Blaulicht-Kabarettist: Der Alltag von Feuerwehrleuten ist lustiger, als man denkt

mlzGünter Nuth

Was geschieht mit einem Feuerwehrmann, wenn der Piepser im Liebesspiel losgeht? Kabarettist Günter Nuth verrät es am Donnerstag in Wulfen. Aber wie witzig ist der Alltag der Helfer wirklich?

Wulfen

, 04.09.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine Auftritte sind „Liebeserklärungen an alle Blaulicht-Helfer“, sagt er, weil die vermeintlichen Helden ja ganz normale Menschen sind. Günter Nuth muss keine Rolle spielen, er ist Feuerwehrmann und Rettungsassistent. Und hat mittlerweile zwei Traumberufe: Menschen zu retten und Menschen zum Lachen zu bringen.

Am Donnerstagabend (5. September) tritt Günter Nuth auf Einladung der Freiwilligen Feuerwehr Wulfen im Gemeinschaftshaus Wulfen auf. Der Löschzug feiert in dieser Woche sein 112-jähriges Bestehen.

Blaulicht-Kabarettist: Der Alltag von Feuerwehrleuten ist lustiger, als man denkt

Feuerwehr-Kabarettist Günter Nuth (2.v.r.) tritt auf Einladung des Löschzuges Wulfen am Donnerstagabend im Gemeinschaftshaus Wulfen auf. © Guido Bludau

Herr Nuth, ist der Feuerwehr-Alltag tatsächlich so lustig, wie Sie ihn in Ihrem Programm darstellen?

Es gibt sehr viele humorvolle und skurrile Begebenheiten bei der Feuerwehr, aber das ist nicht der Berufsalltag. Er ist geprägt von Routineeinsätzen, von kleinen Bränden einer Mülltonne bis hin zum Großbrand, von Einsätzen mit technischer Hilfeleistung bis hin zu Extremeinsätzen mit Menschenrettung. Und mit der Erkenntnis, dass es auch für Feuerwehreinsatzkräfte Grenzen gibt. Diese lustigen Einsätze, die sich ab und zu ereignen, nutzen wir Retter als Ausgleich.

Wie sind Sie eigentlich Feuerwehr-Kabarettist geworden? Langeweile gehabt?

Als Fachberater für Psychotraumatologie erlebe ich in meiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit bei der Begleitung von Einsatzkräften nach Extremeinsätzen oft Situationen, die sehr belastend sind und die traurig machen. Daher suchte ich mir vor einigen Jahren eine Alternative als Ausgleich, und was ist schöner, als andere Menschen zum Lachen zu bringen?

Kann man das lernen?

Ja, ich besuchte Workshops zum Gag-Schreiben, übte Szenen mit einer Regisseurin, kaufte mir technisches Equipment und startete 2012 mit der Feuerwehrkabarett-Premiere. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass es eine solche Erfolgsgeschichte werden würde. Da ich zwei gute Seelen in mir trage, bin ich auch nach wie vor als Gastdozent und für Betroffene in der Betreuung nach belastenden Einsätzen tätig.

Wie viel von Ihrem Programm ist erfunden, wie viel wirklich passiert?

Da ist nicht viel erfunden, was ich auf der Bühne präsentiere. Manchmal muss ich skurrile Ereignisse, die sich wirklich ereignet haben, aus dem Programm streichen, weil die Zuschauer nicht glauben, dass sie stattgefunden haben. Hier und da übertreibe ich etwas, um das Ereignis bildhaft darzustellen. Ist es nicht witzig, wenn wir eine Katze und einen Vogel gleichzeitig retten sollen, oder was geschieht mit einem Helfer, wenn ihn sein Piepser im Liebesspiel alarmiert?

Schildern Sie doch kurz mal eine kuriose Situation, die Sie selbst in Ihrem langen Berufsleben erlebt haben.

Es waren Wildschweine durch einen defekten Zaun aus einem Wildpark weggelaufen. Und die Feuerwehr sollte sie einfangen. Händewedelnd wollten wir sie zurücktreiben… über Wiesen und Hecken… 20 Helfer im Halbkreis… Ich wusste gar nicht, wie schnell Wildscheine sein können. Die sind schneller als die Fußballspieler von Fortuna Düsseldorf.

Gibt es auch Kritik an Ihrem Programm? Meistens haben die Einsätze von Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern ja einen ernsten, ziemlich unlustigen Hintergrund.

Ich ziehe ernste und bedrückende Einsätze, die oft Realität sind, nicht ins Lächerliche. Menschliches Leid gehört für mich nicht ins Kabarett. Das ist nicht mein Niveau. Wir finden sie deshalb nicht in meinem Abendprogramm. Mein Blaulicht-Kabarett ist für jedermann mit ausschließlich humorvollen Gedanken aus unserer Feuerwehr-Welt. Ich hole die Menschen für zwei Stunden aus dem Alltag heraus. Völlig entspannt. Also die Zuschauer jetzt, ich vor dem Auftritt weniger.

Karten für den Kabarettabend (Beginn am 5. September um 19.30 Uhr) im Gemeinschaftshaus Wulfen gibt es im Vorverkauf bei der Sparkasse Vest in Wulfen (Hervester Straße) und bei Juwelier Tillmann (Orthöver Weg). Die Tickets kosten 15 Euro, an der Abendkasse 18 Euro.
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