Coronavirus: Alkoholkonsum stieg und auch die Zahl der Rückfälle

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Der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen. Suchtkranke oder -anfällige Menschen griffen in der häuslichen Isolation häufiger zur Flasche oder sie wurden rückfällig.

Dorsten

, 10.07.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Suchtberater des Caritasverbandes Dorsten kennen normalerweise ein Sommerloch. „Meist nimmt die Zahl der Beratungen in dieser Zeit stark ab“, sagt Christa Trzaska, Diplom-Psychologin und stellv. Leiterin der Beratungsstelle. 2020 ist ein gegenläufiger Trend spürbar: „Wir haben mehr Anfragen nach Beratungsgesprächen als sonst bekommen.“

Das Team der Suchtberatung und Behandlung: (v.l.) Barbara Heubach, Kirstin Damm, Hartmut Giese, Christa Trzaska, Karl-Heinz Berse und Annette Zöllner.

Das Team der Suchtberatung und Behandlung. Unser Archivfoto aus 2019 zeigt (v.l.) Barbara Heubach, Kirstin Damm, Hartmut Giese, Christa Trzaska, Karl-Heinz Berse und Annette Zöllner. © Klapsing-Reich (Archivfoto)

Als Grund führt das Suchtberatungsteam der Caritas den wegen der Corona-Pandemie verhängten Lockdown an. In der häuslichen Isolation wirkte sich das fatal aus: „Einige Menschen sind in dieser Zeit rückfällig geworden oder haben noch mehr getrunken als sonst.“

Christa Trzaska und ihre Kollegen Barbara Heubach sowie Karl-Heinz Berse kennen das Dilemma, in dem Menschen mit Suchtproblemen stecken. Durch den Wegfall von Kontrollinstanzen oder der gewohnten Tagesstruktur habe sich die Suchtproblematik vertieft oder sei zum Vorschein gekommen. 900 Menschen werden von der Suchtberatung in Haltern und Dorsten betreut, darunter 300, die langfristig begleitet werden.

Alkoholkonsum ist bei einem Drittel gestiegen

Ein Bericht der Krankenkassen von Anfang Juli zeigt: Der Alkoholkonsum ist bei rund einem Drittel der Erwachsenen seit der Coronakrise gestiegen. 35,5 Prozent der mehr als 3000 Teilnehmenden gaben bei einer anonymen Online-Umfrage an, während der Covid-19-Pandemie mehr oder viel mehr Alkohol getrunken zu haben als zuvor.

Seit Pandemie-Ausbruch mehr Wein und Schnaps verkauft

Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GKF) wurden seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland 34 Prozent mehr Wein und 31 Prozent mehr Spirituosen verkauft. Unklar sei, so eine Drucksache des Deutschen Bundestages von Juni, ob es sich hierbei um die Verlagerung des Alkoholkonsums nach Hause handelt, weil seit Mitte März 2020 Bars und Restaurants geschlossen wurden und hier somit kein Alkohol mehr konsumiert werden konnte. Suchtexperten sind von vornherein davon ausgegangen, „dass es unter der COVID-19-Pandemie zu einem Anstieg schädlichen Alkoholkonsums kommen könnte“.

Plötzliche Kontaktabbrüche sind ein Alarmsignal

Verschiedene Indizien deuten auch in Dorsten darauf hin. „Wir stellen das zum Beispiel bei plötzlichen Kontaktabbrüchen unserer Klienten fest“, sagt Christa Trzaska. „Normalerweise akzeptieren wir die Entscheidung, im Lockdown haben wir von uns aus angerufen, weil wir uns Sorgen gemacht haben.“ Einige der Angerufenen seien dankbar dafür gewesen, „dass wir uns gemeldet haben“.

„Einige Menschen sind stabil abstinent, andere würden es gerne sein, wieder andere können sich noch nicht vorstellen, abstinent zu leben. Es gibt eine Vielzahl von Hilfen, die wir anbieten können“, sagt Trzaska, Kontakt: (02362) 918 720, -727,-730.

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