Bürgerverein wollte sich einmischen und mitgestalten

Heike und Werner Wenig

"Als wir einzogen, kamen die Leute von nebenan rüber und luden uns ein", erinnert sich Werner Wenig. "Zwischen den Gärten in unserer Zeile gab es keine Zäune und hinter den Häusern keine Autos - die Kinder konnten überall spielen. Das war ähnlich offen, wie wir es in Amerika schätzen gelernt hatten."

WULFEN-BARKENBERG

von Von Sabine Bornemann

, 26.10.2011, 18:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heike und Werner Wenig kamen 1975 nach einigen Jahren in den USA wieder nach Deutschland zurück. Prof. Dr. Wenig fing als Physiker bei den Hüls-Werken an. Das Ehepaar zog zunächst in eine Mietwohnung in Lippramsdorf, fühlte sich aber nicht wohl. Schon im Jahr drauf bauten sie ein mehrstöckiges Reihenhaus in Barkenberg.  Die Eingemeindung der "Neuen Stadt Wulfen" nach Dorsten war 1975 gerade vollzogen. Die Wenigs fühlten sich im neu benannten Ortsteil "Barkenberg" sofort zu Hause. Umso mehr irritiert waren sie über die weitestgehend negative Berichterstattung - meistens von Leuten, die den Ort nie gesehen hatten. Deshalb gründete das Ehepaar 1984 den gemeinnützigen "Bürgerverein Wulfen-Barkenberg e.V.", der sich um eine Verbesserung des Images bemühte und noch bis zum Ende der 1990er-Jahre aktiv war. Innerhalb kürzester Zeit hatte der Verein 120 Mitglieder - alles sehr engagierte junge Eltern, von denen viele noch heute hier leben.Vorurteile abgebaut

Der Verein versuchte, Vorurteile abzubauen und fundiert zu informieren. So traten die Wenigs am 4. Februar 1987 bei einer WDR-Sendung "Mittwochs in ... Barkenberg" im Gemeinschaftshaus auf. Sie organisierten Vorträge, z.B. von der Polizei, die viele Behauptungen über den Ort widerlegte. Die Zusammenarbeit mit dem Informationszentrum und der Entwicklungsgesellschaft war sehr konstruktiv. Die Gruppe mischte sich überall ein und war mit ihrem Engagement auch sehr willkommen. Werner Wenig: "Der ganze Ort war im Werden - nicht so ein verschnarchter Stadtteil, wo schon alles festgefügt ist. Hier lebten fast nur junge Leute. Die waren aktiv, wollten gefragt werden und mitgestalten. Sie hatten auch Mut zu Experimenten. Für uns war das ein ganz einmaliges Klima."

Viel Kontakt als Ärztin

Im Jahr 1977 eröffnete Dr. Heike Wenig ihre Praxis für Allgemeinmedizin am Himmelsberg, wo sie bis heute tätig ist. Durch ihre Patienten hat sie die Phasen in der Entwicklung des Ortes hautnah miterlebt. "1980 kamen mit der Cap Anamur 144 Flüchtlinge nach Barkenberg. Ich bildete eine der Vietnamesinnen als Arzthelferin aus, und die anderen wurden fast alle meine Patienten - nur hier gab es jemanden, der sie verstand. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR kamen viele Spätaussiedler ohne Deutschkenntnisse hier an, und ich kann kein Russisch. Heute arbeiten bei mir zwei Arzthelferinnen, die Russisch sprechen."

Als Hausärztin hatte Heike Wenig immer viel Kontakt zu den ganzen Familien, nicht nur zur erkrankten Person. "Hausbesuche sind für mich bis heute selbstverständlich - und wenn es nötig ist, nehme ich jemanden aus meinem Praxisteam mit, der die Sprache spricht."

Auch das ist bürgerschaftliches Engagement.

  

 

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