Balkon-Konzerte gegen den Corona-Frust: Gitarrist aus Dorsten startet „Musik-Sit-in“

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Musiker Akra Boa gibt ein Solo-Konzert. Auf seinem Balkon, für Nachbarn und Spaziergänger. Botschaft: Jeder kann dem Coronavirus etwas Schönes entgegensetzen. Jeder soll zu Hause mitmachen.

Dorsten

, 24.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Italien erklingt seit Beginn der Corona-Epidemie viel Musik von Balkonen und aus Fenstern, Menschen singen und musizieren gegen die Krise. Jetzt möchte auch ein Dorstener Künstler möglichst viele Menschen durch die Kraft der Musik miteinander verbinden. „Zuhause und gleichzeitig überall“, so lautet das Motto seines „Miteinander-Musik-Sit-ins“.

Solidarität und Lebensfreude

Die Aktion, die Solidarität und Lebensfreude vereinen soll, wird am Samstag (28. März) stattfinden. In Dorsten fällt zwar der Startschuss - er soll aber über die Region hinaus für Inspirationen und Nachahmer sorgen. „Denn alle Menschen können derzeit ein Lächeln gebrauchen“, sagt Carsten Wildhofer, Künstlername: Akra Boa.

Nur mit Gitarre und Gesang

„Wenn wir nicht zusammenkommen dürfen, dann machen wir es eben einzeln“, betont der Gitarrist und Sänger. Und so wird sich der Musiker - dem selbst schon mehrere geplante Auftritte wegen der Corona-Pandemie von den Veranstaltern abgesagt worden sind, am Samstag um Punkt 16 Uhr auf den Balkon seiner Wohnung in Wulfen setzen.

Und allein, nur mit Gitarre und Gesang, den erfolgreichen Bob-Marley-Wohlfühl-Song „Three little birds“ anstimmen - und damit sein gut einstündiges Solo-Konzert beginnen.

Eine Idee, die Kreise ziehen soll. Denn wer mitmacht, soll ein Video und ein Foto in den Sozialen Netzwerken posten - unter dem Hashtag #MiteinanderMusikSitin“. Wir haben für die Aktion im Internet schon in vielen Musiker-Gruppen geworben und würden uns freuen, wenn sich auch viele aus der Dorstener Kulturszene beteiligen würden“, sagt Claudia Dingler, Lebensgefährtin von Akra Boa und Mit-Organisatorin des „Musik-Sit-ins“.

Stücke, die jeder kennt

Alle, die Musik machen, singen oder ein Instrument spielen, sollten sich also am Samstag um 16 Uhr möglichst solo in ihren eigenen Garten setzen, es sich auf Balkon oder Terrasse bequem machen oder einen Stuhl ans offene Fenster rücken. Und damit gleichzeitig die zufällig mithörenden Mitmenschen erfreuen. Deswegen sollten Stücke oder Songs gespielt werden, die möglichst jeder kennt.

Carsten Wildhofer, Künstlername: Akra Boa, mit Claudia Dingler, die das „Musik-Sit-in“ organisiert.

Carsten Wildhofer, Künstlername: Akra Boa, mit Claudia Dingler, die das „Musik-Sit-in“ organisiert. © privat

„Positive Gefühle sind gut fürs Herz und auch für das Immunsystem“, schreiben die beiden Organisatoren in ihrer Einladung. Das „Mitmach-Musik-Projekt“ sei für beiden „ein Bedürfnis aus tiefster Seele angesichts so vieler Menschen in Angst und gefühlter Abgeschiedenheit oder auch Einsamkeit“.

Mit Energie und Herzblut

Dass gerade Akra Boa eine solch umspannende Aktion startet, verwundert nicht. Seit Jahrzehnten steckt er seine Energie und viel Herzblut in seine Kunst - und (be-)rührt mit seiner auf Blues und Soul basierenden Musik sein Publikum.

Und das ganz gleich, ob in Bands oder Projekten wie „Art of Random“ oder solo auf heimischen Festivals wie dem „Red Balloon“ im „Leo“ und Konzerten in seinem „Lieblings-Wohnzimmer“, dem Vinylcafe Schwarzes Gold.

Musiker Akra Boa und Claudia Dingler, die einige Songtexte für ihren Lebensgefährten geschrieben hat, sind übrigens beide in Dorsten aufgewachsen. Nach „Jahren in der großen weiten Welt“ sind beide vor fast zwei Jahren - inzwischen ein Paar - in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Erster Probelauf

Ihre Nachbarn in Wulfen durften am vergangenen Mittwoch bereits einen ersten „Musik-Sit-in“-Probelauf erleben. „Einige haben applaudiert, eine Mutter und ihre Tochter haben uns vom Fenster aus Handküsschen zugeworfen und Spaziergänger haben uns aufmunternde und dankende Wort zugerufen“, so Claudia Dingler.

Und so hofft sie, dass am Samstag auch wieder Menschen auf der „Hunderunde“, beim Radfahren oder Joggen stehen bleiben, Musik hören und vielleicht zur Musik tanzen werden.

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