AfD-Ratsmitglied Ernst Kirschmann (r.) trug am letzten Samstag bei der "Querdenker"-Demo in Dorsten eine Maske mit der Aufschrift "Corona-Diktatur" und verwickelte mit einem Parteifreund auch Bürgermeister Tobias Stockhoff (gelbe Weste) in ein Gespräch. © Petra Berkenbusch
Coronavirus

„Corona-Diktatur“: Das nächste AfD-Mitglied in Dorsten schert aus

Zunächst verbreitete der Bürgermeisterkandidat Verschwörungstheorien, dann kritisierte ein AfD-Ratsmitglied in Dorsten die „Corona-Diktatur“. Die Parteispitze reagiert unterschiedlich.

Unter die etwa 100 „Querdenker“, die am Samstag in Dorsten demonstrierten, hatte sich auch das AfD-Ratsmitglied Ernst Kirschmann gemischt. Er trug eine Schutzmaske mit der Aufschrift „Corona-Diktatur“ und protestierte auf seine Weise gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Kirschmann widersprach damit sogar dem AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen, der beinahe zeitgleich auf dem Bundesparteitag der Partei in Kalkar gefragt hatte: „Ist es wirklich klug, von einer Corona-Diktatur zu sprechen? Wir leben in keiner Diktatur, sonst könnten wir diesen Parteitag auch heute wohl kaum so abhalten.“

„Verwirrte Gedanken in der Öffentlichkeit“

Es ist das zweite Mal, dass ein aktiver Lokalpolitiker der AfD in Dorsten „seine verwirrten Gedanken in der Öffentlichkeit kundtut“, wie es Ruth Lange vom Bündnis „Wir in Dorsten gegen Rechts“ beschreibt. „Zwei Drittel der Dorstener Ratsfraktion teilen somit nicht die Position ihrer Partei. Muss das nicht Konsequenzen nach sich ziehen?“

Wenige Tage zuvor hatte bekanntlich der ehemalige Bürgermeisterkandidat Marco Bühne in einer privaten Facebook-Gruppe Verschwörungstheorien verbreitet. „Ein schwerreicher Computerspezialist“ wolle alle Menschen impfen und „die Weltbevölkerung um 10 bis 15 Prozent reduzieren“, behauptete Bühne und rechtfertigte seine Äußerungen später als „private Meinung“. AfD-Kreisverband und -Stadtverband distanzierten sich öffentlich.

Bühne löschte schließlich seinen Kommentar – angeblich nicht auf Druck seiner Partei, teilten Kreissprecher Lutz Wagner und der Dorstener Fraktionsvorsitzende Heribert Leineweber auf Anfrage mit. „Wir üben keinen Druck auf Mitglieder aus.“ Die Entscheidung habe Herr Bühne selbst getroffen. Auch Ernst Kirschmann muss wohl nicht befürchten, sich nachhaltig den Zorn der örtlichen Parteispitze zugezogen zu haben.

Das Tragen einer Maske mit der Aufschrift „Corona-Diktatur“ gehe auf eine Äußerung von Dr. Alexander Gauland zurück, heißt es lapidar. „Wir sehen weder als Stadtverband noch als Kreisverband einen Anlass, diese zu kommentieren“, betonten Wagner und Leineweber in einer gemeinsamen Erklärung. Diesmal distanzieren sich Kreis- und Stadtverband also nicht.

Unterstützung für „Stuttgarter Aufruf“

Kirschmann hat auch an anderer Stelle Einblick in sein politisches Denken gegeben. Im „Stuttgarter Aufruf“ fordert eine rechte AfD-Splittergruppe seit zwei Jahren einen radikaleren Kurs der Partei und wendet sich „gegen Denk- und Sprechverbote“. Unterstützung gibt es auch von „Ernst Kirschmann, Nordrhein-Westfalen“. Seine Beweggründe (Original-Zitat): „Weil ich gegen Feigheit denk und Redeverbote bin. Weil ich gegen unterwanderung unserer Partei durch Linke Genossen bin.“

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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