Am Wall: Poller versperren Autos den Weg - das macht die Bewohner fertig

mlzBarkenberger Verkehrskonzept

Barkenberg ist in weiten Teilen autofreie Zone. Weil Fuß- und Radwege von Autofahrern missbraucht worden sind, wurden sie eingepollert. Das rächt sich jetzt bitter.

Wulfen-Barkenberg

, 07.02.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Barkenberg ist ein im Kern autofreier Ortsteil. Das soll zur Sicherheit schwacher Verkehrsteilnehmer beitragen. Doch gerade sie sind es jetzt, die sich bitter über das Pollerkonzept von Barkenberg beklagen. Denn viele ältere, gehandicapte Bewohner können nicht mehr mit den Autos bis zu ihren Hauseingängen fahren, um Einkäufe auszuladen oder gehbehinderte oder alte Mitbewohner bis zur Tür zu bringen. Und auch die Paketdienstfahrer stöhnen über die langen Laufwege von Parkplätzen bis zur Haustür.

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Marlies Littke (65), Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses Am Wall, sagt: „Seit einem halben Jahr muss ich sehen, wie ich meine Einkäufe vom Parkplatz nach Hause schaffe. Dabei habe ich eine Gehbehinderung. Und eine Prothese in einem Arm, die ich nicht belasten darf.“ Vielen anderen, alt und gebrechlich gewordenen Nachbarn gehe es so wie ihr.

Am Wall: Poller versperren Autos den Weg - das macht die Bewohner fertig

Marlies Littke kann Einkäufe nicht einfach stemmen: Deshalb hat sie sich einen Bollerwagen angeschafft, um Lebensmittel vom Auto zur Wohnung zu schaffen. © Claudia Engel

Marlies Littke sagt, dass ihr das Laufen schwerfalle. Häufig finde sie keinen Parkplatz auf der ihrem Haus nahegelegenen Fläche. „Die Stellplätze sind voll.“ Sie habe schon einen Platz in einer benachbarten Tiefgarage angemietet. Doch der Weg von dort zu ihrem Wohnhaus sei nicht barrierefrei. „Da muss man Stufen überwinden.“

Am Wall: Poller versperren Autos den Weg - das macht die Bewohner fertig

Paketfahrer und auch einige Anlieger haben Mittel und Wege gefunden, an den Häusern Am Wall vorzufahren. © Claudia Engel

Nachbarn würden deshalb die Poller umfahren oder hätten sich Schlüssel besorgt, um die Schranken zu öffnen. „Das ist zwar nicht erlaubt, wird aber gemacht“, so die Barkenbergerin. Einige pflügten mit ihren Autos durch die Grünanlagen, um zu den Häusern zu kommen.

Paketfahrer blieb im Matsch stecken

„Letztens ist hier ein Paketfahrer stecken geblieben“, erzählt sie. Das Risiko erwischt zu werden, ist recht groß. „Es gibt Nachbarn, die andere anzeigen und dafür sorgen, dass sie ein Knöllchen bekommen.“ Das sei aber doch nicht der richtige Weg, um im Frieden leben zu können, meint die 65-Jährige.

Grundsätzlich durften Fahrzeuge nie zwischen den Häusern Am Wall herumfahren. Denn der Weg Am Wall inmitten der Kolonie von Mehrfamilienhäusern war immer ein Fuß- und Radweg. Weil er aber gut ausgebaut und recht breit ist, wurde er im Laufe der Jahre von vielen Anliegern kurzerhand zur Straße umfunktioniert - verbotenerweise.

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Die Stadt hat deshalb in Abstimmung mit der Wulfen-Konferenz den Napoleonsweg und die Zuwegungen, so auch den Wall, im letzten Jahr sukzessive mit Schranken versperrt. Oder eben mit Pollern, damit sich kein Auto mehr vorbeischlängelt.

Seit einem halben Jahr passt kein Auto mehr durch

„Seit einem halben Jahr ist hier alles dicht“, so Marlies Littke. Sie habe deshalb das Gespräch mit Vertretern der Stadt gesucht und versucht, die Situation aus Sicht älterer Leute darzulegen und um Abhilfe gebeten. Stattdessen sei sie gefragt worden, ob sie nicht um die Besonderheiten des Barkenberger Verkehrskonzeptes wisse.

„Als ich vor 19 Jahren hierhin gezogen bin, habe ich mir darüber keinen Kopf gemacht. Da konnte ich auch noch gut laufen“, sagt die 65-Jährige. Viele ihrer Mitbewohner seien mir ihr ebenfalls älter und kränker geworden. „Neben mir wohnt eine alte Frau, die sich nur sehr langsam mit ihren Rollator vorwärts bewegen kann, eine andere Mitbewohnerin hat eine neue Leber bekommen und muss nun bis zu ihrem Taxi laufen, obwohl sie nicht gut gehen kann“, erzählt die Barkenbergerin. Einkäufe müssten vom Parkplatz in Plastikbadewannen oder Kartons nach Hause geschleppt werden. Sie selbst habe sich einen Bollerwagen angeschafft: „Aber das ist doch keine Lösung!“

Wulfen-Konferenz tagt am Mittwoch

Ihre Kritik möchte Marlies Littke kommende Woche in der Wulfen-Konferenz vortragen. Die Stadtteilbewohner und Vertreter der Stadt treffen sich am Mittwoch (12.2.), 18 Uhr, im Hotel Humbert, Dülmener Straße.

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