Coronavirus: Dorstener steht im Pulk von 300 Menschen am Gepäckband in Düsseldorf

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Corona-Alarm in Deutschland: Ein Dorstener kehrte auf Wunsch seines Arbeitgebers umgehend aus Indonesien zurück. Am Düsseldorfer Flughafen konnte der Heimkehrer nur noch staunen.

Dorsten

, 17.03.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis zu zehnmal im Jahr fliegt der Dorstener Jürgen Statz nach Asien. Für die Firma Caterpillar geht er dort seinen Geschäften nach. Am Freitag bekam der Dorstener in Indonesien einen Anruf seines Chefs in Deutschland, er möge umgehend nach Hause zurückkehren. Wegen Corona und weil man nicht wisse, wie lange der Flugbetrieb noch aufrechterhalten wird.

Was Statz dann bei der Ankunft am Düsseldorfer Flughafen erlebte, verwunderte und entsetzte ihn gleichermaßen: „Nach 14 Stunden Flug - hier kann sich der Virus gut entwickeln -, Landung in Deutschland, mehrere Maschinen aus verschiedenen Ländern kamen an. Viele Hunderte Menschen standen zusammen an verschiedenen Kofferbändern. Aber eine Kontrolle wie Temperaturmessung oder ähnliches fand nicht statt. Was ist los in Deutschland?“, fragt Statz.

Vor dem Heimflug etliche Prüfungen

Bevor er den Heimflug antreten konnte, habe er Prüfungen bestehen müssen. „Meine Reise begann in Batam/Indonesien. Vor der Fähre großer Temperaturcheck für alle Reisenden. Bei Eintritt am Flughafen in Singapur großer Temperaturcheck. Bei beiden Checkpoints wurden einzelne Menschen aufgrund von höheren Körpertemperaturen zurückgehalten“, so Statz. Sie seien umgehend in Militärcamps oder Krankenhäusern isoliert worden, bis ihre die Diagnose feststeht.

Obwohl in Deutschland gerade sämtliche öffentlichen Einrichtungen geschlossen werden, gelten am Düsseldorfer Flughafen aus Sicht von Jürgen Statz noch dieselben Regeln wie vor Corona. Der Dorstener wundert sich sehr, dass erkennbar überhaupt keine Vorkehrungen feststellbar waren, die auf eine Corona-Vorsorge hindeuten würden.

Kein separater Bereich, keine Temperaturmessung

Es habe keine separaten Bereiche gegeben, keine Temperaturmessungen bei den Ankömmlingen, rein gar nichts. Man habe dann mit 300 Leuten dicht gedrängt um die Gepäckbänder herumgestanden und sich die Frage gestellt, wie ein solch lockeres Handling in Zeiten von Corona überhaupt möglich ist. Er sei dann ungeprüft und ungehindert nach Hause gefahren.

Auf unsere konkrete Anfrage zu dem Fall schickte die Kommunikationsabteilung des Düsseldorfer Flughafens zunächst einmal eine allgemeine Presseinformation. Darin wird dem interessierten Journalisten erläutert, dass „der Flughafen 2019 eine starke Wachstumsphase gehabt habe und die Verkehrsnachfrage für 2020 zunächst auf einem soliden Vorjahresniveau“ erwartet worden sei. „Aktuell ist der Luftverkehr stark rückläufig.“

Das war allerdings nicht die Frage, sondern wie der von Statz geschilderte lasche Umgang mit ankommenden Passagieren in Coronazeiten zu erklären ist. Immerhin konnte der Pressemitteilung entnommen werden, dass der Schutz der Flughafen-Mitarbeiter in der gesamten Phase der Pandemie „oberste Priorität“ habe.

Auf erneute Nachfrage antwortete Flughafensprecher Thomas Kötter: „Wir informieren im Terminal über Plakataushänge zu Verhaltensweisen und Hygieneempfehlungen. Darüber hinaus handeln wir in Bezug auf die Einreisebestimmung in diesen Zeiten nach den Vorgaben der Gesundheitsbehörden. Diese sahen bis dato keine Temperatur-Scans bei der Ein- und Ausreise vor.“

„Enger Kontakt mit dem Ministerium in Düsseldorf“

Auf der Homepage weist der Düsseldorfer Airport zudem darauf hin, dass der Flughafen Düsseldorf in engem Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsbehörden der Landeshauptstadt Düsseldorf stehe. „Ihnen obliegt letztlich die Einschätzung einer Gefährdungslage. Das Gleiche gilt für das Anberaumen möglicher Schutzmaßnahmen. Bei möglichen Verdachtsfällen gibt es eine bereits bei anderen Epidemien bewährte Verfahrensweise.“

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