Augenarzt-Notdienst: Auf die Patienten aus Dorsten kommen längere Wege zu

mlzÄrztlicher Notdienst

Die Augenärzte in der Region bieten seit dem 1. Februar keinen Notdienst mehr in den Praxen an. Wer außerhalb der ärztlichen Sprechstunden Probleme hat, muss von Dorsten aus weit fahren.

Dorsten

, 14.03.2020, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der augenärztliche Notdienst für Dorsten und Umgebung ist zum 1. Februar neu geregelt worden. Diese Nachricht schreckte so manche Patienten und auch Politiker auf. Denn Menschen, die außerhalb der Sprechstunden einen Augenarzt benötigen, nehmen nun einen weiten Weg in Kauf - und zwar bis Bochum-Langendreer.

Notdienst wurde zentralisiert

Dort hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die den Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte organisiert, diesen zentralisiert - und zwar in der Notfallpraxis am Knappschaftskrankenhaus (In der Schorgau 25), an der Stadtgrenze zu Witten. Die Neuerung gilt für Ärzte aus dem Kreis Recklinghausen, Gelsenkirchen und Bottrop.

Bis zum 31. Januar hatten wechselnde Ärzte im gesamten Bezirk jeweils in ihrer eigenen Praxis den Notdienst versehen. Nun bieten sie diesen reihum in Langendreer an.

Für Patienten aus Dorsten, vor allem für die aus dem nördlichen Stadtgebiet, käme eine lange Anfahrtszeit zu. Mit dem Auto würde das eine Fahrtzeit bis zu einer Stunde bedeuten - wenn man beispielsweise in Lembeck wohnt.

Mit Bus und Bahn noch länger unterwegs

Mit Bus und Bahn wäre man sogar noch deutlich länger unterwegs - von Rhade etwa bis in den Süden Bochums ist man je nach Tageszeit und Wochentag pro Strecke schon mal zwei bis drei Stunden auf Tour.

Allerdings: Diese Neuorganisation ist eine Kann-, keine Muss-Regelung. „Wir können keinen Patienten zwingen, im Notfall nach Bochum zu fahren“, sagt KVWL-Pressesprecherin Vanessa Pudlo. Heißt: Patienten aus dem Dorstener Norden könnten durchaus auch ins für sie näher gelegene Uni-Klinikum Münster ausweichen.

Auch Essen oder Oberhausen wäre für Dorstener näher - dort gilt aber noch die bisherige dezentrale Notdienstregelung, Patienten müssten erst mal herausbekommen, wer dort gerade Dienst hat. „Das ist aber nicht unser Zuständigkeitsbereich“, sagt Vanessa Pudlo.

„Auch vorher nicht immer wohnortnah“

Der KVWL gehe es mit der Neuregelung gerade darum, „transparente und klare Strukturen zu schaffen“. Zudem: „Auch der bisherige dezentrale Notdienst war keineswegs wohnortnah“, betont Dr. Werner Seibel, Augenarzt in Dorsten und Leiter der KVWL-Bezirksstelle Recklinghausen.

Im Knappschaftsklinikum in Bochum-Langendreer ist der Augenärztliche Notdienst angesiedelt.

Im Knappschaftsklinikum in Bochum-Langendreer ist der Augenärztliche Notdienst angesiedelt. © KVWL

„Ob ein Patient einen langen oder einen kurzen Anfahrtsweg hatte, war bisher vom Zufall abhängig“, so Dr. Seibel. Meint: Hatte zum Beispiel ein Augenarzt in Waltrop oder im Gelsenkirchener Süden Notdienst, dann war die Anreise aus Dorsten auch nicht viel näher als Langendreer.

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Die KVWL begründet die Neu-Organisation auch damit, dass es nun endlich eine „einheitliche Anlaufstelle für Patienten“ gibt, die mittwochs und freitagsnachmittags, an Wochenenden oder Feiertagen augenärztliche Hilfe benötigen. Auch Dr. Seibel meint: „Eine gut ausgeschilderte Klinik ist im Zweifel besser zu finden und auch mit dem ÖPNV besser zu erreichen, als wechselnde Praxen in den Städten.“

„Gefühl von Unsicherheit“

Der Dorstener Augenarzt weist auch auf das Sicherheitsbedürfnis der diensthabenden Ärzte hin. Nach seiner Auskunft steigt die Zahl der weiblichen Mediziner stetig: „Alleine nachts Notdienst versehen zu müssen, war durchaus mit dem Gefühl von Unsicherheit verbunden.“ In Bochum seien sie räumlich an eine Klinik angebunden.

Dr. Werner Seibel ist Augenarzt in Dorsten und KVWL-Leiter für den Bezirk Kreis Recklinghausen.

Dr. Werner Seibel ist Augenarzt in Dorsten und KVWL-Leiter für den Bezirk Kreis Recklinghausen. © KVWL

Dennoch: In Nachbarstädten wie Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck gibt es seitens der Politik Bedenken gegen die Zentralisierung der Notdienste - weil vor allem ältere Bürger betroffen sind. Die KVWL will dort nun in politischen Ausschüssen die Neuorganisation erläutern.

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In Dorsten hat Bürgermeister Tobias Stockhoff nach Angaben der Stadt-Pressestelle mit Dr. Werner Seibel vereinbart, dass Stadt und Kassenärztliche Vereinigung eine Info-Veranstaltung organisieren, sollte dies von den Bürgern gewünscht sein.

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Adressen und Kontakte

  • Die zentrale augenärztliche Notfalldienstpraxis am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum befindet sich in 44892 Bochum, In der Schornau 25a.
  • Geöffnet ist sie mittwochs und freitags von 15.30 bis 19.30 Uhr sowie samstags, sonntags als auch feiertags von 9.30 bis 14 Uhr und nochmals von 15.30 bis 20 Uhr.
  • In augenärztlichen Notfällen können sich Patienten außerhalb der genannten Öffnungszeiten direkt an die Augenklinik des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum wenden.
  • Menschen, die sich in einer lebensbedrohlichen Notfallsituation befinden, können sich umgehend an die allgemein bekannte Notrufnummer 112 wenden.
  • Infos über die nächstgelegene allgemeine oder fachärztliche Notfalldienstpraxis gibt es weiterhin unter der zentralen Telefonnummer 116117.
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