Anklage: Wulfener (61) quälte seine pflegebedürftige Ehefrau

mlzLandgericht Essen

Die Vorwürfe machen sprachlos: Ein 61-jähriger Mann aus Wulfen soll seine schwerkranke Ehefrau schikaniert, gequält und sexuell genötigt haben. Jetzt steht er vor Gericht.

Essen, Dorsten

, 01.07.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Opfer: eine neurologisch schwer erkrankte, pflegebedürftige Frau im Rollstuhl. Der Peiniger: der eigene Ehemann? Nach einer mutmaßlichen Serie von Schikane-, Gewalt- und Sex-Attacken auf die eigene Ehefrau muss sich ein 61 Jahre alter Mann aus Wulfen seit Mittwoch vor dem Essener Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung, sexuelle Nötigung und Belästigung.

Die Anklageschrift beschreibt insgesamt zwölf Szenen zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 13. Februar 2020, bei denen der Angeklagte, der seine Frau (27 Jahre verheiratet) eigentlich pflegen sollte, stattdessen drangsaliert, gedemütigt, gequält und belästigt haben soll. Eine Motivation dafür nennt die Anklageschrift nicht.

Mit dem schmutzigen Aufnehmer durch das Gesicht gewischt?

Zweimal soll der 61-Jährige seine pflegebedürftige Frau mit einer vollen Windel kräftig in das Gesicht geschlagen haben. Ein anderes Mal soll der Wulfener im Anschluss an einen Hausputz seiner auf den Rollstuhl angewiesenen Frau absichtlich mit dem schmutzigen Aufnehmer durch das Gesicht gewischt haben, so dass die Frau laut Anklageschrift „Ekel“ verspürte.

Darüber hinaus soll der 61-Jährige seine Frau laut Anklage auch bei der Tabletteneinnahme schikaniert haben. Den ausdrücklichen Wunsch seiner Frau nach einem Glas Wasser, um die ihr zuvor von ihm überlassenen zwei Tabletten einnehmen zu können, soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft so beantwortet haben: „Leck‘ mich am Ar...“ Angeblich soll die schwerkranke Frau sich daraufhin gezwungen gesehen haben, die Tabletten mit Speichel aufzulösen, um sie überhaupt runterschlucken zu können.

Frau stürzte, Mann sah weiter fern?

Ferner soll der 61-Jährige seine erkrankte Frau, die laut Anklage nicht mehr fähig war, alleine zu stehen, einmal absichtlich im Badezimmer fallengelassen haben, so dass danach sogar ein stationärer Krankenhausaufenthalt notwendig wurde. Nach einem weiteren Sturz der Frau im Wohnzimmer soll der Angeklagte seiner Frau einfach nicht geholfen, sondern stattdessen weiter auf der Wohnzimmercouch ferngesehen haben. Mindestens viermal soll der Wulfener schließlich seine Frau auch sexuell bedrängt und genötigt haben, indem er sie laut Anklage unter anderem im Intimbereich kniff.

Wie der Angeklagte zu den erhobenen Vorwürfen seiner Frau steht, blieb beim Prozessauftakt unklar. Die 12. Strafkammer folgte einem Antrag seines Verteidigers Dennis Schuchna und schloss für die Angaben des 61-Jährigen die Öffentlichkeit aus. Es würden möglicherweise Umstände zu erörtern sein, deren öffentliche Erörterung die schutzwürdigen Interessen des Angeklagten verletzen könnten, hieß es zur Begründung.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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