Auf den Spuren jüdischen Lebens in Dorsten

Stadtrundgang

Die beliebten Stadtrundgänge der Stadtinfo Dorsten starteten im Zuge der Lockerungen der Corona-Maßnahmen am Sonntag mit dem Thema „Jüdisches Leben in Dorsten“.

Dorsten

von Dorstener Zeitung

, 29.06.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit einem Medley aus bekannten jüdischen Melodien begann der Stadtrundgang am Jüdischen Museum Westfalen.

Mit einem Medley aus bekannten jüdischen Melodien begann der Stadtrundgang am Jüdischen Museum Westfalen. © privat

Das Nodelman-Quartett beteiligte sich am Stadtrundgang „Jüdisches Leben in Dorsten“ mit einem musikalischen Gedenken an den Stolpersteinen. „Es ist ein thematischer Stadtrundgang, der mir besonders am Herzen liegt“, so Gästeführerin Barbara Seppi. Die städtische Mitarbeiterin engagiert sich auch privat im Jüdischen Museum Westfalen, ist begeistert von jiddischen Liedern und von klassischer Musik im Allgemeinen.

So lag der Gedanke nahe, Misha Nodelman aus Bochum zu kontaktieren. Der Violinist, Konzertmeister der Neuen Philharmonie Westfalen, hat mit seinem Freunden Evgenj Selitzky (Violine), Andreas Kosinski (Viola) und Mark Mefsut (Cello), zusammen das Nodelman-Quartett, schon vor geraumer Zeit das Projekt „Klingende Stolpersteine“ ins Leben gerufen.

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Mit einem Medley aus bekannten jüdischen Melodien wurde auf den Treppenstufen des Jüdischen Museums gestartet. „Bei mir bistu shein“ von Sholom Secunda brachte den 1930er-Jahre Swing zum Klingen. Ein Schlager damals, ein Gassenhauer, die deutsche Musik-und Theaterszene vor der NS-Zeit war geprägt und bereichert von vielen jüdischen Künstlern. Eine Weise war dem Nodelman-Quartett besonders wichtig, „Hevenu shalom alechem“ – Frieden für alle, der Wunsch, der mit dem Engagement des Gedenkens im Einklang steht.

Wo einstmals die Synagoge stand

13 Besucher folgten Seppi zum Marktplatz und zur Wiesenstraße, wo einstmals die Synagoge stand, erfuhren Lebensgeschichten von Dorstener Familien im 19. Jahrhundert. Im Schatten der Ursulinenkirche spielte das Nodelman-Quartett Melodien aus Anatevka, eine Hommage an die Stolpersteine der Familie Schöndorf auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Sie waren als „polnische Juden“ 1938 enteignet und nach Polen ausgewiesen worden. Später, nach dem Einmarsch der deutschen Truppen ins Nachbarland dann in Konzentrationslagern ermordet.

Für die vielen Millionen von Opfern und im Besonderen für die Familie Julius Ambrunn, dem letzten Synagogenvorsteher von Dorsten, erklang das Thema von „Schindlers Liste“ am Lippetor, Ambrunns letzter Wohnort. Die melancholische Weise berührte die Herzen der Zuhörer der Tour und einiger Passanten, die gebannt anhielten.

Die Absicht der Stolpersteine, kurz innezuhalten und der Menschen zu gedenken, die hier einst wohnten, wird durch den Klang der Musik ins Vielfache potenziert. „Danke für die rundum gelungene Veranstaltung“, sagten Besucher aus Baden-Württemberg, die im Anschluss noch mit dem Fahrrad zur Hasselbecke, zum jüdischen Friedhof fuhren.

Die Stadtrundgänge der Stadtinfo Dorsten gehen am Sonntag, 12. Juli weiter. Um 15 Uhr ab Stadtinfo Dorsten, Recklinghäuser Str. 20, heißt es dann „Kunst im öffentlichen Raum“. Teilnahmegebühr 5, Euro. Anmeldungen unter (02362) 30 80 80 oder stadtinfo@dorsten.de
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