Die Vorwürfe gegen den Angeklagten (links, hier mit seinem Anwalt Siegmund Benecken) wogen schwer. © Klein, Michael
Gerichtsprozess

Böse Vorwürfe nach Sex-Affäre zwischen Geschäftsfrau und Schafhirten

Eine gestandene Geschäftsfrau aus Dorsten hat eine fatale Sex-Affäre mit einem viel jüngeren Schafhirten - und gerät in einen Strudel der Hörigkeit. Jetzt gab es böse Vorwürfe vor Gericht.

Sie ist eine gestandene Geschäftsfrau aus einer bekannten Dorstener Unternehmerfamilie. 2016 begann die Mit-Fünfzigerin eine fatale zweijährige Sex-Affäre mit einem 17 Jahre jüngeren Schafhirten, in die sie emotional immer tiefer und tiefer hinein strudelte – bis hin zur Hörigkeit. „Und dabei ließ sie sich finanziell ausnehmen wie eine Weihnachtsgans“ – dieses Fazit zog die Staatsanwältin am Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht.

Im Amtsgericht saß der Ex-Liebhaber auf der Anklagebank. Dem 38-Jährigen wurde vorgeworfen, die Dorstenerin im Mai 2018 in einem Schafstall vergewaltigt zu haben.

Für Luxus-Karossen gezahlt

Zudem habe er von dem Opfer gefordert, für ihn die Leasing-Raten für zwei Luxus-BMWs (Wert: jeweils mehr als 130.000 Euro) zu übernehmen – andernfalls würde er ihrer Familie und dem Lebensgefährten von dem verschwiegenen Verhältnis erzählen.

Und dann war da noch ein von ihr nieder- und unterschriebenes Dokument, in dem sie sich verpflichtet, dem Liebhaber 800.000 Euro zu zahlen, sollte sie gegenüber Anwälten und Behörden behaupten, dass sie die beiden Neuwagen nicht freiwillig gekauft habe oder verlangen, die Nobel-Karossen zurückhaben zu wollen. Das habe der Angeklagte ihr „unter massiven Einschüchterungen“ abgepresst, so die Anklage.

„Sex war immer einvernehmlich“

Der Anwalt des Mannes verlas eine Erklärung, dass die Vorwürfe nicht stimmten. Der Sex sei immer einvernehmlich gewesen, die Autos habe sie ihm geschenkt, das Schreiben von ihr sei freiwillig gewesen. Der Anwalt präsentierte SMS-Chat-Verläufe, in der sich beide immer wieder ihrer Zuneigung versichern.

Darunter war auch ein Nacktfoto von sich selbst, dass die Geschäftsführerin dem Angeklagten geschickt hatte – und das Wochen nach der vermeintlichen Vergewaltigung. Im gleichen Zeitraum fertigten die Beiden ein gemeinsames Bett-Video an, in dem die Dorstenerin erklärte, sie wolle nicht mehr mit ihrem Lebensgefährten, sondern mit dem Liebhaber zusammen sein.

Auftrag für Schafschur

Kennengelernt hatten sich beide 2015, als der Beschuldigte beauftragt worden war, die Schafe der Unternehmer-Familie zu scheren. Daraus erwuchs für ihn eine 400-Euro-Beschäftigung als „Hausmeister“ – und das unheilvolle Liebesabenteuer, das von Sex geprägt war, an allen möglichen Orten, vor allem aber in einem Kirchhellener Hotel.

Die Frau versorgte ihn mit Geld, mit Bank- und Tankkarten, ließ ihn bei einem Notar sogar als ihren Alleinerben eintragen. Als der Familienbetrieb in finanzielle Schieflage geriet, vertraute sich die Frau einem Steuerfachmann an. „Ich habe mich selbst nicht wiedererkannt“, sagte sie aus, „ich habe wie unter Hypnose gelebt“. Ihr Leben sei zerstört, seitdem habe sie immer wieder gesundheitliche Probleme gehabt.

„War abhängig von ihm“

Sie habe sich zwar von dem Angeklagten gestalkt gefühlt, ihn später gehasst, aber immer das bereitwillig ausgeführt, von dem sie glaubte, was er von ihr verlangen würde. Immer deutlicher wurde während ihrer Aussage, dass der Angeklagte wohl gar nicht drohen musste. „Ich habe einfach immer alles gemacht“, so die Frau, „ich war abhängig von ihm“.

Den Druck habe sie nicht von ihm, „sondern aus sich heraus verspürt“, so Richterin Lisa Hinkers. Am Ende gab es einen Freispruch, den so auch die Staatsanwältin gefordert hatte. Weder Nötigung noch Erpressung noch Unterschlagung konnte dem Angeklagten nachgewiesen werden, auch nicht die Vergewaltigung: Die Frau war nicht zum Arzt gegangen, und zur Polizei erst drei Monate später. „Aus Scham“, wie sie sagte.

Sichtlich aufgewühlt

Die bewegende Aussage der Frau hinterließ Spuren. „Sie tut mir sehr leid“, erklärte selbst der Anwalt des Angeklagten und verzichtete auf eine Befragung der Frau, die im Gerichtssaal sichtlich aufgewühlt über die Affäre Auskunft erteilte.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein
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