Jetzt ist die Sauerei da: Schweinehalter bangen um Existenz

mlzAfrikanische Schweinepest

Eine Wildsau in Brandenburg ist an den Folgen der Afrikanischen Schweinepest verendet. Die Schockwellen dieser Nachricht strahlen bis nach Dorsten aus. Schweinehalter fürchten Schlimmes.

Dorsten

, 15.09.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Lembecker Ortslandwirt und Schweinehalter Bernhard Heiming ist in Rage: „Diese Sauerei war absehbar und die Politik hat rein gar nichts unternommen, um die Folgen für die Landwirte abzumildern.“ „Die Sauerei“ ist die Ankunft der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. Am Mittwoch vergangener Woche wurde eine an Afrikanischer Schweinepest (ASP) verendete Wildsau in Brandenburg gefunden.

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„Allen war klar, dass es nicht eine Frage ist, ob die Seuche kommt, sondern wann sie kommt“, sagt Heiming. Die Politik habe die Landwirte trotz der langen Vorlaufzeit im Stich gelassen. „Seit Freitag gibt es ein Exportverbot für Schweine nach China und Südkorea. Beide Länder sind große Abnehmer“, sagt Heiming.

Folgen des Exportverbotes sind gravierend

Die Folgen des Exportstopps für die heimischen Landwirte seien gravierend. Die Preise für die Schlachttiere stürzen laut Heiming ins Bodenlose. „Gerade einmal 27 Euro bekommen wir für ein Ferkel, das deckt noch nicht nicht die Ausgaben für die Aufzucht.“ Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssten die Landwirte pro Tier mindestens 60 Euro bekommen. Doch die Zeiten seien vorbei. „Zurzeit verlieren wir an die 10.000 Euro pro Woche.“

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Heiming geht davon aus, dass Deutschland in den kommenden Monaten einen noch nie dagewesene Zahl von Hofaufgaben und -schließungen erleben werde. „Wahrscheinlich muss erst einmal eine Hungersnot ausbrechen, bis den Menschen hierzulande bewusst wird, wer eigentlich die Nahrungsmittel produziert“, sagt er bitter.

Bernhard Heiming

Bernhard Heiming © Holger Steffe (A)

Trotz vieler Gespräche kein Ergebnis

Seine Kritik zielt auf die „Untätigkeit der Politik“ ab. „Wir haben seit Monaten darüber gesprochen und darum gebeten, dass Exportzertifikate von Wildschweinbefall auf Hausschweinbefall geändert werden und dass Deutschland in Regionen für Schweinefleischexport eingeteilt wird.“ Trotz der Gespräche und Diskussionen zwischen Bauernverbänden und Politik sei aber nichts passiert. Der Brandenburger Erstfall habe jetzt den Ernstfall in Deutschland ohne Not herbeigeführt. Das macht den Landwirt mächtig sauer.

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Berufsjäger Hermann Wolff hat Mitgefühl mit den Landwirten. „Wir Jäger haben alles getan, um den Wildschweinbestand in Deutschland zu dezimieren und damit die Ansteckungsgefahr zu verringern“, sagt er. 2019 sei in deutschen Landen die längste Wildschweinstrecke aller Zeiten von Jägern erlegt worden.

Vor Eindringlingen nicht gefeit

Doch vor Wildschwein-Eindringlingen aus osteuropäischen Ländern sei man nicht gefeit: „Die Dänen haben ohne Druck einen 70 Kilometer langen Zaun an der Grenze zu Deutschland errichtet, um potenziell infizierte Sauen fernzuhalten. In Deutschland ist der Zaun nicht vollständig“, sagt Heiming. Das räche sich jetzt.

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