Dorstens Bürgermeister vergleicht Corona-Maßnahmen mit Schweizer Käse

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Manche Corona-Regeln sind für Menschen in Dorsten schwer nachvollziehbar. Der Bürgermeister wählt deshalb einen ungewöhnlichen Vergleich und berichtet von Gesprächen mit Infizierten.

Dorsten

, 28.10.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bürgermeister von Dorsten ist ein bekannter Mann. Und Tobias Stockhoff selbst kennt auch ziemlich viele Menschen in seiner Stadt. Darunter sind auch einige, die mit dem Coronavirus infiziert wurden. „Dann greift man schon mal zum Telefon und fragt nach“, berichtete er jetzt.

Natürlich interessiert den Bürgermeister der Gesundheitszustand seiner Gesprächspartner und der Krankheitsverlauf. Aber er möchte auch wissen, wie es zu der Infektion gekommen ist. „Da kommt dann der Naturwissenschaftler in mir durch“, meint der diplomierte Physiker. Stockhoffs Eindruck: „Ein festes Muster gibt es nicht, Auslöser sind aber vergleichsweise oft kleine Feierlichkeiten im privaten Rahmen, wo man sich näher kommt und vielleicht schlechte Luftverhältnisse herrschen.“

Noch eine andere Erkenntnis hat der Bürgermeister in den vergangenen Wochen gewonnen aus vielen Gesprächen und der Lektüre von Kommentaren in den Sozialen Medien. Es gebe eine „kritische Gemengelage“ von Meinungen. Solche, die alles kritisieren, und solche, die noch härtere Maßnahmen fordern. Was aber ist der richtige Weg?

Tobias Stockhoff wählt für die Antwort den Vergleich mit einem Schweizer Käse. Der hat bekanntlich viele Löcher, „und wenn man eine Scheibe abschneidet und Wasser drüberlaufen lässt, geht viel Wasser hindurch. Legt man eine zweite Scheibe darauf, kommt schon weniger Wasser durch.“ Was Stockhoff sagen will: Es gebe nicht die eine wirksame Maßnahme gegen die Corona-Pandemie, sondern nur das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen, das Erfolg verspreche.

Maßnahmen müssen gut begründbar sein

Allerdings: Gut begründbar müssen sie sein, und da haperte es zuletzt an der ein oder anderen Stelle. „Wir müssen entscheiden, was kurzfristig, mittelfristig und langfristig notwendig ist für den Fortbestand unserer Gesellschaft“, appelliert Tobias Stockhoff an die Politiker in Bund und Land. Oder um im Bild zu bleiben: Es bedarf der richtigen Käsescheiben, klarer und verständlicher Regeln, um Zweiflern und Kritikern die Anordnungen besser erklären zu können.

Maskenpflicht in der Fußgängerzone von Dorsten

Die Maskenpflicht in der oft wenig belebten Fußgängerzone ist eine Maßnahme, die nicht jeder Dorstener auf Anhieb versteht. © Stadt Dorsten

Die aktuellen Zahlen belegen indes, dass die Situation in Dorsten angespannter ist als vor einigen Wochen. 129 Menschen sind infiziert, mehr denn je zeitgleich. Der Inzidenzwert, derzeit wegen der Vergleichbarkeit mit anderen Städten und Landkreisen das Maß aller Dinge, kletterte auf 132,5. Die Stadtverwaltung hat deshalb am Mittwoch reagiert. Voraussichtlich ab der kommenden Woche werden mehr als zehn Prozent der Kernverwaltung (das sind etwa 60 Beschäftigte) unmittelbar mit den Auswirkungen der Pandemie beschäftigt sein.

Stadt verstärkt den „Corona-Bereich“

Verstärkt wurden bereits oder werden nach Angaben von Stadtsprecher Ludger Böhne „nicht nur der Kommunale Ordnungsdienst, sondern auch die Personalkapazitäten für weitere Aufgaben wie die Zustellung der Quarantäneanordnungen, Verfassen von Quarantäne-Verfügungen nach Anweisung des Gesundheitsamtes des Kreises, Betreuung der städtische Corona-Hotline, Beratung und Unterstützung für viele Berufsgruppen und Unternehmen zum Umgang mit den aktuellen Regeln zum Infektionsschutz oder Einlasssteuerung am Rathaus“.

Das bedeutet aber zugleich, dass andere Aufgaben derzeit auch zurückstehen müssten. „Wir halten das Kerngeschäft natürlich aufrecht und dringende Angelegenheiten werden auch weiterhin zeitnah bearbeitet. Aber wir müssen um Verständnis bitten, dass weniger eilige Themen derzeit nur verzögert bearbeitet werden können“, betonte die Leiterin des städtischen Krisenstabs, Nina Laubenthal.

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