141 Flüchtlinge eingezogen - so können Sie helfen!

Im alten Petrinum

Am späten Montagabend sind 141 Flüchtlinge in der Notunterkunft im alten Petrinum angekommen. In einer Mammut-Aktion musste in der Nacht der Einzug gestemmt werden. Das gelang - vor allem dank der Hilfe vieler Dorstener. Diese können nun auch spenden. Wir berichten, was gebraucht wird.

DORSTEN

28.07.2015, 17:51 Uhr / Lesedauer: 3 min
Renate Schmiallek, Hilde Mönninghoff und Marlies Vogel vom SkF ordnen die Spenden.

Renate Schmiallek, Hilde Mönninghoff und Marlies Vogel vom SkF ordnen die Spenden.

Es war 20.15 Uhr am Montagabend, als bei Dr. Friedrich-Carl Heine das Telefon klingelte. Am Apparat des pensionierten Rhader Arztes: der Bürgermeister persönlich – mit einem dringenden Hilfegesuch. Ob er an der Notunterkunft zur Erstaufnahme bei der Untersuchung der Flüchtlinge helfen könne, fragte Tobias Stockhoff.

Überlegen musste Heine da nicht lange. „Ja klar habe ich zugesagt, das sehe ich als meine ärztliche Pflicht“, betont er – und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Ich habe dem Bürgermeister erzählt, dass zwar Schützenfest ist, ich aber ja eh kein Schützenfestgänger bin.“

Drei Busse aus Unna-Massen

An die große Glocke hängen möchte Heine sein Tun nicht, als unsere Redaktion ihn gestern Morgen erreicht. Weil es für ihn selbstverständlich ist. Direkt nach dem Anruf des Bürgermeisters machte er sich auf den Weg zum alten Petrinum an der Bochumer Straße, wo zuvor – gegen 19 Uhr – die ersten 100 Flüchtlinge in zwei Bussen aus Unna-Massen angekommen waren und wenig später weitere 41 Menschen folgten.

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Bis kurz vor Mitternacht half Heine – ebenso wie die zahlreichen anderen Unterstützer vor Ort. Dafür, dass binnen kurzer Zeit drei Busse mit Flüchtlingen aus aller Herren Länder vorgefahren seien, sei alles „recht ordentlich abgelaufen“, berichtet er – die Stadt habe „ sehr gut improvisiert. Wie das so kurzfristig klappt, ist toll.“ Alles sei „optimal vorbereitet“ gewesen. Eine Dolmetscherin sorgte für die Verständigung, zudem stellte sich eine Frau aus den Reihen der Flüchtlinge für Übersetzungsdienste zur Verfügung. Und die Mitarbeiter der Stadt halfen, dass die Flüchtlinge geordnet in den Raum kamen, den Heine schmunzelnd sein „Behandlungszimmer“ nennt.

Gesundheits-Checks direkt bei der Ankunft

Dort fanden die ersten Checks statt: „Natürlich ging es darum, ob jemand infektiös ist, sofort Medikamente braucht“, so Heine. Zudem wurde geimpft – für die verpflichtenden Röntgenaufnahmen, um eine Tuberkulose-Erkrankung auszuschließen, wurden die Flüchtlinge in mehrere umliegende Praxen und Kliniken gebracht.

Fast alle Flüchtlinge konnten bereits am ersten Abend untersucht werden – in einer Mammut-Aktion bis kurz vor Mitternacht. Eine Aktion, die erst nötig wurde, weil die Busse unerwartet spät anrollten. Deutlich früher habe man mit den Flüchtlingen gerechnet, so Stockhoff, die Verzögerung habe „für ziemlichen Zeitdruck“ gesorgt.

Stockhoff dankt für großes Engagement

Dass dennoch alles klappte – und dafür war Stockhoff gestern, am Morgen danach, vor allem eines: dankbar. Den Ärzten, die einsprangen, weil der von der Bezirksregierung geschickte Mann seit 9 Uhr morgens vor Ort war – und irgendwann nach Hause musste. Neben Heine auch Dr. Leo Panic aus Essen, der ebenfalls am Abend kam und Dr. Michael Berndt, der am Morgen die restlichen Untersuchungen übernahm. Aber auch den Mitarbeitern der Stadt, von Ordnungs-, Sozialamt und Gebäudemanagement, die trotz Dienstbeginns um 9 Uhr eine Nachtschicht einlegten. Und, und, und. „Alle haben an einem Strang gezogen“, betont der Bürgermeister. Hörbar stolz.

Nun hofft er, dass Ruhe einkehrt. Und er ist optimistisch. Mechanismen spielen sich ein, die Versorgung durch die Caritas laufe gut, so Stockhoff. Und: Mit fast 150 Flüchtlingen ist die Unterkunft erst einmal bestückt – „zwar gibt es eine hohe Fluktuation, aber es wird ruhiger.“ Mit maximal 50 Neuzugängen am Tag rechnet der Bürgermeister ab heute. Immer noch eine Herausforderung. Nach den vergangenen Tagen ist man aber bestens präpariert.

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So können Sie helfen:

Bürgermeister Tobias Stockhoff freut sich über die große Bereitschaft vieler Dorstener, die Situation der Flüchtlinge in der neuen Landesunterkunft zu verbessern. Zahlreiche Anrufe und E-Mails mit den unterschiedlichsten Angeboten von Sach- und Dienstleistungen sind bislang bereits unter der Adresse hilfsangebote@dorsten.de eingegangen.

Wichtig ist aber: Die Hilfe muss koordiniert sein. Und vor allem müssen die Spenden zu den Bedürfnissen der Flüchtlinge passen. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) baut derzeit Strukturen auf. Spenden für die Flüchtlinge werden angenommen in der „Boutique für Jedermann“ des SkF, Am Duvenkamp 3.

Die Einrichtung bietet in dieser Woche neben der Ferienöffnungszeit am Dienstag (10 bis 12 Uhr) zusätzliche Öffnungszeiten am Donnerstag (30. Juli, 10 bis 12 Uhr) und am Samstag (1. August, 10 bis 12 Uhr) an. Die Spendenannahme an der Notunterkunft im alten Petrinum ist nicht möglich.

Benötigt werden von den Flüchtlingen vor allem:

1. Frische, möglichst neuwertige Wäsche und Bekleidung für Herren, Damen und Kinder, Schuhe, Gürtel, Jacken. Wichtig: Bitte nur sehr gut erhaltene Kleidung anbieten!

2. Für Kinder aller Altersgruppen werden dringend Spielsachen gesucht: Fuß- und Basketbälle, Puzzle etc. Wichtig: Sie müssen ohne Sprachkenntnisse verständlich sein. Bitte keine Stofftiere.

3. Wer mag, kann kleine Geschenkpakete mit z.B. Süßigkeiten und ähnlichen Aufmerksamkeiten packen – aber bitte keine Lebensmittel.

4. Möbel werden für die Unterkunft nicht benötigt.

Weitere Infos beim SkF, Tel. (02362) 40 34 37 oder per E-Mail: skf.dorsten@web.de
Alle im Bürgermeisterbüro eingehenden Angebote werden derzeit erfasst. Bürger, die Spendenangebote gemacht haben und machen, werden kurzfristig eine Rückmeldung erhalten.
Alle Bürger, die angeboten haben, sich persönlich ehrenamtlich zu engagieren, werden um etwas Geduld gebeten.

 

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