Bei Maifeiern musste die Polizei in der Vergangenheit häufiger mal ran auf Maria Lindenhof. Seit jeher ist die Parkanlage ein beliebter Treffpunkt. © Guido Bludau (A)
Polizei ermittelt

Blutergüsse, Beulen, blaue Flecken: Opfer berichten von brutalem Überfall im Bürgerpark

Chillen, klönen, zusammen trinken - so hatte sich ein Dorstener Pärchen einen Abend im Bürgerpark Maria Lindenhof vorgestellt. Stattdessen landeten die beiden schwer verletzt im Krankenhaus.

Maria Lindenhof ist ein Treffpunkt für junge Menschen in Dorsten. Auch für eine 21-jährige Dorstenerin und ihren Freund: „Seit ich 14 bin, gehe ich bei schönem Wetter abends dorthin. Im Park trifft man immer Bekannte“, so die junge Frau. Das war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nicht anders.

Allerdings kassierten die 21-Jährige und ihr gleichaltriger Freund heftige Prügel von einer Gruppe von Unbekannten. Wegen einer Kleinigkeit. Ein Wort gab das andere und schon fanden sich die beiden 21-Jährigen in der Notaufnahme des Krankenhauses wieder. Dorstener sprechen auf Facebook von einem Angstraum auf Maria Lindenhof. „Immer wieder an den gleichen Stellen“ passiere etwas, sagt einer.

Angstraum? Die Polizei sieht keinen Hotspot

Die Polizei kennt Maria Lindenhof als Treffpunkt junger Menschen. Andreas Wilming-Weber sieht aber keinen Hotspot für Gefährdungen dies- und jenseits des Kanals zwischen Mercaden und Anglerheim sowie auf der Fläche hinter dem Gymnasium Petrinum und Altenheim Maria Lindenhof. Hier kommen junge Menschen gerne zusammen: „Dort kann man auch mal ein bisschen lautere Musik hören, zusammen trinken und grillen, ohne dass es jemanden stört“, bestätigt die 21-Jährige.

Dass ein Treffen einmal derart eskalieren würde, hat sich die 21-Jährige bis Freitag nicht vorstellen können. „Nach Feierabend bin ich mit dem Rad am Park vorbei und sah andere aus unserer Clique“, sagt die Dorstenerin. Sie habe angehalten und sich dazu gesellt. Ihr gleichaltriger Freund sei nachgekommen.

Zufälligerweise hielt sich zeitgleich aber auch eine fremde Jugendgruppe im Park auf. Und wegen dieser Gruppe sei die Nacht zum Freitag völlig aus dem Ruder gelaufen. „Einer rief plötzlich, ob wir seine weiße Musikbox haben. Hatten wir nicht. Aber plötzlich waren mein Freund und ich mitten im Getümmel. Wir wurden geschlagen, mein Freund wurde festgehalten und getreten, als er schon am Boden lag. Ich habe versucht ihn zu schützen und bekam was ab. Mein Kopf dröhnt immer noch“, sagt sie auf Redaktions-Anfrage am Telefon.

Seit der grundlosen Schlägerei hat die Dorstenerin eine dicke Beule mitten auf der Stirn. Weil die Angreifer ihren Freund umzingelten, ihn umstießen und dann auf ihn eintraten, habe der zwei dunkel verfärbte Ohren, Prellungen und Blutergüsse am ganzen Körper erlitten und wohl auch Blutergüsse an inneren Organen. Das habe eine Untersuchung im Krankenhaus gezeigt. Denn die fremden Jugendlichen bearbeiteten ihn zu sechst. „Er muss noch mal zum Arzt, um abklären zu lassen, ob noch weitere Verletzungen vorliegen.“

Angreifer rannten Richtung Gahlen weg

Die Angreifer rannten nach der wüsten Prügelei in Richtung Gahlen davon. „Dort hat man auch meinen Haustürschlüssel wiedergefunden“, sagt die Dorstenerin. Der war ihr mitsamt ihrem Rucksack von einem der Fremden geklaut worden. „Das ist ein Snipes-Rucksack mit einem Camouflage-Muster. Habe ich in größeren Städten schon häufiger bei jungen Leuten gesehen“, sagt sie. Der Rucksack sei leider nicht wieder aufgetaucht.

„Die Polizei kam erst, als wir sie angerufen haben“, erzählt die Dorstenerin. „Ich bin sehr traurig, weil etliche Leute drumherum standen, aber nichts unternommen haben, um uns zu helfen.“ Auf Anfrage hieß es bei der Polizei-Pressestelle, dass weiter ermittelt werde. Wegen „dreier weiterer Vorfälle in kurzer Zeit“ auf Maria Lindenhof und an den Mercaden seien Bezirksbeamte und Streifen regelmäßig präsent und „haben Gespräche mit verschiedenen Gruppierungen geführt“. „Wir können ihnen aber schlecht ein Verbot erteilen, wenn sie nichts gemacht haben“, sagt Wilming-Weber.

Die Dorstenerin hat die Nase von ihrem einstigen Lieblingsort gestrichen voll: „Ich werde einen riesengroßen Bogen drumherum machen.“

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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