Arbeiten von Hermann Heinrich Plaar gesucht

Uropa von Jeaninne König-Gorontzi

Für die bodenständige westfälische Verwandtschaft ist Malen eine brotlose Kunst. Für Jeannine König-Gorontzi ist der in drückender Armut verstorbene Urgroßvater Hermann Heinrich Plaar (1877-1951) aus Dorsten trotz seines schlechten Rufes unter Familienangehörigen ein bedeutender Mensch, von dem sie ein umfassendes Bild zeichnen möchte. Denn über den Maler Hermann Heinrich Plaar schreibt König-Gorontzi ihrer Masterarbeit an der Technischen Universität Dortmund. Jetzt sucht sie Arbeiten ihres Uropas.

Dorsten

, 01.01.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Lehramtsstudentin, Fachrichtung Kunst für Gesamtschule und Gymnasium, sucht in Dorsten Menschen, die Arbeiten von Plaar an der Wand hängen haben, oder Zeitungsberichte oder Briefe über ihn und von ihm aufbewahrt haben. Auch Zeitzeugen, die ihn als Kind in Dorsten gesehen haben, sind ihr willkommen.

Belege digitalisieren

„Ich werde diese Belege digitalisieren“, verspricht König-Gorontzi allen Menschen in Dorsten, die ihr für ihr Werksverzeichnis weitere Zeugnisse des künstlerischen Schaffens und des Werdeganges ihres Urgroßvaters liefern können. 100 Arbeiten ihres Uropas hat sie in ihr Werksverzeichnis bereits aufnehmen können. Die Recherchen dazu und das Auffinden der Ölbilder, Aquarelle und Studien sei äußerst zeitaufwendig gewesen, sagt Jeannine König-Gorontzi. „Ich habe anderthalb Jahre dafür gebraucht.“

Teile des Nachlasses weggeworfen

„Von Aussagen einer seiner Töchter weiß ich, dass er noch viel mehr gemalt hat und einiges davon noch vorhanden sein dürfte.“ Allerdings: „Eine seiner Töchter hat Teile des Nachlasses von Hermann Heinrich Plaar nach dessen Tod einfach weggeworfen“, bedauert Jeannine König-Gorontzi. Dabei war der Urahn ein unermüdlicher Maler, der vom großen Durchbruch träumte. Seine Leidenschaft galt der Kirchenmalerei, Landschaften und Blumen, insbesondere die Heide vor den damaligen Stadttoren Dorstens hatte es dem mitten zwischen rauchenden Schloten und in einer Bergmannssiedlung aufgewachsenen aufstrebenden Künstler angetan. 1877 in Wattenscheid geboren, entdeckte Plaar, jüngstes von fünf Geschwistern, früh seine Leidenschaft für die Kunst.

Streng gläubige Eltern

Die streng gläubigen katholischen Eltern geboten dem talentierten Jungen allerdings bei seinen späteren Studien unnachgiebig Einhalt, als sie entdeckten, dass er Akte zeichnete: „Das war an der Kunstakademie in Düsseldorf bei der Ausbildung üblich. Nach dieser Entdeckung zahlten die Eltern aber nicht mehr weiter, sodass er seine Ausbildung abbrechen musste“, erzählt König-Gorontzi. So versuchte der Urahn, aus seinem Hobby einen Beruf zu machen. Das gelang ihm mehr schlecht als recht. In Mettingen (Tecklenburger Land), wo er in der Malerkolonne des bekannten Münsteraners Vincenz Hertel aufgenommen wurde, die die Kirche in Mettingen mit zahlreichen biblischen Bildnissen verschönern sollte, lernte Hermann Plaar seine spätere, von Haus aus begüterte Ehefrau Alwina kennen.

Tochter wurde enterbt

Die Tochter wohlhabender westfälischer Landwirte wurde allerdings kurzerhand enterbt, als sie dem brotlosen Künstler ihr Herz und Hand schenkte. Fortan lebte das Paar nach seiner Übersiedlung nach Dorsten mit seinen sieben überlebenden Kindern in bitterer Armut. Die Kinder betrachteten die kreativen Überstunden ihres Vaters, der im Ersten Weltkrieg als Sanitätssoldat verletzte und tote Kameraden bergen musste, mit großer Skepsis. Während er in seiner „Künstlerklause“ im Haus der Familie Fahnenbrock an der Gahlener Straße 49 werkelte und seine Studien als Vorlagen für Ölbilder verwendete, verbitterte seine Ehefrau unter der Last des Alltags mit sieben Kindern immer mehr.

Eine der Töchter Plaars, Elisabeth, die 2015 im Alter von 97 Jahren in Dernbach bei Montabaur starb, erzählte ihrer Großnichte aus erster Hand: „Der Vater war eigentlich immer nur mit dem Rad und seiner Staffelei auf der Suche nach Motiven unterwegs und selten zuhause.“

Als Kind kennengelernt

Der Dorstener Heinz Kleine-Vossbeck lernte den unermüdlichen Maler Plaar noch als Kind kennen. Auf einem Foto identifizierte Kleine-Vossbeck den wahrscheinlichen Standort, den Plaar für seine künstlerischen Betrachtungen an der Staffelei eingenommen hatte: „Das Bild ist in der Nähe vom Philosophenweg entstanden“, versicherte er Jeannine König-Gorontzi, als sie sich vor eineinhalb Jahren auf die Suche nach Plaars Werken und Wirken machte und auf ein Bildnis stieß, das die Perspektive des Künstlers auf die Altstadt lenkt. Solche und ähnliche Hinweise erhofft sich die Kunststudentin nun von weiteren Dorstener Plaar-Freunden. Möglichst umgehend. Denn ihre Masterarbeit will sie fachgerecht, aber auch kunstvoll umsetzen.

Eine Kopie der fertigen Masterarbeit „Hermann Plaar (1877-1951) Leben und Werk“ von Gorontzi-König geht nach der Benotung durch die Kunsthistorikerinnen Dr. Esther Meier und Dr. Katharina Schüppel zum Stadtarchiv Dorsten. Jeannine König-Gorontzi ist über Email: jeannine.koenig-gorontzi@tu-dortmund.de zu erreichen oder telefonisch unter (02330) 80 80 31;

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