Blutgrätsche: Kreisligakicker aus Dorsten zahlt Gegner Schmerzensgeld

mlzBerufungsprozess

Ein Amateurfußballer (25) aus Dorsten hat die Zahlung von 800 Euro Schmerzensgeld an einen gefoulten Gegenspieler akzeptiert. Das Opfer kann bis heute nicht wieder spielen.

Dorsten, Essen

, 28.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund 15 Monate nach einem folgenschweren Foulspiel bei einem Kreisligaspiel in Gelsenkirchen ist ein Amateurfußballer (25) aus Dorsten doch noch um eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung herumgekommen. Das Strafverfahren wurde am Donnerstag in der Berufungsinstanz am Essener Landgericht mit Zustimmung des Dorsteners gegen Zahlung von 800 Euro Schmerzensgeld an den verletzten Gegenspieler eingestellt. In erster Instanz hatte das Amtsgericht in Gelsenkirchen am 7. Februar noch drei Monate Haft auf Bewährung gegen den 25-Jährigen verhängt.

Knieverletzung: Gegenspieler wurde brutal gefoult

Das war passiert: Am 10. Februar 2019 war es auf dem Aschenplatz an der Plutostraße in Gelsenkirchen bei einem hitzigen Kreisliga-Derby hoch her gegangen. Der Dorstener war als Spieler eines der beiden Gelsenkirchener Fußballvereine mit dabei.

Nur wenige Sekunden nach der Ankündigung, seinen Gegenspieler „beim nächsten Mal richtig umzuhauen“, soll der 25-Jährige in der 34. Minute den anderen Spieler bei einem Zweikampf so hart gefoult haben, dass dieser sich eine schwere Knieverletzung zuzog. Gelenk und Bänder waren betroffen. Wie es im Prozess hieß, musste der verletzte Gegenspieler zwei Monate lang eine stabilisierende Knieschiene tragen. Nach eigenen Angaben liegt die weitere Amateurfußball-Karriere des jungen Mannes bis heute auf Eis. „Ich kann immer noch nicht wieder spielen“, sagte der Gefoulte am Donnerstag im Berufungsprozess.

Spielberichtsbogen gab keinen Hinweis

Der Dorstener war ursprünglich fest entschlossen, in der Berufung darum zu kämpfen, am Ende mit weißer Weste statt mit einer Verurteilung für eine „Blutgrätsche“ die Heimreise nach Dorsten anzutreten. „Er sagt, dass er gar nicht der Foulspieler gewesen ist und auch nicht für etwas zahlen möchte, wofür er gar nicht verantwortlich ist“, umriss sein Anwalt die anfängliche Verteidigungsstrategie. Selbst im Spielberichtsbogen, so der Verteidiger weiter, lasse sich mit keiner Silbe einen Hinweis auf eine Verantwortlichkeit des Dorsteners finden.

Verfahren gegen eine Schmerzensgeldzahlung eingestellt

Angeblich war ein damaliger Mitspieler der wahre Übeltäter, das sollten angeblich auch mehrere Zeugen so bestätigen. Doch dann kam ein plötzlicher Sinneswandel: Völlig überraschend machte der Verteidiger selbst den Vorschlag, das Strafverfahren gegen eine Schmerzensgeldzahlung einzustellen. Und im Gegenzug auf eine förmliche Verurteilung des 25-Jährigen zu verzichten. Nach einer kurzen Beratung auf dem Flur nickte sogar auch der Dorstener – wenn auch zähneknirschend - diesen Weg ab.

Das Schmerzensgeld muss in den kommenden sechs Monaten komplett überwiesen sein, sonst droht eine Neuauflage vor Gericht

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