Autos schlängeln sich mühelos an der Schranke in der Talaue vorbei zum Napoleonsweg

mlzFuß- und Radweg

Schranken in den Zuwegungen zum Napoleonsweg sollen den Autoverkehr auf dem Rad- und Fußweg in Barkenberg unterbinden. Autofahrer haben Wege gefunden, die Hindernisse zu umkurven.

Wulfen-Barkenberg

, 17.08.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Napoleonsweg in Barkenberg ist ein Fuß- und Radweg. Ein sehr breiter Fuß- und Radweg. Deshalb haben sich Autofahrer im Ortsteil angewöhnt, den Fuß- und Radweg aus Bequemlichkeiten mit ihren Fahrzeugen zu missbrauchen. Seit diesem Jahr sollen Schranken in den Zuwegungen zum Napoleonsweg die Einfahrt der Autos verhindern. Mit mäßigem Erfolg.

Freitagmorgen, kurz vor 11 Uhr: In der Zufahrt zwischen dem Parkplatz Talaue und dem Napoleonsweg steuert ein kleiner, weißer Lieferwagen zielstrebig auf die Schranke zu. Was macht der Fahrer? Er fährt an der geschlossenen Schranke langsam vorbei, tastet sich zwischen Schaltkasten der Telekom und der Schranke vor und fährt dabei mit zwei Reifen über ein Blumenbeet.

Kaffeepause im Auto auf dem Fuß- und Radweg

Hach, geschafft, mag der Mann sich gedacht haben, als er sich mit seinem Pkw durch die schmale Gasse gezwängt hatte, um dann nach rechts auf den Napoleonsweg einzubiegen. Dort blieb er dann wenige Meter weiter stehen, um sich seinen mitgebrachten Kaffee im Lieferwagen einzuschenken und das sicher wohlverdiente Päuschen einzulegen.

Autos schlängeln sich mühelos an der Schranke in der Talaue vorbei zum Napoleonsweg

Die Schranke am Parkplatz Talaue soll die Einfahrt in den Napoleonsweg verhindern. Die Reifenspuren im Beet zeigen: Hier sind schon etliche Autos dran vorbeigefahren. © Claudia Engel

Was dem Fahrer womöglich gefallen hat, kann der Stadtteilkonferenz Barkenberg und auch der Stadt nicht gefallen. Denn die Schranken am Napoleonsweg wurden dieses Jahr Stück für Stück aufgestellt, um zu verhindern, was dieser Lieferant sich erlaubt hat: den Napoleonsweg für den Fahrzeugverkehr zu nutzen.

Normalerweise darf nur ein kleiner, handverlesener Kreis und nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Ordnungsbehörden den Napoleonsweg befahren. Eine Sondererlaubnis zum Befahren haben laut Auskunft der Stadt städtische Dienste wie Müllentsorgung, Grünflächenpflege, Straßenkontrolle oder Winterdienst – sie seien von der Zufahrtsbeschränkung ausgenommen. Dieses Sonderrecht sei in Paragraf 35/Absatz 6 der Straßenverkehrsordnung definiert.

„Ausnahmen gibt es neben der Regelung für Dienstfahrzeuge in seltenen, begründeten und nur auf Antrag einzeln von der Verkehrsabteilung des Ordnungsamtes zu genehmigenden Sonderfällen auch für Privatpersonen, zum Beispiel bei Umzug“, so die Stadt.

Schwächere Verkehrsteilnehmer sollen geschützt werden

Heinz-Rüdiger Kühn, einer der Sprecher der Wulfen-Konferenz, erklärte kürzlich noch in einer Stellungnahme, warum der Kfz-Verkehr so strikt aus den Fußgängerzonen verbannt werden soll und die Schranken aufgestellt wurden: „Die Wulfen-Konferenz hat in mehreren Gesprächen und Sitzungen dieses Verkehrsproblem besprochen. Einig waren wir uns mit der Stadt darin, die schwächeren Verkehrsteilnehmer unbedingt schützen zu müssen. Die Aufstellung der Schranken an markanten Stellen war dann der gangbare Kompromiss.“

Der Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer war auch das Anliegen der Stadtplaner, die die Neue Stadt Wulfen vor mehr als 60 Jahren konzipiert haben. Für den Autoverkehr und den Fußgänger- und Radverkehr wurden getrennte Wege in Barkenberg entworfen und gebaut. Das funktionierte jahrzehntelang wunderbar, bis die nachfolgenden Generationen das Konzept völlig vergaßen und aus Gründen der eigenen Bequemlichkeit dem Drang folgten, mit ihren Autos jederzeit und überall in die geschützten Bereiche für schwächere Verkehrsteilnehmer vorzudringen.

Stadt beobachtet das Treiben und zieht Konsequenzen

Die Stadt hat angekündigt, die Entwicklung am Napoleonsweg weiter zu beobachten und bei Bedarf nachzujustieren.

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