Baustellen-Lager vor der Haustür: „Das haut mich in die Pleite!“

mlzParkplatz gesperrt

Damit eine Baufirma Fahrzeuge und Material beim Bau der Fußgängerzone in Dorsten lagern kann, sperrt die Stadt einen Parkplatz. Für eine Kiosk-Besitzerin bricht die Welt zusammen.

Dorsten

, 17.07.2019, 04:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Rita Dönnebrink vor zwei Wochen erstmalig von der Stadt die Information erhielt, dass der Parkplatz vor ihrem Kiosk an der Gahlener Straße/Ecke Westwall Ende dieses Monats gesperrt wird, fiel sie aus allen Wolken. Als sie am Dienstag den Brief bekam, dass die Fläche sogar bis Ende November als Baulager dienen soll, brach für die 64-jährige Dorstenerin eine Welt zusammen. „Das haut mich in die Pleite“, sagt sie unter Tränen.

Existenz gefährdet

Seit 15 Jahren betreibt die Dorstenerin den Gesundbrunnen-Kiosk im Wendehammer zwischen Essener Tor und St.-Elisabeth-Seniorenzentrum, an der Trinkhalle hängt ihr ganzes Herz. „Wenn die Kunden hier nicht mehr parken können, ist meine Existenz gefährdet“, sagt Rita Dönnbrink.

100 Kunden täglich kaufen bei ihr ein, „viele holen abends Zigaretten und Getränke, fahren mit dem Auto vor“. Besonders problematisch aber sei die Tatsache, dass ihr Kisok seit zwölf Jahren ein Hermes-Paketshop ist. „Mehr als 50 Päckchen und große Pakete werden hier pro Tag vorbeigebracht und abgeholt, wo sollen die Kunden und Hermes-Fahrer denn künftig halten?“, befürchtet die 64-Jährige heftige finanzielle Einbußen, sollte Hermes ihr womöglich kündigen, wenn die Zufahrt nicht mehr gewährleistet ist.

Wenig Laufkundschaft

In ihrem kleinen Kiosk verkauft Rita Dönnebrink auch Zeitschriften, Eis oder andere Süßigkeiten. „Ich komme so gerade über die Runden“, betont sie. „Strom, Miete, Krankenkasse - wie soll ich als Alleinstehende künftig alles bewältigen, wenn kein Geld mehr in die Kasse kommt?“, fragt sie. Denn von dem, was die wenige Laufkundschaft einbringe, die auf dem Gehweg vor dem Kiosk unterwegs ist, könne sie nicht leben.

Dass der Parkplatz von der Stadt gesperrt wird, hängt mit der Umgestaltung der Fußgängerzone im Rahmen der Innenstadterneuerungsmaßnahme „Wir machen MItte“ zusammen. Wie berichtet, wird die Sanierung der Essener Straße vorgezogen: Die Neupflasterung dort sollte eigentlich erst im kommenden Jahr starten, Baubeginn ist nun der 1. August.

Keine Privatautos mehr

Laut Anwohnerschreiben der Stadt, das auch als Pressemitteilung an unsere Redaktion gegangen ist, soll der gesamte Parkplatz „zur zügigen Andienung der Baustelle“ der ausführenden Baufirma Benning als Baulager vorbehalten sein. „Ein Abstellen von privaten PKW ist in dieser Zeit deshalb nicht möglich“, so die Stadt in ihrer Pressemitteilung. „Die Zufahrt zu den privaten Einfahrten wird jedoch dauerhaft ermöglicht.“

Baustellen-Lager vor der Haustür: „Das haut mich in die Pleite!“

Dieser Parkplatz an der Gahlener Straße/Ecke Westwall soll vom 1. August bis 31. Oktober gesperrt werden. © Michael Klein

Eine solche Einfahrt gibt es auch neben dem Kiosk, sie gehört jedoch nicht Rita Dönnebrink, kann also nicht von ihren Kunden als Kurzzeitparkplatz genutzt werden. Rita Dönnebrink stellt sich die Frage, warum nicht ein anderer Parkplatz für Baumaterial und Baufahrzeuge genutzt wird.

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Wie Stadtpressesprecher Ludger Böhne auf Anfrage erklärte, „prüft die Stadt intensiv“, wie unter den beengten Verhältnissen möglichst optimale Abläufe bei der Erneuerung der Innenstadt gestaltet werden können: „Dies ist angesichts vielfältiger Interessen in vielen Einzelfällen keine leichte Abwägung.“

Langwierige Rangiervorgänge

So auch in diesem Fall: „Für die nun bevorstehende Erneuerung des Bauabschnitts Essener Straße musste aus verschiedenen Gründen der Parkplatz Gahlener Straße / Ecke Westwall als Standort für das Baustellenlager gewählt werden“, erklärt er.

Insbesondere könne nur diese Fläche von großen Sattelzügen zur Anlieferung von Material angefahren werden, ohne durch langwierige Rangiervorgänge allzu sehr in den starken Verkehr auf der viel befahrenen Landessstraße L 463/Gahlener Straße einzugreifen.

Unter anderem geht es hier um die Lastwagen, die die Paletten mit den Steinklinkern anliefern. An dem als Alternative diskutierten Parkplatz am Südwall könnten diese Lastwagen die nahezu rechtwinkligen Kurven bei der Ein- und Ausfahrt nur schwer befahren.

Viele Einschränkungen

„Allen Akteuren ist bewusst, dass die Erneuerung der Innenstadt mit vielen Einschränkungen und Belastungen für Gewerbetreibende und Anwohner verbunden ist“, so Böhne. „In den regelmäßigen Abstimmungen mit der Kaufmannschaft besteht allerdings auch Einigkeit darüber, dass es keine Alternative zu dieser Erneuerung gibt.“

Rita Dönnebrink hilft das aber nicht weiter: „Die Geschäftsinhaber in der Fußgängerzone können auch mal ein paar Wochen Baustelle vor ihrer Haustür überstehen“, sagt sie. „Mir kleinem Licht bricht das allerdings das Genick.“

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