Die Dorstener Hautexpertin Monika Hönscher hat das orthomolekulare Ernährungsprinzip der Haut entwickelt. Ihr Ansatz: Im Wirkstoff-Überfluss verhungert die Haut, also gebt ihr Nährstoffe.

Wulfen

, 21.02.2019, 14:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ihre Schönheit lassen die Deutschen sich einiges kosten. Gut 33 Milliarden Euro gaben die privaten Haushalte im Jahr 2017 für Körperpflege aus. Den größten Umsatz macht die Branche im Segment Hautpflege, wo die Kosmetikindustrie pausenlos neue Peelings, Masken und Lotionen auf den Markt wirft.

Alle mindestens revolutionär und stets vollmundig beworben: Es braucht nur die richtige Creme, um die Zeit zurückzudrehen und Falten verschwinden zu lassen. Kurzfristig mag das sogar stimmen, aber auf lange Sicht sind die Verbraucher oft die Angeschmierten.

Die Haut ist das größte Organ des Menschen und erfüllt viele Funktionen. Ist sie intakt, verhindert die Haut den Verlust von Körperflüssigkeiten und schützt gegen das Eindringen von Mikroorganismen. Sie reguliert die Körpertemperatur und sorgt als Sinnesorgan dafür, dass wir Reize wie Schmerz oder Temperaturveränderungen aufnehmen können. „Die Haut ist ein lebenswichtiges Organ und kein Schönheitssymbol“, sagt Monika Hönscher (70). „Und so möchte ich sie auch behandelt wissen.“

Arbeit am Lebenswerk geht im Ruhestand weiter

Monika Hönscher hat sich schon immer mit Hautproblemen und Kosmetikprodukten beschäftigt, jahrelang geforscht und an Rezepturen gefeilt. Anti-Aging und Gesunderhaltung der Haut ist ihr Spezialgebiet. 1978 gründete sie in Wulfen eine Firma zum Vertrieb von Kosmetikprodukten.

Den Begriff Kosmetik findet sie für das, was sie tut, eigentlich unpassend, „weil Kosmetik immer mit Schönheit verknüpft ist“, aber es gebe nun mal kein anderes Wort. Die Firma ist längst verkauft und Monika Hönscher im Ruhestand. Die Arbeit an ihrem Lebenswerk aber geht weiter.

Ihr Lebenswerk ist die orthomolekulare Nährstoffkosmetik. Diese Art der Hautbehandlung basiert auf den Grundsätzen der orthomolekularen Medizin: Stoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren, die eigentlich in ausreichendem Maß im Körper vorhanden sein sollten, es aber aus unterschiedlichen Gründen nicht sind, werden über entsprechende orthomolekulare Nahrungsergänzungs-Präparate zugeführt.

Dem Körper fehlen Nährstoffe zum Abbau der Chemiebomben

Dieses Prinzip hat Monika Hönscher auf die Haut übertragen. Konventionelle Wirkstoffkosmetik, sagt sie, bekämpfe lediglich Symptome, vergleichbar mit dem Einsatz von Schmerzmitteln: Negative Begleiterscheinungen würden zwar gelindert, die ursächliche Krankheit bleibe aber unberücksichtigt. Bezogen auf die Haut sei das Fatale, dass der Körper zum Abbau dieser medikamentösen Chemiebomben in der Wirkstoffkosmetik wiederum Nährstoffe benötige, von denen die Haut ohnehin zu wenig habe.

Dabei sei die Haut „das einzige Organ, das man auch von außen ernähren kann“, sagt die Wulfenerin. Das habe sie im Jahr 2012 mit einer wissenschaftlichen Studie am Institut Dermatest in Münster nachgewiesen. Im selben Jahr gründete sie auch die Deutsche Gesellschaft für Hautgesundheit (DGfH), der wissenschaftliche Beiräte und andere Fachleute angehören.

Die Gesellschaft verfolge keinen kommerziellen Hintergrund, sagt Monika Hönscher. „Wir wollen lediglich aufklären, wie sich eine Vitalstoffunterversorgung auf den vorzeitigen Hautalterungsprozess und die Gesundheit auswirkt und was man selber tun kann, um einen Vitalstoffmangel und die damit verbundenen Haut- und Körperfunktionsstörungen zu vermeiden.“

Fast zehn Jahre bis zum Patent

Vor gut zwei Jahren erhielt Monika Hönscher das Patent auf ihren Lehransatz. „Es hat fast zehn Jahre gedauert, bis man verstanden hat, wo ich hinmöchte. Viele Wissenschaftler haben sich damit auseinandergesetzt und gesagt: Jawohl, der Ansatz, die Haut von innen und von außen gleichermaßen zu behandeln, das funktioniert.“

Zertifikat

Wie erkenne ich Nährstoffkosmetik?

