Internistin Dr. Anna Mitchell erklärt den Unterschied zwischen Antigen- und Antikörpertest. © Stefan Diebäcker
Coronavirus

Ärztin warnt: Den richtigen Schnelltest kann man nicht selber machen

In den Drogeriemarkt gehen, einen Corona-Schnelltest kaufen, und schon weiß man, ob man „positiv“ ist. Eine Ärztin aus Dorsten warnt ausdrücklich davor, dem Ergebnis zu glauben.

Ich hätte gerne einen Corona-Schnelltest.“ Das klingt einfach, doch Vorsicht ist geboten. Denn nicht alles, was als „Schnelltest“ auf dem Markt ist, ist geeignet, eine akute Corona-Infektion nachzuweisen. Dr. med Anna Mitchell erklärt, worauf es ankommt. Die Internistin aus Dorsten macht regelmäßig Coronatests in Kindertagesstätten.

Frau Dr. Mitchell, es gibt unterschiedliche Schnelltests. Was unterscheidet einen Antigen- von einem Antikörper-Schnelltest?

Antigen-Schnelltests, die zum Beispiel bei Fluggästen, in Pflegeheimen und bei Besuchern des St. Elisabeth-Krankenhauses durchgeführt werden, weisen die Eiweißbestandteile des Sars-Cov2 Corona-Virus nach. Antikörper-Tests sind zum Nachweis des akuten Infekts nicht geeignet. Sie sollen die Immunität dagegen anzeigen.

Wann haben Menschen denn Antikörper gegen das Coronavirus gebildet?

In der Regel frühestens eine Woche, nachdem sie infiziert sind. Manchmal dauert es länger, manchmal lassen sich überhaupt keine Antikörper nachweisen. Die aktuell verfügbaren Schnelltests können auch Antikörper anzeigen, die gegen andere, verwandte Viren gerichtet sind. In diesem Fall gaukelt der Antikörper-Nachweis einen falschen Schutz vor dem neuartigen Coronavirus vor. Wegen dieser „Rest-Unsicherheit“ ist der Einsatz dieser Tests bisher nicht empfohlen.

Wie kommt man an einen Antigen-Schnelltests?

Diese Tests gibt es bisher nicht zum Selbsttest, man muss dafür in eine Arztpraxis gehen. Für ein korrektes Testergebnis ist es wichtig, dass der Test richtig durchgeführt wird. Das bedeutet, dass der dafür nötige Abstrich möglichst tief aus Nase und Rachen entnommen werden sollte. Viele Menschen können das selbst nicht gut. Wenn aber nicht genug Material gewonnen wird, kann der Test falsch negativ ausfallen. Gute Antigen-Schnelltests sind also eine gute Sache, nur selbst machen kann man sie nicht. Das mag sich in Zukunft ändern.

Wie zuverlässig sind diese Tests?

Positive Ergebnisse der besseren Corona-Antigen-Schnelltests weisen mit einer Genauigkeit von 99 bis 100 Prozent das neuartige Coronavirus nach. Trotzdem wird zur Absicherung eine zusätzliche sogenannte PCR-Testung veranlasst. Falsch negative Testergebnisse kommen bei Antigen-Schnelltests, aber auch bei der PCR vor, wenn nur eine niedrige Viruslast vorliegt. Dann wird aber auch die Ansteckungsgefahr als nur gering eingeschätzt.


Wie schnell liegt das Ergebnis vor und wer bezahlt den Test?

Schnelltests liefern ein Ergebnis innerhalb von 15 Minuten, während Proben für eine PCR in ein Labor geschickt werden müssen und das Ergebnis häufig erst nach mehreren Tagen zurückkommt – das liegt an der Überlastung der Labore. Ob man einen Test selbst bezahlen muss, hängt davon ab, wo er gemacht wird und wer ihn veranlasst. Schnelltests werden bisher nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen, werden aber von manchen Arbeitgebern bezahlt.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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