1530 Firmen in Dorsten bekamen Soforthilfe - aber nicht geschenkt

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Die Corona-Pandemie hat den Dorstener Unternehmen schwer zugesetzt. 1530 Firmen haben Soforthilfe beantragt und 16,2 Millionen Euro bekommen. Das Geld ist ihnen nicht geschenkt worden.

Dorsten

, 13.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

So schlecht wie lange nicht geht es den Dorstener Unternehmen. Fast alle Branchen leiden, insbesondere aber das Gaststättengewerbe, Unternehmen aus dem Bereich Kultur und Freizeit, Gesundheit, Verkehr und Lagerei. 1530 Firmen in Dorsten haben die Corona-Soforthilfe beantragt. 16,2 Millionen Euro flossen laut aktueller Erhebungen des Landes nach Dorsten. Doch geschenkt wird den Unternehmen nichts.

Josef Hadick ist Geschäftsführer der Windor.

Josef Hadick ist Geschäftsführer der Windor. © Moritz Brilo

Auf Anfrage sagte Josef Hadick, der Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor: „Das Nachweisverfahren über die Verwendung der erhaltenen Zuwendungen und eine daraus eventuelle resultierende (Teil-) Rückzahlung startete am Montag (6. Juli). Dies geschieht nach unseren Informationen blockweise. Daher dürften zum einen noch nicht alle Unternehmen angeschrieben worden sein. Andererseits haben die Unternehmen bis zum 30. September Zeit für eine Rückmeldung per Nachweisformular, die Rückzahlung muss spätestens bis zum 31.12.2020 erfolgen.“

Nach der Soforthilfe gibt es Überbrückungsgeld

Dass die Firmen sich seit der Aufhebung des Lockdowns schon erholt haben könnten, ist unwahrscheinlich. Wer weiterhin Probleme hat, kann ein neues staatliches Förderprogramm beanspruchen: Überbrückungsgeld. Nachdem das Soforthilfeprogramm ausgelaufen war, hat der Bund weitere Milliarden locker gemacht. Bis zu 3000 Euro können Kleinunternehmer mit bis zu fünf Mitarbeitern bekommen.

Die Windor geht davon aus, dass „Steuerberater und Wirtschaftsprüfer das Antragsverfahren erledigen“. „Wie viele Unternehmen in Dorsten davon Gebrauch machen werden, können wir noch nicht sagen. Das Portal für die Antragstellung wurde jetzt erst freigeschaltet.“

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Insbesondere Kleinunternehmen und Solo-Selbstständige in Dorsten wurden von der Corona-Pandemie und dem Lockdown kalt erwischt. 1284 Firmen mit bis zu fünf Mitarbeitern in Dorsten haben Soforthilfe beansprucht. Doch trotz der schwierigen Ausgangslage scheint die Stimmung unter den Unternehmern noch positiv zu sein.

Lediglich ein Solo-Selbstständiger in Dorsten habe das Handtuch geworfen, 77 hätten Antrag auf Grundsicherung beim Job-Center gestellt, sagt Sprecher Thomas König. „Von den 77 hat aber erst ein Drittel einen Bescheid bekommen.“ König wertet das als gutes Zeichen: „Die weiteren Anträge wurden vorsorglich gestellt, wir vermuten, dass die Firmen erst einmal abwarten, ob sich die Lage nicht doch noch bessert.“

Aktueller Bericht wurde dem Kreistag vorgelegt

In einem aktuellen Bericht zu Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Kommunalfinanzen im Kreis Recklinghausen, der dem Kreistag in jüngster Sitzung präsentiert wurde, hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) festgestellt, dass vier von fünf Unternehmen einen Umsatzrückgang fürs Gesamtjahr 2020 erwarten und „15 Prozent der kleinen Betriebe bis 19 Mitarbeiter sich von einer Insolvenz bedroht sehen“. Mehr als ein Drittel der Firmen plane Personalabbau, Handwerksbetriebe wollten aber an ihren Mitarbeitern festhalten und stellten sogar Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Im Wirtschaftsbericht der Kreisverwaltung wird deutlich gemacht, dass „die Einschätzung der Auswirkungen bei den Unternehmen im Kreis zwar spürbar ist, aber die längerfristige Entwicklung derzeit nicht vorhersehbar ist“. Mit einer weiteren Zunahme der Arbeitslosenquote wird allerdings gerechnet. In Dorsten lag sie im Juni bei 7,3 Prozent und damit 1,0 Prozentpunkte über dem Vergleichsmonat 2019.

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