Ärztin Heike Wenig hält viel vom Check-up ab 35

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Besonders jüngere Männer gehen eher selten zu Vorsorgeuntersuchungen. Dabei werde manches gesundheitliche Risiko unterschätzt, sagt die Dorstener Allgemeinmedizinerin Heike Wenig.

Dorsten

, 24.08.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer denkt mit 35 schon über Gesundheitsvorsorge nach? Ich jedenfalls nicht. Ich fühle mich gesund und gehe äußerst selten zum Arzt. Offenbar bin ich nicht der Einzige, der so denkt, denn in Deutschland geht nur jeder fünfte Mann regelmäßig zu den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen.

Ein Fehler, findet die Dorstener Allgemeinmedizinerin Heike Wenig. „Man sollte schon einmal hingehen“, so die Ärztin. „Wenn alles gut ist, gibt es zumindest ein beruhigendes Gefühl. Aber man sollte es machen.“

Dass der sogenannte „Check-up ab 35“ für Kassenpatienten künftig nur noch alle drei Jahre, statt wie bisher alle zwei Jahre übernommen wird, sieht sie mit gemischten Gefühlen. „Für die Jüngeren ist das vertretbar, aber für ältere Patienten finde ich das nicht so gut.“ Allerdings gebe es für chronisch Kranke oder Patienten mit größerem Risiko ohnehin kürzere Intervalle.

Jüngere Männer gehen seltener zur Vorsorge

Dass von wissenschaftlicher Seite gelegentlich die Sinnhaftigkeit des Check-ups infrage gestellt wird, kann sie nicht verstehen. „Ich bin immer dafür eingestanden, dass man es macht – gerade bei Leuten, die sonst nicht kommen.“

Ob gerade diese Arzt-Muffel zur Vorsorge kommen, ist aber wieder eine andere Frage. Besonders bei jüngeren Männern herrsche Nachholbedarf. „Ich sage dann manchen Patientinnen, der Mann soll auch mal kommen“, so Heike Wenig. Insgesamt sei das Bewusstsein für gesundheitliche Vorsorge aber gewachsen. Dazu habe auch das Bonus-System mancher Krankenkasse beigetragen, das regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen belohnt.

Wenig Bewusstsein für Hautkrebs

Dies gelte aber nicht für das Hautkrebs-Screening, das zusammen mit dem Check-up ab 35 absolviert werden kann. „Da ist die Nachfrage nicht sehr groß.“ Dabei gibt es seit Jahren steigende Fallzahlen. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Erkennung.

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Auch ein anderer Faktor werde oft unterschätzt, meint die Ärztin. „Es ist wichtig, den Impfstatus zu überprüfen.“ Dessen Bedeutung werde aber besonders von jüngeren Leuten nicht so wichtig genommen. „Da gibt es oft Lücken im Impfausweis.“

Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Auf einen Termin müssen Patienten nicht lange warten. „Das geht normalerweise innerhalb einer Woche.“ Zweimal müssen Patienten sich allerdings Zeit nehmen, einmal für die Laborproben und einmal für die allgemeine ärztliche Untersuchung. Bei letzterer bespricht Heike Wenig mit ihren Patienten auch gleich die Laborergebnisse. Und gibt Tipps für ein gesünderes Leben. Im Idealfall haben dann beide drei Jahre Ruhe voneinander – und ein beruhigendes Gefühl.

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