Brennnessel-Wald im Park: Warum wird hier nicht gemäht?

mlzBrennnesseln

„Warum wird dieser Brennnessel-Wald nicht gemäht?“ Das fragen sich viele Eltern, deren Kinder auf dem Spielplatz Johanneskamp hinter dem Agatha-Kindergarten am Rand der Altstadt spielen.

Dorsten

, 10.06.2020, 12:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der große Spielplatz ist ein beliebter Anziehungspunkt für Familien mit Kindern. Die große Grünfläche daneben würde an einen Stadtpark erinnern - wenn nicht weite Teile mit Brennnesseln übersät wären. Dort zu spielen, würde Kindern eine schmerzhafte Erfahrung bescheren. Zudem wirkt eine „Brennnessel-Plantage“ in Innenstadtnähe auch nicht gerade „gepflegt“.

Deshalb fragen sich viele Besucher, warum der „Brennnessel-Wald“ vom Rasenmäher der Stadt verschont bleibt, während andere Teile der Grünfläche regelmäßig gemäht werden. Wenn die Fläche schon von Bürgern nicht genutzt werden kann, könne die Fläche wenigstens für Insekten als Wildblumenwiese hergerichtet werden.

Brennnesseln müssen weichen

Laut Stadtsprecher Ludger Böhne ist genau das geplant. „Die genannte Fläche ist Teil der Ausschreibung zum Wir machen Mitte-Projekt Schölzbachtal/Finkennest, wo aktuell die Vergabe der Aufträge bevorsteht. Der Brennnesselbestand soll komplett abgezogen und durch eine Wildwiese ersetzt werden.“

Ein bisschen zur Ehrenrettung der Brennnesseln will Böhne allerdings auch beitragen. „Sie wird zu Unrecht und vermutlich reflexhaft als grüner Bösewicht verteufelt.“ Böhne verweist auf Berichte, nach denen beispielsweise 50 verschiedene Schmetterlingsarten ihre Eier ablegen - Brennnesseln bringen also beispielsweise Schmetterlinge in den Garten. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral stehen beispielsweise auf die Brennnessel.

Aphrodisiakum

Laut Naturschutzbund ist die Brennnessel zudem eine seit Jahrtausenden eingesetzte Heilpflanze und Vitaminbombe. Sie enthält Karotinoide, Kalium, Kalzium, Eisen und Chlorophyll. Und die Samen, die man im August ernten kann, werden sogar in vielen Kulturen als Aphrodisiakum eingesetzt.

Doch geplant ist keine Brennnessel-Plantage, sondern eine Wildblumenwiese. Haben die Wildblumen eigentlich eine Chance gegen die Brennnesseln oder muss man in Zukunft damit rechnen, dass die Brennnesseln irgendwann zurückkehren und das Ruder übernehmen?

Hundehalter haben es in der Hand

Böhne: „Ob die Wildwiese sich auf Dauer durchsetzt, haben die Bürgerinnen und Bürger ein Stück weit mit in der Hand.“ Denn Brennnesseln würden recht zuverlässig anzeigen, wo viel Stickstoff im Boden sei. „Also unter anderem dort, wo vermehrt Hunde ihr (sowohl kleines als auch großes) Geschäft verrichten.“

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