Angestellter soll in die Kasse gegriffen haben

Verfahren vor dem Amtsgericht

DORSTEN Man hätte den Eindruck gewinnen können, dass angesichts der detaillierten Vorwürfe in der Anklageschrift es sich bei dem Verfahren, in dem ein 22-Jähriger angeklagt war, eine schnelle Entscheidung bevorstünde. Doch es kam alles anders.

von Von Hakan Keser

, 30.10.2009, 07:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auffällig war, dass immer an den Einsatztagen des 22-jährigen bis zu 136 Stornierungen an einem Tag gebucht worden waren. Bei der Kontrolle des Warenbestandes war es offensichtlich, dass diese mit den Einnahmen nicht übereinstimmten und es an diesen Tagen auch Unregelmäßigkeiten bei den Kassenabrechnungen gab. Allein am 24. Dezember, als sie den Angeklagten zur Rede stellen wollten, waren 94 Stornierungen in der Kasse registriert und darüber hinaus Pfandbuchungen in Höhe von 750 Euro im Kassensystem nachweisbar. Nach Aussage der Tankstellenbetreiber hätte man alleine an diesem Tag fast einen Container an Pfandflaschen und Kästen vorfinden müssen, was nicht der Fall war. Sieben Zeugen waren eingeladen worden, wobei auf zwei Zeuginnen verzichtet wurde. Die Papiersparmaßnahme der Tankstelle führte dazu, dass ihre Aussagen nicht verwertet werden konnten, da bei einem Kauf nur bei Anforderung eine Quittung ausgestellt wird. Beide Zeuginnen hatten auf eine Quittung verzichtet, womit ein eindeutiger Nachweis über eine Stornierung ihrer Käufe durch den Angeklagten nicht erbracht werden konnte.

Gewichtiger wird wohl die Aussage einer Polizistin sein, die am 24. Dezember durch einen Zufall zeitgleich vor Ort war, als die Tankstellenbetreiber den Angeklagten zur Rede stellte. Sie gab an, dass der Angeklagte – nachdem er über seine Rechte und Pflichten ausgeklärt wurde – gefragt hätte, ob bei der Erstattung des fehlenden Betrages von einer Strafanzeige abgesehen würde.   Ob das Gericht dem Angeklagten Glauben schenken wird, dass er diese Aussage aus Angst getätigt hat, weil er befürchtete, dass seine beantragte Einbürgerung durch diesen Vorfall in Gefahr ist, wird sich noch zeigen. Aufgrund des komplizierten Sachverhaltes wurden zwei neue Verhandlungstage angesetzt, bei dem auch der Tankstellenbetreiber als Zeuge mit den Zahlen seiner Buchhaltung und des Kassensystems sowie der Videoüberwachung in den Kassenräumen, die Schuld des Angeklagten beweisen will.

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