Amtsveterinär und Landwirt sprechen über die reale Gefahr der Afrikanischen Schweinepest

mlzSchweine-Export

Die Afrikanische Schweinepest rückt näher, viele Landwirte fürchten sie. Ein Amtsveterinär spricht über die Probleme und ein Dorstener Landwirt weiß mehr über ihre möglichen Lösungen.

Dorsten

, 09.12.2019, 12:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt immer weiter an die deutsche Grenze. Nur 40 Kilometer vor der deutsch-polnischen Grenze wurden vor Kurzem wieder mehrere infizierte Wildschweine gefunden. Das macht Landwirte und nachgelagerte Bereiche der Landwirtschaft nervös. Viele malen sich regelrechte Horrorszenarien aus und fürchten um die Hausschweinbestände.

Nur wenige Wildschweine infiziert

Amtsveterinär des Kreises Recklinghausen Dr. Siegfried Gerwert sieht die Gefahr der ASP jedoch woanders. „Ich glaube nicht an Probleme bei Hausschweinen. Das Virus ist nicht hochansteckend und auch in Polen sind immer nur einzelne Wildschweine infiziert“, sagt er.

Exportzertifikate schränken Export ein

Dr. Siegfried Gerwert sieht ein Problem im deutschen Export: „Es gibt Exportzertifikate in Deutschland. Dafür muss Deutschland drei Jahre lang ASP-frei sein.“ Das bedeutet: Wenn die ASP es über die Grenze schafft, dann ist Deutschland nicht mehr ASP-frei und der Export in andere Länder wie China ist gefährdet.

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Dafür müssten nicht einmal Hausschweine betroffen sein, es reiche, wenn es ein befallenes Wildschwein gibt.

Exportzertifikate müssten geändert werden

Damit Deutschland bei Auftreten der ASP bei Wildschweinen weiter exportieren dürfte, wäre es notwendig, die Zertifikate zu ändern. „Bisher dürfte Deutschland nicht mehr exportieren, selbst wenn nur Wildschweine betroffen wären und keine Hausschweine“, sagt Dr. Siegfried Gerwert.

Dorstener Landwirt befürwortet diese Idee

Schweinehalter Bernhard Heiming aus Dorsten hält die Idee, die Zertifikate von Wildschweinbefall auf Hausschweinbefall zu ändern, nicht nur für sinnvoll, er weiß, dass sie bereits diskutiert wird.

„Beim Veredelungsausschuss des Bauernverbandes in Münster wurde mit uns bereits darüber geredet. Es kann auch sein, dass Deutschland in Regionen für den Schweinefleischexport eingeteilt wird“, so der Landwirt.

Das wäre sinnvoll, wenn beispielsweise ein infiziertes Wildschwein aus Polen nach Brandenburg läuft. Dann würde aus der Region kein Schweinefleisch mehr in den asiatischen Raum exportiert.

Es gebe außerdem Absprachen innerhalb der EU. „Falls es in Deutschland zu einem Befall kommen sollte, würde beispielsweise Spanien den Export nach China übernehmen und Deutschland würde dann nach Spanien exportieren, um die dortige Lücke zu schließen“, erklärt der Schweinehalter. Bernhard Heiming befürwortet die Änderung der Exportzertifikate, weil das Risiko eines Befalls mit Hausschweinen sehr viel geringer ist, als das der Wildschweine.

Beseitigungssystem ist schuld

Für den Amtsveterinär Dr. Siegfried Gerwert ist auch klar, dass es in China nur zu einer ASP-Epidemie kommen konnte, weil dort die Tierkörperbeseitungsmaßnahmen nicht ausreichend sind. „In China gibt es kein vernünftiges Beseitigungssystem, so wie bei uns“, sagt Dr. Siegfried Gerwer.

Mensch überträgt ASP

Der Mensch sei bei der Übertragung des Virus ein viel größerer Vektor, also ein Überträger, als das Wildschwein. „Wildschweine laufen wenige Kilometer, vielleicht 30 bis 40“, so der Tierarzt.

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Ein plötzliches Auftreten des Virus in tausenden Kilometern Entfernung, wie es in Brüssel bereits passiert ist, sei vielmehr durch den Menschen verschuldet. Auch wenn das Virus für den Menschen keine Gefahr darstellt, weil es nur Schweine befällt, ist der Mensch Überträger.

Seuchenschutzübungen

Regelmäßig werden vom Kreis Seuchenschutzübungen durchgeführt, um sich auf einen Ernstfall vorzubereiten. Auch für Schweinehalter sei ein Probedurchlauf hilfreich. Zusätzlich würden bei einer Feststellung des Virus auch Risikozonen und Pufferzonen eingerichtet.

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