich Medizin und Pflege“, bestätigt der EinDor-Geschäftsführer.

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Stefan Diebäcker

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