Corona-Prämie: Stockhoff bittet Gesundheitsminister Spahn um Prüfung

Coronavirus

Weil vier Covid-19-Patienten fehlten, gibt‘s keinen Corona-Bonus für die Pflegekräfte der KKRN-Kliniken in Dorsten, Marl, Haltern und Herten. Das findet auch Dorstens Bürgermeister unfair.

Dorsten

, 02.12.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bürgermeister Tobias Stockhoff

Bürgermeister Tobias Stockhoff © Ralf Pieper

Für die Pflegekräfte der KKRN-Krankenhäuser in Dorsten, Haltern am See, Marl und Herten gibt es keine Corona-Prämie. Zwischen Januar und Ende Mai wurden in den vier Kliniken insgesamt 46 Corona-Patienten behandelt - und damit vier zu wenig, um als „besonders belastet“ zu gelten.

Das Regelwerk zur Verteilung der Corona-Prämie für Pflegekräfte in Krankenhäusern unterscheidet außerdem nicht zwischen leichten und schweren Krankheitsverläufen. Die Kliniken, in denen sich die Pflegekräfte um die besonders schweren und pflegeintensiven Fälle gekümmert haben, schauen deswegen im Zweifel in die Röhre. Wer mehr Patienten mit leichtem Verlauf hatte, die auch schnell wieder entlassen werden konnten, hat größere Chancen auf die Prämie.

50. Patient nach dem 31. Mai entlassen - keine Prämie

Denn nicht nur die Anzahl der Covid-19-Patienten - mindestens 50 bei Kliniken mit mehr als 500 Betten und mindestens 20 bei kleineren Häusern - ist entscheidend. Es wird auch beim Entlassdatum der Patienten ganz genau hingeschaut. Eine Klinik im hessischen Marburg kam auf 50 Patienten im besagten Zeitraum - weil der 50. aber erst nach dem 31. Mai entlassen wurde, gehen auch die dortigen Pflegekräfte leer aus.

Bundesweit bekommen weniger als 30 Prozent der Kliniken den Corona-Bonus, wie eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Harald Weinberg ergeben hat. Der Linken-Politiker nennt die Corona-Prämie für Krankenhäuser eine „beschämende Minimallösung“.

Stockhoff regt zweite Abfrage zur Belastung an

Auch Bürgermeister Tobias Stockhoff findet die Regelung unfair. „Unser medizinisches Personal leistet aktuell hervorragende Arbeit für Leben und Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger“, sagt er. „Dass viele die Bonuszahlung nun nicht erhalten, stiftet Unfrieden und spaltet das medizinische Personal in zwei Klassen.“

Nach dem Bericht der Dorstener Zeitung hat Stockhoff deswegen einen Brief an Jens Spahn geschrieben und den Bundesgesundheitsminister gebeten zu prüfen, ob an allen bisher leer ausgegangenen Standorten eine zweite Abfrage der Belastung möglich sei, diesmal dann für die Monate Oktober bis Dezember.

„Die Enttäuschung ist jetzt natürlich groß bei all jenen, die leer ausgehen“, so Stockhoff. „Obwohl viele in diesen Herbstwochen, in der sogenannten zweiten Welle, ebenfalls mit Patientenzahlen konfrontiert sind, die im Frühjahr als besondere Belastung galten.“

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