250 Euro Bußgeld für Micky Maus: Wer soll Falschangabe kontrollieren?

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Wirte in Dorsten begrüßen das Bußgeld bei Falschangaben. Zwar seien Fantasienamen selten, aber Diskussionen über die Kontaktlisten gebe es. Das sagen Wirte und Facebook-Nutzer.

Dorsten

, 01.10.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann griff Mittwoch durch: 250 Euro Bußgeld müssen Gäste in NRW künftig bezahlen, wenn sie Falschangaben in der Adressliste zur Kontaktnachverfolgung machen. Zukünftig gehen also nicht mehr Donald Duck und Max Mustermann zum Pizzaessen aus.

Die Dorstener Gastwirte sagten jedoch gegenüber unserer Redaktion, dass Fantasienamen nicht vorkämen. Undeutliche Namen, Gekritzel auf den Listen – das käme schon mal vor. Aber das seien nur Ausnahmen. „20 Wellen habe ich schon mal gehabt“, erinnert sich Stefan Finke, der unter anderem das Restaurant „Zur alten Mühle“ in Rhade führt. „Da denke ich mir dann auch: Wohnt der an der Ostsee, oder was? Die Telefonnummer war aber ganz leserlich notiert.“ Die lückenhaften Angaben seien ihm erst aufgefallen, als der Gast schon weg war.

Die Gästelisten werden in den Restaurants in der Regel pro Tisch verteilt und nach dem Essen wieder eingesammelt.

Die Gästelisten werden in den Restaurants in der Regel pro Tisch verteilt und nach dem Essen wieder eingesammelt. © Lydia Heuser

Angst vor Datenmissbrauch

Die „obligatorische Diskussion“ gebe es da schon häufiger. Die Gäste haben offenbar Sorge, was mit ihren Daten passiert: „Die verkaufst du jetzt bestimmt an Amazon“, hätte ein Gast schon mal zu Stefan Finke gesagt. „Hast du noch nie etwas über das Internet bestellt oder einen Flug gebucht? Deine Daten sind eh überall gespeichert“, entgegnet der Wirt auf solche Unterstellungen. „Bei uns werden die Listen nach vier Wochen vorschriftsmäßig vernichtet“, stellt er klar.

Stefan Witucki vom Kaffeekännchen habe nur ganz am Anfang mal Probleme gehabt, als Stammgäste die Kontaktdaten nicht aufschreiben wollten. Er stellte sie vor die Wahl: entweder Daten oder gehen. „Die sind nie wiedergekommen“, meint er. Er und seine Mitarbeiterin achten auf die Angaben, die die Gäste machen. „Holländische Gäste wollten einmal nicht die Liste ausfüllen. Die habe ich dann gebeten, wenigstens die Telefonnummer zu hinterlassen. Das haben die dann auch gemacht.“

Nils Klenner hält von den Falschangaben und der Angst vor Datenweitergabe auch nichts. Er schreibt der Dorstener Zeitung auf Facebook: „Aber stattdessen bei Lieferando bestellen, während man wartet, gucken, was man sich so bei Amazon kaufen könnte.“ Johannes Götte erwartet von den Gastronomen, dass sie verantwortungsvoll mit den Angaben umgehen: „Die Daten müssen nur sicher vor Dritten gelagert und nach der vorgeschobenen Zeit vernichtet werden.“

Hausrecht oder Ordnungsamt?

Dass das Bußgeld nun kommt, finden die Wirte gut, wenngleich ihnen die Umsetzung nicht klar ist. „Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll“, gesteht Christiane Rex, Inhaberin von „La Piazza“. „Ich bin ja nicht das Kontrollorgan des Staates“, meint auch Stefan Finke. Bevor er das Ordnungsamt rufe, würde er vom Hausrecht Gebrauch machen. Christiane Rex versteht das Bußgeld eher als einen Appell und eine Drohung an die, die bisher nicht ihre richtigen Daten angegeben haben.

Ludger Böhne, Pressesprecher der Stadt, verweist auf die „soziale Kontrolle“ und ermuntert Besucher von Gaststätten und Restaurants, „Mitmenschen freundlich auf Fehlverhalten anzusprechen oder in der Gastronomie nachzufragen, wenn die Listen nicht ausliegen.“ Er teilt mit, dass das Ordnungsamt Kontrollen durchführen und „in Wiederholungsfällen“ auch Bußgelder verhängen werde. Jedoch könnten bei einer „Flächenstadt wie Dorsten“ solche Kontrollen nur „in Stichproben“ stattfinden.

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