Betrugsskandal im Jugendamt: Der Prozess hat begonnen. © Eggert (Archiv)
Gerichtsprozess

Betrugsskandal im Jugendamt Dorsten – Ex-Abteilungsleiter steht vor Gericht

Einem Ex-Mitarbeiter des Jugendamtes in Dorsten wird seit Mittwoch der Prozess gemacht. Er soll 215.000 Euro an städtischen Geldern für private Anschaffungen unterschlagen haben.

Die Anklageschrift gegen den Ex-Abteilungsleiter im Dorstener Jugendamt war lang. Sehr lang. Angesichts der verschärften Corona-Bedingungen im Amtsgericht (geöffnete Fenster bei Eiseskälte draußen) beschränkte sich die Staatsanwältin am Mittwoch beim Vorlesen der Vorwürfe deshalb auf das Nötigste. 298 betrügerische Bestellungen an 223 Tagen. Damaliger Schaden für die Stadt: 215.407,92 Euro.

Anonymer Hinweis war eingegangen

Im September 2019 war der geständige 39-Jährige durch einen anonymen Hinweis aufgeflogen. In den drei Jahren zuvor hatte der verheiratete Vater von drei kleinen Kindern seine gehobene Stellung in der Stadtverwaltung ausgenutzt, um sich persönlich bereichern, so die Anklage.

Der Angeklagte hatte seinerzeit unter anderem die Budgetverantwortung für das Familienbüro und die Jugendförderung – und war dabei für die Beschaffung von Gegenständen zuständig. Auf Kosten der Stadt schaffte er sich die unterschiedlichsten Dinge für den privaten Gebrauch an, von „A“ wie AEG-Ablufttrockner, Anti-Vibrationsmatte und Acryldichtstoff bis „Z“ wie Zurrgurte, Zimmermannswinkel und Zubehör für technische Gerätschaften.

Dazu Spielzeug, Kleidung, Computer, Regale, Gartengeräte und so weiter. Mal waren es 43,70 Euro für einen „Einbauflansch“, mal aber auch 24.051 Euro für eine Beschallungsanlage. Die Rechnungen splittete er laut Anklage entweder so, dass sie unter die Grenze der „geringwertigen Wirtschaftsgüter“ fielen, die im Jahr der Anschaffung im Etat der Stadt vollständig abgeschrieben wurden. Oder er log dem Rechnungsprüfungsamt vor, dass die bestellten Sachen für den Dienstgebrauch seien.

Den Schaden habe er inzwischen wieder gut gemacht, betonte der 39-Jährige beim Prozessauftakt vor dem Dorstener Schöffengericht. 193.000 Euro hat er der Stadt zurückgezahlt, außerdem habe sein damaliger Arbeitgeber einen Teil der Gegenstände bekommen. Ein Darlehen in Höhe von 200.000 Euro habe die Familie zur Begleichung seiner Schulden aufgenommen.

Was den vorher gänzlich unbescholtenen Verwaltungsmitarbeiter zu den Betrügereien bewogen hat? Darüber ist noch nichts bekannt. Sein Anwalt beantragte nämlich, die Öffentlichkeit (Presse und Prozessbeobachterin der Stadtverwaltung) von der Gerichtsverhandlung auszuschließen, so lange es um „die psychischen Probleme des Angeklagten im Tatzeitraum geht“. Grund: „Um seine Familie zu schützen.“

Fortsetzung in zwei Wochen

Die Staatsanwältin hingegen betonte das Interesse der Öffentlichkeit an dem Fall: Gerade hier seien die Steuerzahler „konkret betroffen“. Das Schöffengericht wird zu Beginn des Fortsetzungstermins in zwei Wochen bekannt geben, inwieweit die Öffentlichkeit zugegen sein darf.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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