1082 Dorstener drücken Schulden - einige haben mehr als 100.000 Euro Miese am Hals

mlzSchuldenfalle

1082 Menschen in Dorsten stecken tief in der Schuldenfalle. Die meisten drücken bis zu 25.000 Euro Miese. Es gibt aber auch Dorstener, die mit mehr als 100.000 Euro in der Kreide stehen.

Dorsten

, 07.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Scheidungen, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Insolvenzen, Kaufrausch im Internet - die Gründe sind vielfältig, warum Menschen tief in die Miesen rutschen. Manchen gleitet dabei das Heft aus der Hand. Sie sind nicht mehr zahlungsfähig. Überschuldet nennt man den Zustand, wenn laufende Kosten - Miete, Strom, Wasser, Gas, Lebensunterhalt - von den Einnahmen nicht mehr bestritten werden können.

Rund 1082 Dorstener waren 2018 Klienten der Dorstener Schuldnerberatung. Die Stelle ist dem Dorstener Sozialamt angegliedert. Sie gibt es seit 1. Oktober 1986. Drei Mitarbeiter helfen den Ratsuchenden. Vorausgesetzt, die Klienten legen ihre Karten rückhaltlos offen auf den Tisch.

Der Gesetzgeber erwartet „Wohlverhalten“

Drei bis fünf Jahre dürfen sich überschuldete Menschen nichts zuschulden kommen lassen, um sich mithilfe der Dorstener Schuldnerberater von ihren drückenden Lasten zu befreien. „Wohlverhaltensperiode“ nennt der Gesetzgeber diese Frist.

Laut Dorstener Statistik hatten bei den außergerichtlichen und gerichtlichen Verfahren mehr als 35 Prozent der insolventen Schuldner (191) bis zu 10.000 Euro am Hals, die sie nicht mehr bezahlen konnten. Weitere 32 Prozent (174) brachten es bis auf 25.000 Euro Schulden. 17 Prozent (93) drückten bis zu 50.000 Euro, immerhin mehr als 10 Prozent (56) hatten bis zu 100.000 Euro „am Bein“. Und 4,8 Prozent (26) steckten mit mehr als 100.000 Euro Miesen im Schuldensumpf.

Die Zahl der statistisch erfassten Schuldner in Dorsten hat sich in den Jahren 2014 bis 2018 relativ gleichbleibend dargestellt: In 2014 waren es 1.108 Fälle, in 2015 1.119 Fälle, in 20.16 1.103, Fälle, in 2017 990 Fälle und in 2018 1.082 Fälle. Thomas Rentmeister, Sozialamtsleiter, sagte im jüngsten Sozialausschuss, dass die Schuldnerberatung mehr Fälle bearbeiten könnte, wenn sie personell besser ausgestattet sei.

Wer eigenes Einkommen hat, wählt das P-Konto

Immerhin können Schuldner mit regelmäßigem Einkommen einen gesetzlichen Freibetrag über ein Pfändungsschutzkonto bei ihrer Hausbank für ihren Eigenbedarf vor dem Zugriff von Gläubigern sicherstellen. Diese Möglichkeit wurde 2010 gesetzlich verbrieft.

Der Freibetrag auf dem P-Konto beläuft sich seit 1. Juli 2019 auf 1.179, 59 Euro und erhöht sich laut Auskunft der Dorstener Verbraucherschützerin Mechthild Clever-Schmitz um die Freibeiträge für weitere Personen (443,57 Euro für die erste, weitere jeweils 247,12 Euro für die zweite bis fünfte Person). Damit soll das Existenzminimum der Betroffenen gesichert werden.

100 Euro Verwaltungsgebühr sind fällig

Bei den Vereinten Volksbanken haben 1005 Kunden ihr Girokonto in ein sogenanntes P-Konto umwandeln lassen. Das teilt der Marketingchef des Geldinstitutes, Ralf Bröker, auf unsere Anfrage mit. „Bei mehr als 64.000 Kunden in Dorsten, Kirchhellen und Bottrop sind das anteilig sehr wenig Betroffene“, meinte er. Die Sparkasse Vest in Dorsten führt keine Statistik über P-Konten: „Kontoinhaber haben die Möglichkeit, auf Antrag ihr Konto in ein P-Konto umzuwandeln“, sagt Sparkassen-Chef Matthias Feller. Um den Kunden auch in dieser Lebenslage helfen zu können, arbeite die Sparkasse Vest auch eng mit der Schuldnerberatung zusammen: „Nicht, um Daten auszutauschen, sondern um das Beste für die Betroffenen aus der Situation zu machen.“

Der Weg in die Entschuldung mithilfe der Schuldnerberatung setzt bis zu fünf, zuweilen auch sechs Jahre „Wohlverhalten“ der Schuldner voraus. Für die Erstberatung müssen die Hilfesuchenden seit 2013 Geld berappen - 100 Euro Verwaltungsgebühr. „Mit den Einnahmen, der Unterstützung der Sparkassenförderung, Zuschüssen des Landes und der Förderung der Stadt Dorsten wird die Schuldnerberatung finanziert“, so der Sozialamtsleiter.

Die Schuldnerberatung im Sozialamt befindet sich im Rathausgebäude Bismarckstraße 1a (Hier können während der Öffnungszeiten Beratungstermine abgesprochen werden). Auch die Verbraucherberatungsstelle, Julius-Ambrunn-Straße 10, bietet Hilfen an (Tel.: 7875201). Hinzukommt die Schuldnerberatung „Schuldlos“, Im Harsewinkel 24 in Hervest, Tel. 9997190.
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