Bennetts Bilder erzählen aus der Bibel

13.09.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dorsten "ER, Gott, baute die Rippe, die er vom Menschen nahm zu einem Weibe und brachte es zum Menschen." Mit der Erschaffung Chawwas (Evas) beginnt der Rundgang durch die Ausstellung "Szenen aus der Bibel" von David Bennett. Am kommenden Sonntag wird sie im Jüdischen Museum Westfalen eröffnet.

David Bennett, amerikanischer Jude russisch-litauischer Herkunft mit Wohnsitz in München, schöpft aus der reichhaltigen poetischen Kraft der Heiligen Schrift und übersetzt die metaphorischen Bibeltexte in seine eigene Bildersprache. Seit Mitte der 70er Jahre arbeitet Bennett mit unterschiedlichen graphischen Techniken in Hoch- und Tiefdruckverfahren wie Radierung, Linolschnitt oder Siebdruck. Rund 60 seiner Werke - von kleinen Graphiken in Postkartengröße bis hin zu großformatigen Siebdrucken im Format (120cm x 80 cm) - sind bis zum 9. Dezember im Jüdischen Museum Westfalen ausgestellt.

Bilder-Zyklen

"Wir zeigen so viel, wie es unsere Räumlichkeiten ermöglichen", bestätigt Kurator Thomas Ridder, der sich nach vielen Jahren regelmäßiger Kontaktpflege mit dem freischaffenden Künstler freut, eine Bennett-Ausstellung in Dorsten eröffnen zu können. Die Geschichten seiner Zyklen, von Esther oder Joseph zum Beispiel, erzählt Bennett auf seinen Linolschnitten mit kräftigem Pinselstrich: Prallgefüllte Farbflächen entstehen im Mehrfarbdruck, der die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau wohl bedacht in acht verschiedene Farben fächert.

Schwarz-weiß, reduziert bis hin zum Abstrakten zeigen sich dagegen die großformatigen Siebdrucke aus den 90er Jahren: Zwei Giraffenköpfe, die über das Geländer der Arche Noah schauen oder die schwarze Silhouette der lauschenden Esther am Zelt verbildlichen die Erzählungen aus dem Alten Testament. "Eine wichtige Vorlage ist dem Künstler immer wieder das Buch Esther", macht Thomas Ridder auf den Zyklus aufmerksam, der an jiddische Klezmermusik erinnert. Ein Vergleich, der durchaus von der Biographie des Künstlers gestützt wird, besitzt Bennett doch als ausgebildeter Opernsänger ein feines Feeling für den rechten Ton.

Von pianissimo bis Paukenschlag, mal munter-melodisch, mal melancholisch-dunkel "erzählt" Bennett von Abraham und Jizchak (Isaak), lässt die Visionen des Ezechiel in farbigen, archaischen Symbolen explodieren, übersetzt das Urteil Salomons und Jakobs Traum in seine Bildersprache - faszinierende Geschichten aus der frühen Zeit des Volkes Israel. sing

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