Rechtsanwalt Burkhard Benecken verteidigt den Angeklagten. © Martin von Braunschweig
Landgericht Dortmund

Blutiger Pizzastreit: Endlos-Prozess wird noch einmal aufgerollt

Vor fast acht Jahren hatten vier Pizzabäcker in Wulfen-Barkenberg einen blutigen Streit. Bis heute ist der Fall nicht juristisch aufgearbeitet. Das Dortmunder Landgericht will das nun ändern.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand im Oktober 2013 ein Pizza-Auslieferungsfahrer, der seinen beiden Bossen aus heiterem Himmel erzählte, dass er fortan für die Konkurrenz tätig sein würde. Als eines Abends dann die beiden früheren Arbeitgeber auf der Straße den beiden Neu-Chefs begegneten, lag sofort Ärger in der Luft.

Messer und Gürtel eingesetzt

Zunächst schlugen die vier Männer wechselweise aufeinander ein. Einer zog sich sogar den Gürtel aus der Hose, um seine Kontrahenten mit der Schnalle zu verletzen. Richtig übel wurde es jedoch, als der Cousin des Gürtelschwingers ein Messer hervorzog und es einem der Gegner in den Bauch rammte.

Die Klinge durchtrennte die Leber des Opfers. Mit einer sofortigen Operation gelang es den Ärzten, die Blutung zu stoppen und das Leben des Mannes zu retten.

Anklage wegen Körperverletzung

Schon wenige Monate nach der Tat wurden der Messerstecher und der Mann mit dem Gürtel wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Das Landgericht Essen verhandelte lange und ausführlich. Doch die am Ende verhängten Haftstrafen wurden später vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Der Fall musste von einer anderen Strafkammer in Essen erneut verhandelt werden.

Ende 2017 war es schließlich soweit. Wieder brauchten die Richter mehrere Verhandlungstage. Und wieder standen am Ende Strafen für die Täter. Der Messerstecher wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der Gürtelschläger erhielt ein Jahre Haft auf Bewährung.

BGH kippt Urteil zweimal

Weil jedoch der Bundesgerichtshof auch mit diesem Urteil nicht zufrieden war, wurden die Strafen nicht rechtskräftig. Im Gegenteil: Die Revision war erfolgreich, und nun wurden die Akten ans Dortmunder Landgericht geschickt. Dort begann am Mittwoch schließlich Prozess Nummer drei.

Doch als wäre die Sache nicht schon kompliziert genug, kann nun erst mal nur gegen den Mann mit dem Gürtel verhandelt werden. Sein mutmaßlicher Komplize ist so schwer erkrankt, dass er als verhandlungsunfähig gilt. Wenn er wieder gesund ist, bekommt er seinen eigenen Prozess.

Keine Angaben zu Vorwürfen

Zusammen mit seinem Verteidiger Burkhard Benecken entschied der 44-jährige Angeklagte am ersten Verhandlungstag, dass vorerst keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht werden sollen. Benecken wies aber darauf hin: „Zuletzt ist an das Opfer noch einmal weiteres Schmerzensgeld gezahlt worden.“

Insgesamt soll der Verletzte jetzt schon 8.000 Euro von den Pizzabäckern bekommen haben. Inwiefern diese Zahlung die Strafe noch einmal reduzieren kann, wird der Prozessverlauf zeigen.

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