260 Wohnungen hat Belvona am Himmelsberg und an der Dimker Allee von der Altro Mondo übernommen, dazu den Wohnungsbestand in Tönsholt. © Guido Bludau
Neue Wohnungsgesellschaft

Angst und Wut: Mieter fühlen sich drangsaliert von der Belvona

Im Wohnpark am Himmelsberg herrscht Alarmstimmung: Mieter haben fristlose Kündigungen kassiert oder sollen Nebenkostennachzahlungen leisten. Belvona weist auf Anfrage Vorwürfe zurück.

Seit einigen Jahrzehnten wohnt ein Dorstener in ein- und derselben Wohnung in Barkenberg. Zunächst als Mieter der VEBA Wohnen, dann der Dorstener Wohnungsbaugesellschaft, dann eines privaten Eigentümers, bevor Altro Mondo und ab Januar 2021 Belvona übernahmen.

Was er aktuell erlebt, schlägt seinen Angaben nach dem Fass den Boden aus: „Die jetzigen Vermieter versuchen mit aller Gewalt, angebliche Nebenkostenrückstände der Vorgängerin einzutreiben. Bei einigen Nachbarn sind das vierstellige Beträge. Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren“, sagt uns der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er selbst lässt einen Anwalt auf Schreiben der Vermieterin Belvona antworten: „Dann ist Ruhe.“

Unser Informant hat uns ein Kündigungsschreiben der Belvona an die Adresse eines Nachbarn zugespielt. Darin teilt die Belvona im März 2021 dem Mieter Folgendes mit: „Auf Grund der unter anderem offenen Monatsmieten von März 2018 und April 2018 kündigen wir namens und in Vollmacht der DEGAG Fünfte Wohnen Gmbh daher das Mietobjekt gemäß Paragraf 543 Absatz 2 Nr. 3 BGB fristlos… Das Objekt ist spätestens bis zum …14 Uhr von Ihnen zu räumen und im vertragsgemäßen Zustand zu übergeben.“

Anwalt: Kündigung ist nicht rechtswirksam

„Ach Du lieber Himmel“: So kommentiert Rechtsanwalt Martin Röper, Vorsitzender des Mietervereins Dorsten und Wulfen, das Schreiben der Belvona an den Mieter. Er sagt: „Diese Kündigung ist nicht wirksam.“

Rechtsanwalt Martin Röper, Vorsitzender des Mietervereins, vertritt vielfach die Anliegen von Mietern aus Barkenberg. © Claudia Engel A) © Claudia Engel A)

Die angeblichen Mietschulden hätten zeitnah von der Vorgängerin, der Altro Mondo, geltend gemacht werden müssen. Röper empfiehlt: „Nichts unterschreiben und nichts anerkennen, sondern die Forderungen schriftlich zurückweisen.“ Notfalls mit anwaltlicher Hilfe.

Interessant ist, dass die Belvona, die laut Geschäftsführer Frank Krienen auf Anfrage unseres Mediums „absolut nichts mit ihrer Vorgängerin Altro Mondo zu tun“ haben will, trotzdem aber mutmaßlich offene Forderungen der Vorgängerin aus der Vergangenheit einzutreiben versucht.

Denn die DEGAG Fünfte Wohnen ist laut North Data Register nichts anderes als eine der vielen Gesellschaften von Birger Dehne. Er ist Geschäftsführer der Altro Mondo. Sie hat er 2012 ins Handelsregister eintragen lassen und danach etliche DEGAG-Gesellschaften gegründet, unter denen er seine Immobiliengesellschaften als Geschäftsführer lenkt.

DEGAG Fünfte Wohnen: Geschäftsführer ist Birger Dehne

Faktisch ist die Antwort von Frank Krienen, Belvona-Geschäftsführer, auf unsere Frage, inwiefern er mit Altro Mondo zu tun hat, also nicht falsch. Denn die Belvona ist ja namens und im Auftrag der DEGAG Fünfte Wohnen bevollmächtigt worden, Forderungen an die Barkenberger Mieter zu stellen.

Dass „der Dialog der Belvona mit den Mietern freundlich auf Augenhöhe stattfindet und der Aufklärung von Ungereimtheiten dient“, wie Frank Krienen uns in einem Gespräch im Januar sagte, kann der Mieter nach Erhalt seines Kündigungsschreibens von der Belvona nicht bestätigen. Rechtsanwalt Martin Röper hat ähnliche Informationen über das Auftreten von Belvona von weiteren Mietern bekommen.

Frank Krienen schrieb uns auf unsere E-Mail-Anfrage, dass Belvona die Mietkonten von der Vorgängerin übernommen habe – sowohl mit positiven als auch mit negativen Salden. „Bei gegebenenfalls fehlerhaften Abrechnungen, die von der Vorverwaltung erstellt wurden, arbeiten wir lösungsorientiert“, sagt Krienen auch.

„Unser Mieterservice spricht mit allen Mietern“

Eine Nebenkostenabrechnung sei „niemals komplett falsch, das können wir über die gesamte Wohnungswirtschaft hinweg komplett ausschließen.“ Zur Vorgehensweise seiner Mitarbeiter, die Mieter als Drangsalierung empfinden, sagt Krienen: „Unser Mieterservice spricht mit allen Mietern. Leider ist das längst nicht bei jedem Mieter der Fall.“ Belvona versuche, „mit jedem Mieter auf Augenhöhe in den Dialog zu treten: Das gelingt uns schon zu circa 98 Prozent.“

Frank Krienen ist Geschäftsführer der Belvona. Sie hat die Wohnungsbestände der Altro Mondo in Dorsten gekauft.
Frank Krienen ist Geschäftsführer der Belvona. Sie hat die Wohnungsbestände der Altro Mondo in Dorsten gekauft. © privat © privat

So viel Optimismus kann Martin Röper nicht mit Frank Krienen teilen. Denn er vertritt einige Belvona-Mieter aktuell und hat deren Nebenkostennachforderungen geprüft. „Belvona tut so, als ob sie an den Mietern interessiert ist, dabei ist die Chose dieselbe wie bei Altro Mondo. Belvona hat Mietern Schuldanerkenntnis-Ratenzahlungsvereinbarungen mit der Aufforderung vorgelegt, zu unterschreiben. So will Belvona Nebenkostenforderungen aus Altro-Mondo-Zeiten eintreiben.“ Aus Sicht von Röper sind diese Nachforderungen nicht berechtigt.

Belvona nennt problematische Mieter

Belvona-Geschäftsführer Frank Krienen sieht indes auch Probleme auf Mieterseite: „Leider muss man auch sagen, dass wir Mieter im Bestand haben, die selbstverständlich nicht nur in Dorsten ein generelles Problem damit haben, überhaupt Miete oder Nebenkosten zu zahlen. Hier nutzen wir den Rechtsweg, da wir das natürlich auch den pünktlich zahlenden Mietern gegenüber nicht vertreten können.“

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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