Corona-Quarantäne in Ungewissheit: 16 Tage ohne Labor-Ergebnis

mlzCoronavirus

Der Skiurlaub des Arbeitskollegen in Ischgl hat eine junge Dorstenerin in die Quarantäne gezwungen. Das Ergebnis ihres Corona-Tests erhielt sie erst, als ihr „Hausarrest“ schon vorbei war.

Dorsten

, 08.04.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Kollege war gerade aus Ischgl zurückgekehrt, als Nadine Janta und er in der Firma in Gescher am 10. März ausnahmsweise in direkter Nähe zueinander arbeiteten. Acht Tage später rief der Kollege an und berichtete, dass er positiv auf Covid-19 getestet worden sei und sie zu seinen Kontaktpersonen gehöre.

Danach ging zunächst alles schnell. Nadine Janta berichtet: „Ich habe mich am 18. März gleich ans Gesundheitsamt gewandt. Am nächsten Tag fanden schon die Kontaktaufnahme durch den Hausarzt und der Abstrich in Marl statt.“ Hausarzt und Behörde stellten sie direkt unter strenge Quarantäne. Die gelte bis zur Verfügung durch das Ordnungsamt.

Nach 96 Stunden Wartezeit gab es immer noch keine Ergebnis

An jenem Donnerstag stellte man ihr in Aussicht, dass sie im Falle eines positiven Abstrichs innerhalb von 96 Stunden ein Ergebnis erhalte. Ein negatives Ergebnis werde dem überweisenden Hausarzt übermittelt, der sie dann informieren werde. „Die 96 Stunden waren am Montag, dem 23. März, vorbei“, berichtet Nadine Janta, „aber es hatte sich nichts getan. Auch beim Hausarzt war keine Nachricht eingegangen.“ Also blieb sie brav in Quarantäne. Sie war ohnehin seit dem 17. März im Homeoffice.

Unterdessen versuchte sie herauszufinden, was aus ihrem Abstrich geworden war. Nadine Janta: „Der Hausarzt verwies mich ans Gesundheitsamt, das Gesundheitsamt bat täglich um ,noch einen Tag Geduld‘. Ich war schon irritiert, als ich merkte, dass die freundlichen Leute an der Hilfe-Hotline gar keinen Zugriff auf Testergebnisse hatten.“ Die Expertin für Dokumentations-Software speziell für den Medizinbereich erfuhr, dass alle Informationen über den Postweg gehen.

Strenge Regeln: Keine Kontakte, nur in der Wohnung bleiben

Inzwischen hielt sich die allein lebende junge Frau weiter streng an die Quarantäne-Regeln: „Ich deponierte meinen Müll vor der Wohnungstür, damit mein Freund ihn mitnehmen konnte, wenn er mir Einkäufe auf die Matte stellte.“ Persönliche Kontakte mit Freunden und der Familie waren auf Null heruntergefahren.

Die Einkäufe erledigte ihr Freund und stellte sie vor ihre Tür.

Die Einkäufe erledigte ihr Freund und stellte sie vor ihre Tür. © picture alliance/dpa

Am neunten Tag der Quarantäne, einem Freitag, wandte sich Nadine Janta an die Corona-Hotline der Stadt Dorsten.

„Niemand fühlt sich zuständig und ich renne gegen eine Wand nach der anderen.“
Nadine Janta in ihrem Schreiben an den Bürgermeister

Auch hier sei sie zwar auf sehr nette Mitarbeiter gestoßen, aber nicht auf ihr Testergebnis, das längst hätte vorliegen sollen. Auch ihr Hausarzt hatte keinen Bescheid bekommen.

Keine Behörde fand bis zum Ende ihrer Quarantäne ihre Akte

Dem Dorstener Ordnungsamt, das sich inzwischen eingeschaltet hatte, hatte das zuständige Gesundheitsamt auch keine Unterlagen über die Patientin übermittelt. Der Mitarbeiter versprach eine Recherche und machte Hoffnung auf ein Ergebnis am Montag oder Dienstag. Es ist Nadine Janta allerdings nie mehr gelungen, einen Kontakt zu diesem Mitarbeiter herzustellen.

Jetzt lesen

Als am 1. April der vorletzte Tag ihrer 14-tägigen Quarantäne-Zeit verstrichen war, wusste die junge Frau immer noch nicht, ob ihr Test positiv oder negativ ausgefallen war. In ihrer Verzweiflung wandte sie sich an Bürgermeister Tobias Stockhoff, der versprach, ihre Mail an den zuständigen Landrat weiterzuleiten und das Ordnungsamt den Sachstand beim Kreisgesundheitsamt Recklinghausen recherchieren zu lassen.

„Die strenge Quarantäne wäre nicht nötig gewesen.“
Nadine Janta

Am Freitag, 3. April, erfuhren Nadine Janta und ihr Hausarzt dann durch einen Anruf des DRK, dass sie sich nicht mit Corona infiziert hatte. Sie hat sich zum Nachweis das schriftliche Untersuchungsergebnis aushändigen lassen, denn eine offizielle Aufhebung ihrer Quarantäne liegt bis heute nicht vor.

Die ersten Tage „in Freiheit“ hat sie bei ihrem Freund im Garten verbracht und die Sonne genossen. Was schief gelaufen ist, weiß sie bis heute nicht. Das konnte auch der Bürgermeister nicht herausfinden, hat er der Redaktion auf Anfrage mitgeteilt.

Lesen Sie jetzt