Altenheim „Haus Keller“ wird geschlossen - Bewohner müssen umziehen

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Das Alten- und Pflegeheim „Haus Keller“ der insolventen Unternehmensgruppe Keller muss geschlossen werden. Die Bewohner müssen umziehen. Für Demenzkranke kann das problematisch sein.

Holsterhausen

, 07.01.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Alten- und Pflegeheim „Haus Keller“ in Holsterhausen muss geschlossen werden. Das bestätigte Rolf Weidmann auf Nachfrage. Weidmann war im vergangenen Jahr zum Insolvenzverwalter der Keller Dienstleistungen und Sozialimmobilien GmbH & Co. KG sowie der Alten- und Pflegeheime Familie Keller GmbH bestellt worden (DZ+).

Im Haus Keller am Stillen Weg und der benachbarten Dependance „Haus Unterberg“ gibt es insgesamt 22 Plätze für Senioren und 24 Beschäftigte. Bewohner in der Langzeitpflege sowie alle Beschäftigten können nach Auskunft des Insolvenzverwalters in das Haus am Kamin in der Dorstener Altstadt oder ins Landhaus Keller nach Raesfeld umziehen bzw. wechseln.

Chefarzt: Umzug kann Demenz verschlimmern

Für Demenzkranke sei so ein Umzug durchaus problematisch, „weil er Orientierungsprobleme mit sich bringt“, sagt Dr. Marco Michel, Chefarzt im Fachbereich Medizin im Alter am Dorstener St. Elisabeth Krankenhaus. „Aufgrund dieser Orientierungsprobleme kann eine Demenz auch kippen, sich also verschlimmern.“

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Die Stadt Dorsten habe „überraschend verlangt, das Haus Unterberg aus bauordnungsrechtlichen Gründen zu schließen“, teilte eine Kommunikationsagentur im Namen des Insolvenzverwalters mit. Begründung: Das im Außenbereich befindliche Haus dürfe nur zu Wohnzwecken genutzt werden, nicht aber gewerblich.

Der Kreis Recklinghausen habe aber eine bestimmte Bettenanzahl genehmigt, mit der weitere Auflagen wie beispielsweise das bereitzustellende Personal einhergehen, so Weidmann. Deshalb sei der Betrieb des Hauses Keller ohne die gleichzeitige Nutzung des Hauses Unterberg als Altenheim wirtschaftlich nicht mehr zu verantworten.

Stadt: Fragen wurden schon Anfang des Jahres erörtert

Von „überraschend“ kann laut Stadtverwaltung aber keine Rede sein. Die zu klärenden Fragen seien bereits Anfang 2019 mit dem damaligen Betreiber und unmittelbar nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens auch mit dem Verwalter erörtert worden, teilte die städtische Pressestelle mit: „Bezogen auf das Haus Unterberg waren die Feststellungen damals einvernehmlich.“

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Ob ein Altenheim als gewerblich oder als Wohnhaus eingestuft wird, sei für den Betrieb unerheblich, so die Stadt weiter. „Baurechtlich entscheidend ist die Baugenehmigung als Altenheim.“ Für das Haus Keller liege eine solche Baugenehmigung vor, weshalb es auch ohne Einschränkungen weiter betrieben werden könnte.

Gibt es eine Baugenehmigung für das Haus Unterberg als Altenheim?

Und für das Haus Unterberg? Da hält die Stadt sich mit Verweis auf den Datenschutz bedeckt. Der Insolvenzverwalter lässt ausrichten, dass es nach einer ersten Prüfung offenbar nie eine Baugenehmigung für das Haus Unterberg gegeben habe und die Stadt Dorsten es als Wohnhaus geduldet und auch als solches eingetragen habe. Entscheidend für den Fortbetrieb des Altenheims sei aber das gewesen, was der Kreis genehmigt habe.

In Raesfeld hat die Familie Keller bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens das Landhaus Keller in der Nähe des Schlosses als Hotel und Seniorenheim betrieben. Die Gemeinde Raesfeld hat sich ein Vorkaufsrecht auf die Immobilie gesichert. Geplant ist, dass dort künftig ausschließlich ein Hotel betrieben werden soll. Die Stadt Dorsten hat nach eigener Auskunft kein Interesse, die Immobilie Haus Keller zu erwerben.

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