Keiner will‘s gewesen sein: Nutria vom Barkenberger See sind spurlos verschwunden

mlzBarkenberger See

Lange Jahre waren Barkenberger entzückt über eine Ansammlung von Biberratten am Barkenberger See. Doch plötzlich sind die Nutria verschwunden. Eine Spurensuche.

Wulfen-Barkenberg

, 27.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nutria sind sehr widerstandsfähige Tierchen. So wie Biber und Otter leben sie in Wassernähe, in selbstgegrabenen Erdhöhlen im Uferbereich oder in Schilfnestern. Der eingeschleppte Nager war auch am Barkenberger See heimisch. Bis Mitte Juni. Doch plötzlich verliert sich jede Spur von den Tieren, die von einigen Ortsteilbewohnern über Jahre hingebungsvoll gefüttert worden sind. Ob das vielleicht das Problem war?

Keiner will‘s gewesen sein: Nutria vom Barkenberger See sind spurlos verschwunden

Still ruht der Barkenberger See: Bis auf zwei Enten war kein Leben am Uferrand zu entdecken. © Claudia Engel

Jedenfalls weisen Angler, Jäger und Behörden etwaige Vorwürfe zurück, sie hätten die Jagd auf die Nutria am Barkenberger See eröffnet. „Wir waren es nicht“, sagt der zweite Vorsitzende des Angelvereins Wulfen, Bernd Semper, auf unsere Anfrage. Die ASV-Angler haben beobachtet, wie sich die Nutria am Barkenberger See ausgebreitet haben. Laut Auskunft von Semper hätten die Angler die Tiere aber nicht auf ihre persönliche Abschussliste gesetzt: „Auch wir haben bemerkt, dass sie plötzlich weg waren“, so Semper.

Dass die Nutria eines natürlichen Todes gestorben seien, nehmen einige Barkenberger an. Denn die Lebenserwartung der Nutria in freier Wildbahn beträgt je nach Lebensbedingungen drei bis zehn Jahre. Als lebensverkürzend wirken sich Vergiftungen oder Parasitenbefall aus.

Ein totes Tier in Ufernähe gesichtet

Ein totes Tier wurde von Barkenbergern in Ufernähe des Barkenberger Sees fotografiert und auf Facebook in einer Barkenberg-Gruppe gepostet. „Am alten Einlauf vom Brunnen in den See“ spricht ein Ortsteilbewohner, wo er den Kadaver gesichtet haben will.

Und er macht keinen Hehl daraus, dass er nicht an eine Jagd auf die Tiere glaubt, sondern davon ausgeht: „Am See stehen oft genug Leute, die die Tiere mit Brot füttern. Obwohl mittlerweile jeder wissen sollte, dass das definitiv keine geeignete Tiernahrung ist.“

Die Nutria - an der Fütterung durch Menschenhand verendet? Das Rätselraten geht weiter. Noch im Juni hatten wir in unserem Medium berichtet, dass sich die Nutria in Dorsten und auch in Barkenberg ausgebreitet haben und wegen ihrer Höhlenbauerqualitäten von Deichbetreibern oder Gewässerschützern ungern gesehen werden.

Nutria gefährden den Hochwasserschutz

Der Dorstener Berufsjäger und Wildmeister Hermann Wolff sagte seinerzeit auf unsere Anfrage, dass die Nutriapopulation den Hochwasserschutz gefährde. Und eine Sprecherin des Lippeverbandes erklärte, dass die Fütterung der Tiere mit Toastbroten oder Ähnlichem dazu führe, dass sich die Biberratten rasant vermehren. Die Nutria stammen ursprünglich aus Südamerika und wurden mit Gründung der Pelzfarmen in den 1930er-Jahren an deutschen Gewässern und Flussläufen heimisch, nachdem einige Tiere ausgebüxt waren.

Wegen ihrer Ausbreitung dürfen sie getötet werden. Ihre Bälger (Pelze) sind beliebt. Und ihr Fleisch soll zart und wohlschmeckend sein. In einigen Teilen von NRW gibt es Abschussprämien für Nutria.

War die Fütterung dann doch das Problem?

Die Dorstener Jäger haben die Nutria vom Barkenberger See aber nicht ins Visier genommen: „Wir waren es nicht“, sagt Hermann Wolff. Und auch der zuständige Wasser- und Bodenverband Wienbach weiß von nichts ebenso wenig wie die Kreisverwaltung als untere Wasserbehörde oder die Stadt als See-Eigentümerin.

So bleibt nur die Theorie von der ungeeigneten Fütterung oder einem parasitären Befall, die den Nutria in Barkenberg den Garaus gemacht haben könnten. Sollte sich doch noch einer in Ufernähe zeigen - Meldungen dazu werden gerne entgegengenommen.

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