  • Die DGfH kennzeichnet Produkte als Nährstoffkosmetik mit dem Zertifikat „kontrollierte Nährstoffkosmetik“.
  • Bei Produkten mit diesem Zertifikat auf der Verpackung bestehen mindestens 30 Prozent der Inhaltsstoffe aus Nährstoffen, Nährstofflieferanten und hautidentischen Aktivstoffen wie z.B. Hyaluronsäure.
  • Mit der Zertifizierung steht die DGfH noch am Anfang. Ob ein noch nicht zertifiziertes Produkt in die Kategorie Nährstoffkosmetik gehört, kann man über die Angaben zu den Inhaltsstoffen auf der Verpackung herausfinden. Eine Übersicht aller Inhaltsstoffe, die den Kriterien der Nährstoffkosmetik entsprechen, gibt es auf der DGfH-Website.

Nachdem das Patent durch war, ging Monika Hönscher mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit. Sie ließ eine Website aufsetzen, um Verbraucher wachzurütteln. Die Texte wie beispielsweise die „Schleichende Gefahr aus der Cremedose“ oder „Warum Babyhaut besonders geschützt werden muss“ schreibt sie alle selbst und stellt sie am heimischen Laptop ins Netz. Auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Hautgesundheit gibt außerdem es Tipps zur richtigen Hauternährung von innen und außen und ein Verzeichnis mit Suchfunktion, das Schadstoffe in Kosmetikprodukten auflistet.

So geht Anti-Aging richtig

Aber wie geht Anti-Aging denn nun richtig? Falten und degenerative Alterungsprozesse entstehen im Herzstück der Haut, im Bindegewebe. Für die schnelle Faltenglättung würden sich Frauen häufig Hyaluronsäure spritzen lassen, sagt Monika Hönscher. „Das kann man machen, das ist auf den ersten Blick auch erfolgreich, weil die Falten sichtbar geglättet werden.“

Letztlich werde aber fast immer in ein verschlacktes Gewebe gespritzt. „Besser wäre es, wenn vorher Entschlackungskuren gemacht werden und das Gewebe so von Säureablagerungen entlastet wird. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, wenn kosmetische Produkte eine effektive Wirkung zeigen sollen.“ Auch ihre Nährstoffkosmetik würde nicht richtig funktionieren, wenn das Gewebe mit Schlackestoffen verstopft wäre.

Generell sind für einen effektiven Einsatz von Anti-Aging-Produkten laut Monika Hönscher drei Schritte zu beachten.

  • Die Haut muss zunächst entgiftet und von Säureablagerungen befreit werden. „Das macht man auch von innen, indem zum Beispiel die Ernährung umgestellt wird“, sagt Monika Hönscher. Sie empfiehlt eine basenreiche Ernährung, also viel Obst, Gemüse und stilles Wasser, um die angesammelten Schlacken aus dem Körper zu transportieren. Nur so könne verstopftes Gewebe langfristig frei werden. Obst- und Gemüse-Muffel können alternativ zweimal im Jahr zu Basica-Kuren greifen oder regelmäßig Entsäuerungsbäder nutzen. „Das kommt nicht nur der Haut zugute, sondern auch der Gesundheit.“

  • Um überhaupt Nährstoffe und Wirkstoffe transportieren zu können, braucht das Bindegewebe eine gute Wasserbilanz. „Die meisten Frauen haben einen latenten Feuchtigkeitsmangel“, sagt Monika Hönscher. „Das ist darauf zurückzuführen, dass wir von außen nur die oberen Hautschichten mit Feuchtigkeit versorgen können. Es muss als übers Trinken passieren, mindestens 30 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht“ Weil nach der vorangegangenen Entgiftung wieder Platz im Gewebe sei, könne dort auch schon wieder Wasser gespeichert werden. „In dieser Phase merkt man bereits, dass sich die Faltentiefe verringert.

  • Erst jetzt kommt der eigentliche Verjüngungsschritt, der durch den Einsatz von Anti-Aging-Produkten angestrebt wird. „Denn nun ist die Haut in der Lage, Nährstoffe aufzunehmen und täglich anfallende Schlackestoffe aus dem Gewebe zu transportieren“, sagt Monika Hönscher.

Entscheidend sei, „den dritten Schritt nicht vor dem ersten zu machen, sondern wirklich damit zu beginnen, alles rauszuschaffen, was nicht in die Haut reingehört“. Und das ist – bedingt durch falsche Pflege und Ernährung – so einiges, ist Monika Hönscher überzeugt.

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