Besonderer Auftrag: Architekturbüro aus Dorsten bekommt den „Ritterschlag“

mlzThieken und Partner

Krankenhausbau ist seit über zwei Jahrzehnten sein Spezialgebiet. Jetzt erhielt das Architekturbüro Thieken aus Dorsten einen Auftrag, der in der Branche als „Ritterschlag“ gilt.

Dorsten

, 22.02.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Krankenhaus St. Franziskus in Mönchengladbach sind nach den Plänen des Unternehmens in den vergangenen Jahren rund 200 Millionen Euro verbaut worden. Der Auftrag, den die Holsterhausener Architekten und Ingenieure im letzten Jahr an Land gezogen haben, ist um ein Vielfaches geringer, dürfte fürs Renommée aber wertvoller sein.

Ab Anfang 2020 baut die Thieken GmbH fünf Operationssäle der Berliner Charité um. Das Auftragsvolumen beträgt „nur“ 11,9 Millionen, „aber in der Branche findet so etwas Beachtung“, weiß der Geschäftsführende Gesellschafter, Rainer Thieken. „Das ist ein bisschen wie der Ritterschlag.“

Besonderer Auftrag: Architekturbüro aus Dorsten bekommt den „Ritterschlag“

In Mönchengladbach hat das Büro Thieken in den vergangenen Jahren ein Krankenhaus-Großprojekt umgesetzt. © privat

In Mönchengladbach waren nach den Plänen der Dorstener drei Klinikstandorte zusammengefasst und unter anderem zwei Bettenhäuser und ein Funktionstrakt mit acht OP-Einheiten errichtet worden. Das „Krankenhaus der kurzen Wege“ sollte den Patienten und ihren Angehörigen „möglichst viel Privatsphäre lassen“, erklärt Rainer Thieken. Das Projekt belegte im Jahr 2014 den zweiten Platz eines Wettbewerbs der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen.

Die Charité indes zählt zu den größten Universitätskliniken Europas: Auf vier Standorte verteilt sie sich in Berlin, mit 13.760 Mitarbeitern erwirtschaftet die Charité nach eigenen Angaben 1,6 Milliarden Euro pro Jahr und ist damit einer der größten Arbeitgeber Berlins.

Zur Sache

Campus Benjamin Franklin

  • Im Süden Berlins entstand zwischen 1959 und 1969 das „Klinikum Steglitz“. An den Baukosten beteiligten sich zu etwa 20 Prozent die USA. Der Entwurf stammt von amerikanischen Architekten aus New Orleans.
  • Das Bauvorhaben war damals das größte Krankenhausprojekt Europas. Es vereinte Institute, Kliniken und Hörsäle unter einem Dach und bildete während der Teilung Berlins das westliche Gegenstück zur Charité in Ost-Berlin. 1994 wurde der Standort umbenannt in „Universitätsklinikum Benjamin Franklin“ und 2004 mit der Charité fusioniert.
  • Der Standort beherbergt 1200 Betten, 3500 Mitarbeiter sorgen sich um das Wohl der Patienten. Insgesamt werden dort etwa 20.000 Eingriffe pro Jahr vorgenommen. Die gesamte Charité bildet pro Jahr etwa 7000 Mediziner aus.

Der Bildschirm in dem kleinen Besprechungsraum des Architekturbüros in Holsterhausen zeigt inzwischen öfter mal den Campus Benjamin Franklin aus der Luft. Was derzeit geplant wird, würden Mediziner wohl als „Operation am offenen Herzen“ bezeichnen. „Wir bauen dort fünf Operationssäle um“, sagt Christian Brinkmann, Leiter für Krankenhausbau im Büro Thieken, „natürlich bei laufendem Betrieb.“

„Krankenhaus gelernt“ hat Rainer Thieken (56) schon während seiner Ausbildung zum Bauzeichner in den 1970er-Jahren im Dorstener Architekturbüro Ludes. Nach seinem Studium sammelte der Holsterhausener als leitender Angestellter Baustellenerfahrung, unter anderem bei Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz. 1993 wurde er Teilhaber im Architekturbüro Funke, 2001 Alleingesellschafter. Inzwischen beschäftigt der CDU-Ratsherr 40 Mitarbeiter, hat 35 Lehrlinge ausgebildet. „Viele sind anschließend in meinem Büro geblieben“, sagt er.

Fünf OP-Pläne werden modernisiert

Krankenhausbau macht inzwischen „etwa die Hälfte des Auftragsvolumens“ aus, bestätigt Thieken. Zu tun gibt es augenscheinlich genug, denn „ein Krankenhaus, das nicht baut, geht irgendwann pleite“. Davon ist die Charité weit entfernt. Der Masterplan für die Modernisierung sieht auch die abschnittsweise Sanierung der der OP-Ebene vor. Die Dorstener Architekten und Ingenieure bauen im dritten Bauabschnitt fünf moderne und interdisziplinär Operationssäle um. Im nächsten Jahr und nach mehr als einjähriger Planung geht es los, im August 2021 soll die Übergabe sein.

Besonderer Auftrag: Architekturbüro aus Dorsten bekommt den „Ritterschlag“

In zwei Bauabschnitten wurden bereits zehn Operationssäle am Campus Benjamin Franklin modernisiert. Die Thieken GmbH ist nun für fünf weitere OPs zuständig. © Charité/Wiebke Peitz

„Die neuen Hightech-Säle sind so ausgestattet, dass sogar Videokonferenzen während eines chirurgischen Eingriffs möglich sind“, sagt Thieken. „Die Technik bietet außerdem beste Voraussetzungen für die moderne Medizinerausbildung.“ Die Architekten und Ingenieure aus Dorsten müssen die Abläufe in der Klinik genau studieren, um „optimale Bedingungen für Ärzte und Patienten zu schaffen“.

Das Unternehmen wurde im Jubiläumsjahr neu strukturiert

Den Auftrag aus Berlin erhielt die Thieken GmbH im Jahr 2018, dem Jubiläumsjahr. Zur 25-Jahr-Feier im Herbst gab sich das Unternehmen nicht nur einen neuen Namen (Thieken und Partner), sondern hatte bis dahin auch die Geschäftsbereiche neu geordnet. Firmengründer Rainer Thieken leitet als Geschäftsführender Gesellschafter die Abteilung für Projektentwicklung und Architektur. Andreas Müller, Leiter der Ingenieurabteilung für Tragwerkplanung und Bauphysik, wurde zum zweiten Geschäftsführer bestellt. Und Krankenhaus-Spezialist Christian Brinkmann leitet die Abteilung für Generalplanung und Krankenhausbau.

Thieken hält nur noch 30 Prozent der Gesellschafteranteile, seine beiden erfahrenen Partner jeweils 20 Prozent. Jeweils zehn Prozent haben zwei jüngere Kollegen, Christopher Naujoks und Tobias Göbel, sowie Thiekens jüngere Tochter Theresa (25). Sie soll eines Tages mithelfen, die Erfolgsgeschichte des väterlichen Architekturbüros fortzuschreiben.

Franziska (28), ihre ältere Schwester, hatte daran kein Interesse. Sie ist Medizinerin geworden. Was ja eine zumindest beratende Tätigkeit nicht ausschließen muss. Ihr Vater hätte bestimmt nichts dagegen.

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